GIESSENAufmerksamen TV-Zuschauern dürfte Ehsan Allahyar Parsa bereits seit einigen Tagen in der Vorschau zur neuen Staffel der Gründer-Show "Die Höhle der Löwen" auffallen. Eingerahmt von zahlreichen großen Landesflaggen möchte der Gießener in der VOX-Show mit seiner Sprachlern-App "Rootify" bei den Investoren punkten. Der Auftritt des 24-Jährigen wird am morgigen Dienstag, ab 20.15 Uhr, zu sehen sein. Um seine Erfindung zu finalisieren, benötigt der Absolvent der Justus-Liebig-Universität (JLU) 175 000 Euro und bietet dafür 18 Prozent seiner Firmenanteile. Für die Ausstrahlung der Sendung ist Allahyar Parsa eigens von seiner derzeitigen Wirkungsstätte in der Karibik nach Gießen gereist. In der "Paninoteca" im Katharinenviertel soll es ein großes "Public-Viewing" der Folge geben, um "diesen historischen Moment für unsere Heimat" zu feiern. Denn der 24-Jährige will seinen mittelhessischen Wurzeln treu bleiben. "Alles andere wäre nicht authentisch", findet er - auch in Hinblick auf sein App-Konzept.
Nebenjob als Flugbegleiter
Schon lange ist Ehsan Allahyar Parsa ein Multitalent in Sachen Sprachen. Trilingual aufgewachsen ist ihm der Grundstein dafür bereits in die Wiege gelegt worden. Die Eltern des Gießeners stammen aus dem Iran. Mit der deutschen Sprache taten sie sich zunächst schwer, weswegen zu Hause vorwiegend auf Persisch kommuniziert wurde. Auf der Herderschule besuchte ihr Sohn später zusätzlich Kurse auf Englisch. Doch das reichte ihm nicht. "Es ist mein Traum, zu jedem Menschen einen wahren Zugang zu finden, und den erhält man nur durch die jeweilige Muttersprache."
Mit 17 Jahren immatrikulierte sich Ehsan Allahyar Parsa an der JLU, belegte dort 18 Sprachkurse in sechs Sprachen. Weitere Kenntnisse kamen durch zwei Auslandssemester und den Nebenjob als Flugbegleiter auf Langstrecken hinzu. Heute spricht der 24-Jährige zehn Sprachen: Neben Deutsch, Englisch und Persisch hat er sich Spanisch, Französisch, Portugiesisch, Italienisch, Afghanisch, Afrikaans und Mandarin zum Großteil selbst beigebracht. Allerdings nicht durch stumpfes Vokabelpauken. Denn viele Sprachen haben die gleichen Wurzeln, sind also ähnlich aufgebaut. Auf diese Methode setzt der Gießener auch mit "Rootify" ("root" - englisch für "Wurzeln"). Durch bereits bestehende Kenntnisse sollen Nutzer Wörter oder Grammatik leichter lernen. In der "Höhle der Löwen" nennt Allahyar Parsa seine Entwicklung "Tinder für Sprachen", da seine App ebenso wie die digitale Kontaktbörse die Möglichkeit bietet, durch kompatible Profile zu stöbern. Statt nach neuen Lebensabschnittsgefährten suchen "Rootify"-Nutzer aber nach Tandempartnern zum Sprachaustausch. Die Registrierungszahlen liegen inzwischen "im vierstelligen Bereich" und wachsen laut dem Gründer mit jeder Ausstrahlung der Sendungs-Vorschau. Vor allem weil die kommende "Löwen"-Staffel die letzte mit Tech-Investor Frank Thelen sein wird, hofft Ehsan Allahyar Parsa auf hohe Einschaltquoten und damit einen weiteren Anstieg der App-User.
Mit der Konzeption seiner App hat der 24-Jährige bereits während des Studiums begonnen. Phasen zwischen den Klausuren nutze er, um sein "Brainchild", wie er "Rootify" nennt, wachsen zu lassen. Die "wahre Geburt" des Sprachlernprogramms datiert er auf Anfang des Jahres. In Curaçao ist er eine "transatlantische Kollaboration" mit den Webdesignern von "Profound" eingegangen und hat weitere Mitstreiter gewonnen. Aus verschiedenen Teilen der Welt - etwa Nigeria, Indonesien oder der Start-up-Hochburg im kalifornischen "Silicon Valley" - werkeln sie am "Rootify"-Erfolg. Schon zu Uni-Zeiten war der Gießener ständig auf Achse. Nach wenigen Monaten an einem Ort musste immer wieder eine neue Reise her. So studierte der Wirtschaftswissenschaftler unter anderem von Kolumbien und China aus.
Von Merkel ausgezeichnet
Explizit richtet sich der Gründer auch an Geflüchtete, um ihnen die Integration in der neuen Heimat zu erleichtern. Ehsan Allahyar Parsa selbst gilt in diesem Kontext als Musterbeispiel. Zum zehnjährigen Jubiläum der "Deutschlandstiftung Integration" war er einer von 100 erfolgreichen Vorbildern mit Migrationshintergrund, die von Bundeskanzlerin Angela Merkel als Schirmherrin der Stiftung ausgezeichnet worden sind. Das Treffen mit der Kanzlerin und Allahyar Parsas Rede vor den Vereinten Nationen im Rahmen eines Planspiels der JLU ließen dann auch die "Höhle der Löwen"-Redaktion aufmerken. Dort hatte sich der Gießener bereits "in einem sehr frühen Stadium" mit seiner App beworben, aber eine Ablehnung erhalten. In das TV-Studio sei er dann gut vorbereitet gegangen und habe für seinen "Pitch" nicht nur erfolgreiche Gründergeschichten recherchiert, sondern auch zu den Investoren "alles gelesen, was ich finden konnte - von ihren Biografien bis hin zu Hobbys".
Ob der Sprachenprofi die "Löwen" mit "Rootify" überzeugen kann, ist ab Dienstagabend kein Geheimnis mehr. Schon jetzt macht der 24-Jährige darauf aufmerksam, dass er zeitgleich eine "Kickstarter Kampagne" ins Leben rufen wird, um weitere Unterstützer zu finden. Dabei hofft er auch auf die Gießener. Schließlich habe seine Heimat in Mittelhessen mit der höchsten Studierendendichte Deutschlands "Energiepotenziale, die noch gänzlich unberührt sind". Das klingt, als habe Ehsan Allahyar Parsa gründungstechnisch bereits eine neue Idee.