Verbessert, aber Harmsen murrt
06.02.2012 - GIESSEN
Von Jens Schmidt
Tabellenzweiter trifft „ein paar Schüsse mehr“ - Interessantes Center-Duell - Publikum feuert bis zum Schluss an
GIESSEN. „Ich habe sehr großen Respekt vor Gießen und der Arbeit von Björn Harmsen und weiß, dass Gießen deswegen eine sehr starke Rückrunde spielen wird.“ Knapp dreieinhalb Wochen ist diese Aussage von Ulms Trainer Thorsten Leibenath alt, „damals“, zum Abschluss der Bundesliga-Hinrunde, hatten die LTi Giessen 46ers mit 74:97 verloren - und bekamen dennoch eine ordentliche Leistung attestiert. Nimmt man dieses Spiel als Maßstab und vergleicht es nun mit der 70:76 (34:34)-Heimniederlage, welche die Lahnstädter am Samstag hinnehmen mussten, lässt dies nur einen Schluss zu: Die 46ers müssen seitdem gewaltige Fortschritte gemacht haben.
Die größten messbaren Fortschritte hatten die Gießener jüngst mit zwei Siegen in Folge gemacht. Damit einher ging wohl auch gleichzeitig ein neu gewonnenes Selbstvertrauen, denn trotz der Tatsache, dass die nach wie vor abstiegsgefährdeten 46ers gegen den aktuell Tabellenzweiten der Liga nur mit sechs Punkten Differenz (anstelle von 23 Punkten Unterschied im Hinspiel) verloren, war Gießens Headcoach mit der Leistung seines Teams nicht zufrieden, entschuldigte sich sogar direkt nach Spielende in der Pressekonferenz erst einmal bei den 3248 Zuschauern für die unansehnliche erste Halbzeit. „Ulm hat verdient gewonnen. Ich bin gar nicht zufrieden mit der Leistung meiner Mannschaft. Wir hätten Ulm heute schlagen können. Aber ohne Intensität und Fokus können wir kein Spiel gewinnen. Wir haben auf beiden Seiten, im Angriff und in der Abwehr, nicht so gut gespielt wie zuletzt. Wir haben zwei Punkte liegen lassen“, lautete das ernüchternde Fazit von Björn Harmsen.
LTi Giessen 46ers - ratiopharm Ulm 70:76
Diese Aussagen lassen ein durchweg unansehnliches Basketballspiel vermuten, dem war jedoch nicht so. Sicherlich haben Harmsen die neun Ballverluste, die sich sein Team im ersten Viertel leistete, nicht gefallen. Auf die Reaktionen des Publikums in der Osthalle wirkte sich dieses ständige Hin und Her jedoch belebend aus. Für die taktisch fachkundigen unter den Zuschauern dürfte die Verteidigungsarbeit beider Mannschaften, die sich immer wieder die ersten zwei bis drei Angriffsoptionen eines Offensivsystems gegenseitig wegnahmen, ein Augenschmaus gewesen sein. Und wer sich so rein gar nicht für Verteidigungsarbeit interessierte, für den offerierten Gießens Kapitän Elvir Ovcina und Ulms John Bryant ein offensiv geführtes Centerduell, welches man in dieser Form lange nicht mehr in der Osthalle erleben konnte. Zur Halbzeitpause (34:34) hatte Ovcina bereits 17 Punkte auf der Habenseite, Bryant deren 15. Letzteres fand ebenfalls keinen großen Anklang bei Coach Harmsen: „Wenn ein Spieler 15 Punkte in einer Halbzeit macht, wurde er schlecht verteidigt. Das ist nicht zu akzeptieren. Wir haben ihm nicht seine Stärken genommen.“
Was in rein rechnerischer Hinsicht natürlich eine völlig berechtigte Kritik des 46ers-Trainers war: Hätte Ovcina in der ersten Halbzeit nur zwei Punkte gemacht und sein Gegenüber Bryant überhaupt keine, hätte es nach 20 Minuten wohl ebenso ausgeglichen gestanden. Am Ende der Begegnung hatten sich Ovcina und Bryant mit ihren Leistungen dann tatsächlich gegenseitig neutralisiert: Gießens Kapitän kam auf 19 Punkte und zwölf Rebounds, Bryant markierte ebenfalls 19 Zähler, holte zwar nur acht Rebounds, profitierte dafür aber von einer etwas besseren Wurfquote.