Blitzschlag oder Brandstiftung in Gießen-Lützellinden?

Von Klaus-Dieter Jung

Der Baum hat schon viel gelitten. Foto: Jung

GIESSEN-LÜTZELLINDENGrillen und offenes Feuer ist rund um die Lindbachquelle verboten. Und das mit Recht, wie der jüngste Vorfall erneut zeigt. Denn es brannte wieder einmal in der Lindengruppe, dem Wahrzeichen von Lützellinden in der Zechbach, wie der Gemarkungsteil heißt. Die alten Bäume sind gleichzeitig ein Naturdenkmal. Die Brandursache ist unklar, der Schaden aber erheblich. Ein Zeuge hatte den qualmenden Baum der Feuerwehr am Sonntagvormittag (14. Juni) morgens gegen 9 Uhr gemeldet. Als die Gießener Feuerwehr, darunter auch die Blauröcke aus Lützellinden, eintraf, brannte der Naturriese noch. Schon vor zwei Jahren mussten die Strahlrohre der Brandschützer an dieser Stelle eingesetzt werden, als im Inneren des Naturdenkmals ein Feuer entstanden war. Gelitten haben die drei Winterlinden, seitdem sie an dieser Stelle gepflanzt wurden, immer wieder durch Stürme und Blitzschläge. Vorhanden sind nach einem Sturm nur noch zwei von ihnen.

Die Lindengruppe zählt zu den Naturdenkmälern und ist nach dem Hessischen Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (Hessisches Naturschutzgesetz) geschützt. Nach dem Eintrag im Verzeichnis sind die Winterlinden zwischen 200 und 400 Jahre alt. Die Beseitigung dieser Naturdenkmäler ist verboten, macht die Stadt auf ihrer Internetseite deutlich. Als Schutzgrund wird angegeben, sie seien landschaftsbildprägend.

Die jetzt vom Feuer betroffene Linde war sehr krank und wurde deshalb vor vielen Jahren mit Verstrebungen aus Stahl versehen, damit sie nicht auseinanderbrach. Eine Menge Geld hat das gekostet, wissen ältere Lützellindener, doch der Baum hielt sich tapfer. Ein Rückschnitt Anfang des Jahres im Rahmen der Umgestaltung der Lindbachquelle und zur Abwehr von Gefahren sei erfolgreich gewesen, stellte der Leiter des Umweltamts, Dr. Gerd Hasselbach, seinerzeit vor Ort fest. Das Gelände wurde früher gerne von Gruppen besucht, die den idyllischen Platz zum Grillen nutzten, viel Abfall und Unrat hinterließen. Eine Zeitlang war die Baumgruppe durch einen Holzzaun abgesperrt, der Zaun ist aber entfernt worden, sodass sich die Menschen dort wieder frei bewegen können.

Anmerkung der Redaktion

In einer früheren Version dieses Textes hieß es fälschlicherweise, "Leute, die zum Geocaching unterwegs sind, benutzen offenbar die kleinen Teelichter bei ihren Schnitzeljagden rund um die Baumgruppe." Diesen Abschnitt haben wir nach einer erneuten Überprüfung in Zusammenarbeit mit den Gesprächspartnern aus dem Text entfernt. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Vom Brand erhielt die Polizei erst am vergangenen Mittwoch (17. Juni) Kenntnis. Bei einer Spurensuche entdeckte die Kriminalpolizei ein Teil eines Teelichts. Wie Ortsvorsteher Markus Sames auf Anfrage mitteilt, hat er schon vor einiger Zeit Müll und weggeworfenen Unrat, darunter auch Teelichter, rund um das Gelände entdeckt.

Derzeit schließen die Ermittler weder einen Blitzeinschlag noch eine vorsätzliche Inbrandsetzung als Ursache für das Feuer aus. Die Polizei sucht Zeugen und fragt: Wer hat in diesem Zusammenhang in der Nacht von Samstag auf Sonntag Beobachtungen an der Lindbachquelle gemacht? Hinweise bitte an die Kriminalpolizei Gießen unter 0641/7006-2555.

In der Nacht auf Sonntag war ein schweres Gewitter über die Region gezogen, mit starken Regenfällen und vielen Blitzschlägen. Beobachter dieses Wetters vermuten einen Blitzschlag in den Riesen, der dieser Tortur nicht zum ersten Mal ausgesetzt war. Ein gespaltener Ast, wie es bei derartigen Einwirkungen auf Bäume immer wieder festzustellen ist, deutet zudem daraufhin. Und es hat den Anschein, dass der Brand von oben angefangen hat. Das Stahlkorsett, das den gesamten Baum stützt, könnte immer wieder die Blitze anziehen und quasi als Blitzableiter fungieren, meint auch der Vorsitzende der Lützellindener Nabu-Gruppe, Wolfgang Turba. Er hat Fotos vom Baum gemacht und einem Freund, der Sachkenntnis hat, übersandt; dieser kommt zur ähnlichen Einschätzung.

Die heftigen Regenmassen in der Nacht hätten schon den Einsatz von Brandbeschleuniger erfordert, damit dieser Teil des Naturdenkmals brennt, meinen Kenner. Wolfgang Turba weiß nicht, wie es jetzt mit dem Baum, der auf dem Weg der Besserung war, weitergeht. Wie ein kranker Zahn mit vielen Löchern im Inneren steht er jetzt in der Landschaft. Beseitigt werden müssen auf jeden Fall die locker hängenden Äste, die Blitz und Sturm in der Unwetternacht vom Stamm gerissen haben.

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