Mittelhessen erhalten BBL-Wildcard für kommende Saison - Prominent besetzte Delegation zeigt Wirkung
Matthias LehmannLUDWIGSBURG. Es ist entschieden: Die LTi Giessen 46ers sind auch in der Saison 2009/2010 in der Basketball-Bundesliga (BBL) vertreten. Nachdem die Mittelhessen noch am vergangenen Sonntag vor dem BBL-Schiedsgericht unterlagen, nutzten die 46ers die letzte Möglichkeit, in der höchsten deutschen Spielklasse zu bleiben, und sicherten sich die Wildcard für den offen gewordenen Platz durch den Rückzug der Giants Nördlingen.
Die 46ers stachen damit Mitbewerber Eisbären Bremerhaven bei der Vergabe der begehrten BBL-Spielberechtigung aus. Die stimmberechtigten Vertreter der verbliebenen Bundesliga-Klubs gaben nach den Präsentationen der beiden Wildcard-Bewerber ihre Stimmen mehrheitlich für die 46ers ab. Die Gesellschafterversammlung der BBL, bestehend aus BBL-Präsident Thomas Braumann und einem Vertreter des Deutschen Basketball-Bundes (DBB), schloss sich nach einer Beratung diesem Votum an.
Schon am Tag vor der Entscheidung im Ludwigsburger Hotel "Nestor" zeigte man sich im Lager der 46ers siegessicher. "Bei nüchterner Betrachtung haben wir in den meisten der relevanten Punkte gegenüber Bremerhaven die Nase vorne", gab sich 46ers-Geschäftsführer Christoph Syring im Vorfeld der Wildcard-Vergabe optimistisch, dass die Entscheidung zu Gunsten des eigenen Klubs ausfallen wird. Nach der rund 45 minütigen Präsentation demonstrierten Syring, Cheftrainer und Sportdirektor Vladimir Bogojevic sowie Gießens Oberbürgermeister Heinz-Peter Haumann und der Gießener Regierungspräsident Lars Witteck gute Laune. "Ich hatte vor acht Wochen Amtsantritt und war nicht so nervös wie bei der Präsentation", so Witteck nach seiner Mithilfe beim Vortrag. Beide Politiker hielten Plädoyers für den Basketball-Standort Gießen. Die große Entourage, mit der die Gießener angereist waren - auch eine Videobotschaft des hessischen Innenministers Volker Bouffier gehörte zur Präsentation - zeigte offensichtlich Wirkung. Zudem überzeugte Syring seine Liga-Kollegen mit der erfolgreichen finanziellen Sanierung des Klubs.
Doch auch die in der Wildcard-Vergabe unterlegenen Eisbären aus Bremerhaven dürfen sich weiter Hoffnungen machen, auch in der kommenden Saison erstklassig zu spielen. Denn laut einer Pressemitteilung der BBL haben die Erstligavertreter eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen. Der Hintergrund: Die Köln 99ers strengen Überlegungen an, ob und wenn ja auf welche Weise sie am Spielbetrieb der BBL-Saison 2009/2010 teilnehmen. Eine Nachricht über das weitere Vorgehen der Kölner erwarte man bei der BBL GmbH am heutigen Freitag, hieß es in der Presseerklärung. "Das mögliche Verfahren zur Vergabe einer weiteren Wildcard soll danach unverzüglich in Gang gebracht werden."
Nach der positiven Entscheidung zu Gunsten der 46ers zeigte sich Syring sichtlich erleichtert und froh über den letztlich guten Ausgang des hektischen Sommers: "Ich bin erstmal sehr erleichtert. Es wäre unglaublich für uns gewesen, wenn wir nach 42 Jahren den Weg in die zweite Liga hätten antreten müssen. Nach dem Kampf und der Kraft, die wir aufwenden mussten, um den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen, hätte ich die Welt nicht mehr verstanden, wenn wir in die zweite Liga hätten gehen müssen." Auch Sportdirektor Vladi Bogojevic war sichtlich erleichtert. "Endlich kann ich sagen, in welcher Liga wir nächstes Jahr spielen. Wir sind da, wo wir hingehören und müssen jetzt das Vertrauen, welches uns von den anderen Vereinen entgegen gebracht wurde, zurückzahlen", so Bogojevic.
Voller Vorfreude und Tatendrang richteten die beiden Hauptverantwortlichen des Gießener Basketballs nach der Entscheidung den Blick direkt nach vorne. "Endlich können wir anfangen, den Kader für die nächste Saison zu planen. Wir sind ein guter Standort und auf einem guten Weg, dieses Potenzial abzurufen. Jetzt geht es richtig los", gab Syring sofort die Marschrichtung vor. Bereits morgen fliegen Bogojevic und Syring nach Las Vegas im US-Bundesstaat Nevada, um mögliche Spieler für die kommende Saison zu sichten.