Von Dieter Lemmer
Der Amtswechsel ist vollzogen worden. Landrat Willi Marx befindet sich nunmehr im Ruhestand. Und seine Nachfolgerin Anita Schneider ist die erste Landrätin Hessens. Am Mittwochabend gab es dazu in Buseck eine Feierstunde.
Der Kreisausschuss hatte dazu eingeladen. Und Dirk Oßwald, der Erste Kreisbeigeordnete, konnte die Gäste in einem voll besetzten Kulturzentrum am Schlosspark begrüßen. Mehr aber auch nicht, denn Willi Marx und Anita Schneider hatten darum gebeten, die einzigen Redner des Abends zu sein und somit auf Grußworte zu verzichten. Fast wäre dieser Bitte auch entsprochen worden.
900 Beschäftigte danken Marx für die gute Zusammenarbeit
Ulrich Monz von der Kreisverwaltung nutzte das Mikrofon nicht nur, um drei Falschparker zu ermahnen, sondern er dankte bei dieser Gelegenheit im Namen der über 900 Beschäftigten dem scheidenden Landrat für die gute Zusammenarbeit und wünschte der neuen Chefin alles Gute. Für Marx hatten die Mitarbeiter als Abschiedsgeschenk eine Schiffsreise spendiert. Auch die SPD-Fraktion schloss sich dem überraschenden Auftritt an und schenkte dem Landrat einen Kurs auf dem Golfplatz und den Gästen einen kleinen Vortrag in Mundart.
Nach dem offiziellen Teil und vor dem Imbiss betrat die Feuerwehr kurz die Bühne. Mario Binsch setzte dabei die Brandschützer gut in Szene. Für Marx gab es die Ehrennadel des deutschen Feuerwehrverbandes und für die neue Landrätin einen digitalen Bilderrahmen mit 35 Motiven der heimischen Wehren. Zudem einen aufrichtigen Wunsch: „Nehmen Sie unsere Hand an, Sie werden sie bestimmt noch brauchen.“
Goldenes Buch entdeckt
Zum Schluss gab es eine weitere Überraschung – das Goldene Buch des Landkreises Gießen. Das lagerte seit Jahren in irgendeinem Kellerraum. Thomas Euler, der Chef des Kreistagsbüros, hatte es dort beim Umzug der Kreisverwaltung von der Ostanlage in die Rivers entdeckt. Am Mittwochabend konnten sich die Gäste im Busecker Kulturzentrum auch gleich in das Goldene Buch eintragen.
Dankesworte und Visionen
Zwei offizielle Reden gab es während der Feierstunde zum Landratswechsel. Willi Marx legte in seinem Beitrag zum Abschied den Schwerpunkt auf Dankesworte. Zwölf Jahre war er Landrat in Gießen, 24 Jahre hauptamtlich in der Kommunalpolitik und 46 Jahre und sechs Monate dauerte sein Arbeitsleben (er hatte beim Finanzamt angefangen), bevor er am Donnerstag seinen Ruhestand antritt.
Marx dankte seinen Weggefährten, den SPD-Parteifreunden und allen sowie vielen ganz persönlich, die ihn auf seinem beruflichen Werdegang begleitet haben. Positiv war seine Bilanz und der Blick auf das Geleistete. Er verteilte Lob („Das Ehrenamt ist ein Stück Goldbarren in unserer kommunalen Familie“) und gestand ein: „Es allen recht zu machen, war jedoch nicht mein Ziel. Soweit als möglich und transparent zu handeln, war stets mein Anspruch.“ Bis zuletzt habe er seinen Pflicht getan. Mit einem „Servus“ setzte Willi Marx an Schlusspunkt in seiner Abschiedsrede, die er mit den Worten begonnen hatte: „Das ist für mich ein bewegender Moment.“ Und das war es auch.