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Ehemaliger Vorgesetzter: Korruptionsvorwurf „erschütternd“

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Die Vorwürfe gegen den wegen Korruption angeklagten ehemaligen Oberstaatsanwalt haben nach Angaben seines früheren Vorgesetzten „die Behörde erschüttert“. Dass ein Kollege über Jahre hinweg in die eigene Tasche gewirtschaftet haben soll, „habe ich nicht für möglich gehalten“, sagte der frühere Frankfurter Generalstaatsanwalt.

Frankfurt/Main - Der frühere Leiter einer bundesweiten Zentralstelle für Medizinstrafrecht sei „fleißig und kompetent“ gewesen, „eine Koryphäe auf seinem Gebiet“. Hinweise, dass es bei der Vergabe von Gutachten nicht korrekt zuging, habe es nicht gegeben, sagte der pensionierte Vorgesetzte. Hochrangigen Justizbeamten werde generell „ein Grundvertrauen entgegengebracht. Medizinstrafrecht sei zudem „ein besonders schwieriges Gebiet“. Niemand habe die Entscheidungen der „grauen Eminenz“ in diesen Fragen angezweifelt oder überprüft.

Vor Beginn der Ermittlungen gegen Alexander B. sei Korruption in der Justiz „kein Thema gewesen“. Diese sei generell schwer aufzudecken, auch eine Revision hätte das vermutlich nicht vermocht. Der Landesrechnungshof hatte beanstandet, dass es bei der Generalstaatsanwaltschaft jahrelang keine Revision gab.

Gerade von Alexander B., der als „etepetete“ galt, habe man Korruption „am wenigsten erwartet“. Die Ergebnisse der Ermittlung habe die Kollegen „geschockt“. Bis heute gebe es „eine gewisse Verunsicherung“ in der Behörde. Seither habe sich beim Thema Korruptionsprävention „die Sensibilität erheblich erhöht“, sagte der ehemalige Generalstaatsanwalt.

Der ehemalige Leiter einer Ermittlungsstelle gegen Korruption im Gesundheitswesen und Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft muss sich seit 13. Januar selbst wegen Korruptionsvorwürfen verantworten. Der 55-Jährige soll sich laut Staatsanwaltschaft bei der Vergabe von Gutachten bereichert und Schmiergelder kassiert haben. Er ist wegen Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung angeklagt. dpa

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