Freitag,
28.02.2020 - 00:00
3 min
Schauspieler Walter Renneisen wird 80
Von Johannes Breckner
Leiter Kulturredaktion Darmstadt
Hochdeutsch und Dialekt sind für ihn eigenständige Sprachen: Walter Renneisen bringt sie glänzend zusammen. (Archivfoto: Rudolf Uhrig)
BENSHEIM - . Walter Renneisen schaut nicht unzufrieden aus in seinem Bensheimer Haus. Aber eigentlich, weiß er, ist es der falsche Wohnort. Hessen ist für die Hessen ein gefährliches Pflaster, jedenfalls dann, wenn sie ihre Sprache pflegen wollen. Da hat man es als Bauernbub aus Raunheim auf die Schauspielschule geschafft, spart sich als Student eine erstklassige Sprecherziehung tatsächlich vom Munde ab, spielt in feinstem Hochdeutsch in Städten wie Dortmund oder Bochum. Aber kaum ist man in Hessen und hört den Zungenschlag der Region, schleicht sich der Dialekt wieder an. Im schlimmsten Fall rutschen die Worte in den Hals, denn die Hessen neigen zum gutturalen Sprechen. Nur die Schweizer sind noch schlimmer, sagt Renneisen und gibt gleich ein paar Kostproben. Er zeigt aber auch, wie es richtig geht: Die Worte gehören auf die Zungenspitze, dann versteht das Publikum auch in großen Räumen die leisen Worte.
Für Walter Renneisen ist Sprache mehr als sein wichtigstes Handwerkszeug. Er liebt ihre Möglichkeiten, kann sich für ihre Vielfalt begeistern mit der gleichen Leidenschaft, mit der er ihre Verhunzer anklagt. Kein Wunder, dass er in einer Disziplin besonders erfolgreich ist, in der es auf die Kunst ankommt, allein mit dem Sprechen Charaktere, Situationen, Emotionen zu produzieren. Weit mehr als 800 Hörspiele werden es sein, die Renneisen aufgenommen hat – auf Anhieb an der Stimme erkennbar und doch immer wieder mit jener Eigenart, die von der jeweiligen Rolle verlangt wird.
Hör- und Fernsehspiele, ein eigener Gastspielbetrieb mit mehreren Solostücken im Angebot, Gastauftritte an vielen Bühnen: Das klingt nach einer Karriere, nach der man sich als bald Achtzigjähriger zufrieden zurücklehnen könnte. Aber Renneisen hat ständig neue Ideen, tüftelt an literarischen Programmen, und das Instrumentarium, mit dem er viele seiner Auftritte begleitet, wächst und wächst. Vor übertriebener Zufriedenheit bewahrt ihn aber auch eine Verletzung, auf die er mehrfach zu sprechen kommt. Eigentlich, sagt Renneisen, hätte er lieber weiter einem Ensemble angehört. Ensembletheater der alten Schule ist ein Ideal, das er heute noch preist.
Aber bei vielen Inszenierungen, sagt Renneisen, könnte er sowieso nicht mitmachen. „Ich hasse das Regietheater“, sagt er, und weil Renneisen seine Sprache sehr überlegt einsetzt, klingt der Hass besonders hässlich. Sein Abschied hatte aber einen anderen Grund. Am Darmstädter Staatstheater hatte der Oberspielleiter dem Ensemblemitglied Renneisen eine Rolle versprochen. Freilich machte er dieses Versprechen auch anderen Kollegen. Und als es im Büro des Intendanten Kurt Horres zum Schwur kam, leugnete der Oberspielleiter die Zusage. Als Schauspieler war Renneisen um pathetische Auftritte nicht verlegen. „Mit Lügnern mache ich kein Theater“, schleuderte er dem Intendanten entgegen und kündigte fristlos.
RENNEISEN AUF DER BÜHNE
Geburtstags-Gala „Deutschland, deine Hessen“ am Dienstag, 3. März, um 20 Uhr im Mozartsaal der Alten Oper Frankfurt.
Weitere Auftritte von Walter Renneisen: am 29. Februar, 20 Uhr in der Salzmann-Halle in Nidderau mit „Heinz Erhardt – Von der Pampelmuse geküsst“, 7. März, 19.30 Uhr im Staatstheater Darmstadt mit „Wer reitet so spät – Deutsche Balladen“ und am 20. März im Flörsheimer Keller („Aus dem Kerl wird nix – Walter Renneisen erzählt aus seinem Leben“). www.walter-renneisen.de.
Zur Person: Walter Renneisen
Walter Renneisen, am 3. März 1940 in Mainz geboren, wuchs in Raunheim auf. In Köln und Mainz studierte er Theaterwissenschaften, Germanistik und Philosophie, als Schlagzeuger in einer Band verdiente er sich das Geld fürs Schauspielstudium in Bochum.
Nach Engagements in Bochum, Dortmund und Darmstadt arbeitete er als freier Schauspieler und Hörspielsprecher. Er übernahm viele Fernsehrollen, unter anderem in „Tatort“, „Der Alte“, „Derrick“ oder „Ein Fall für zwei“. Mit dem eigenen Gastspielbetrieb bietet er 15 verschiedene Programme an, an denen er immer weiter feilt.
Renneisen erhielt viele Auszeichnungen, zuletzt den Rheingau-Musikpreis und den „Spirwes“, den Darmstädter Preis für Maulkunst und Lebensart.
Renneisen auf der Bühne
Geburtstags-Gala „Deutschland, deine Hessen“ am Dienstag, 3. März, um 20 Uhr im Mozartsaal der Alten Oper Frankfurt.
Weitere Auftritte von Walter Renneisen: am 29. Februar, 20 Uhr in der Salzmann-Halle in Nidderau mit „Heinz Erhardt – Von der Pampelmuse geküsst“, 7. März, 19.30 Uhr im Staatstheater Darmstadt mit „Wer reitet so spät – Deutsche Balladen“ und am 20. März im Flörsheimer Keller („Aus dem Kerl wird nix – Walter Renneisen erzählt aus seinem Leben“). www.walter-renneisen.de.
Zur Person: Walter Renneisen
Walter Renneisen, am 3. März 1940 in Mainz geboren, wuchs in Raunheim auf. In Köln und Mainz studierte er Theaterwissenschaften, Germanistik und Philosophie, als Schlagzeuger in einer Band verdiente er sich das Geld fürs Schauspielstudium in Bochum.
Nach Engagements in Bochum, Dortmund und Darmstadt arbeitete er als freier Schauspieler und Hörspielsprecher. Er übernahm viele Fernsehrollen, unter anderem in „Tatort“, „Der Alte“, „Derrick“ oder „Ein Fall für zwei“. Mit dem eigenen Gastspielbetrieb bietet er 15 verschiedene Programme an, an denen er immer weiter feilt.
Renneisen erhielt viele Auszeichnungen, zuletzt den Rheingau-Musikpreis und den „Spirwes“, den Darmstädter Preis für Maulkunst und Lebensart.
Weitere Auftritte von Walter Renneisen: am 29. Februar, 20 Uhr in der Salzmann-Halle in Nidderau mit „Heinz Erhardt – Von der Pampelmuse geküsst“, 7. März, 19.30 Uhr im Staatstheater Darmstadt mit „Wer reitet so spät – Deutsche Balladen“ und am 20. März im Flörsheimer Keller („Aus dem Kerl wird nix – Walter Renneisen erzählt aus seinem Leben“). www.walter-renneisen.de.
Zur Person: Walter Renneisen
Walter Renneisen, am 3. März 1940 in Mainz geboren, wuchs in Raunheim auf. In Köln und Mainz studierte er Theaterwissenschaften, Germanistik und Philosophie, als Schlagzeuger in einer Band verdiente er sich das Geld fürs Schauspielstudium in Bochum.
Nach Engagements in Bochum, Dortmund und Darmstadt arbeitete er als freier Schauspieler und Hörspielsprecher. Er übernahm viele Fernsehrollen, unter anderem in „Tatort“, „Der Alte“, „Derrick“ oder „Ein Fall für zwei“. Mit dem eigenen Gastspielbetrieb bietet er 15 verschiedene Programme an, an denen er immer weiter feilt.
Renneisen erhielt viele Auszeichnungen, zuletzt den Rheingau-Musikpreis und den „Spirwes“, den Darmstädter Preis für Maulkunst und Lebensart.
Renneisen auf der Bühne
Geburtstags-Gala „Deutschland, deine Hessen“ am Dienstag, 3. März, um 20 Uhr im Mozartsaal der Alten Oper Frankfurt.
Weitere Auftritte von Walter Renneisen: am 29. Februar, 20 Uhr in der Salzmann-Halle in Nidderau mit „Heinz Erhardt – Von der Pampelmuse geküsst“, 7. März, 19.30 Uhr im Staatstheater Darmstadt mit „Wer reitet so spät – Deutsche Balladen“ und am 20. März im Flörsheimer Keller („Aus dem Kerl wird nix – Walter Renneisen erzählt aus seinem Leben“). www.walter-renneisen.de.
Zur Person: Walter Renneisen
Walter Renneisen, am 3. März 1940 in Mainz geboren, wuchs in Raunheim auf. In Köln und Mainz studierte er Theaterwissenschaften, Germanistik und Philosophie, als Schlagzeuger in einer Band verdiente er sich das Geld fürs Schauspielstudium in Bochum.
Nach Engagements in Bochum, Dortmund und Darmstadt arbeitete er als freier Schauspieler und Hörspielsprecher. Er übernahm viele Fernsehrollen, unter anderem in „Tatort“, „Der Alte“, „Derrick“ oder „Ein Fall für zwei“. Mit dem eigenen Gastspielbetrieb bietet er 15 verschiedene Programme an, an denen er immer weiter feilt.
Renneisen erhielt viele Auszeichnungen, zuletzt den Rheingau-Musikpreis und den „Spirwes“, den Darmstädter Preis für Maulkunst und Lebensart.
Seinem Erfolg schadete es nicht, über Günter Strack hatte Renneisen gerade den Regisseur Fritz Umgelter kennengelernt, der ihm den Weg zu vielen Fernsehrollen ebnete. Die Bühnenauftritte kamen bald wieder, Ensemble- und Solostücke, von denen viele selbstgeschrieben waren. Sein erfolgreichster Abend ist das literarisch-humoristische Potpourri „Deutschland, deine Hessen“. Da tritt kein hessischer Babbler auf die Bühne, sondern ein Mann, der in feinem Hochdeutsch die sprachlichen Eigenarten der Hessen analysiert – aber im klingenden Beispiel dann richtig loslegen kann. Es ist ein zweisprachiger Abend, auch nach mehr als 1000 Vorstellungen hat Renneisen noch Spaß daran. Und er hat ihn auch gewählt für die Gala an seinem 80. Geburtstag, den er am 3. März im Mozartsaal der Alten Oper feiert. Erstens, weil seit dem Wiederaufbau an diesem Ort das Herz der Frankfurter Kultur schlägt, sagt Renneisen. Er ist überzeugt, dass das auch in Darmstadt gelungen wäre. Dass im Mollerbau kein Theater mehr gespielt wird, ist für ihn eine Schande. Zweitens aber auch, weil er den Frankfurter Humor besonders schätzt: „Dieser trockene Witz“, sagt er, „ist ganz anders als in Darmstadt oder Mainz.“