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Grüner Treibstoff: Pilotanlage für E-Kerosin entsteht in Frankfurt

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Nahe des Frankfurter Flughafens entsteht die weltweit größte Produktionsanlage für klimaneutrales E-Kerosin. Ein wichtiger Schritt zur Energiewende?

Wiesbaden – Weil Batterien zu schwer und Brennstoffzellen nicht leistungsfähig genug sind, setzt die Luftfahrt auf klimaneutrale Kraftstoffe. Eine wichtige Technologie wird künftig in Frankfurt erprobt. Unweit des Frankfurter Flughafens soll noch in diesem Jahr mit dem Bau der bislang weltgrößten Produktionsanlage für synthetisches Flugbenzin begonnen werden.

Der Betreiber Ineratec will dabei die Infrastruktur des Chemie-Industrieparks Frankfurt-Höchst nutzen und das dort anfallende Kohlendioxid (CO2) zusammen mit Wasserstoff aus Grünstrom für die Produktion des E-Kerosins verwenden. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur.

Mit einer geplanten Jahreskapazität von 3500 Tonnen Kerosin-Vorprodukt ist die Anlage rund zehn Mal so groß wie das Ineratec-Pilotprojekt von 2021 im niedersächsischen Werlte. Das Unternehmen aus Karlsruhe investiert im Industriepark rund 30 Millionen Euro, wie Geschäftsführer Philipp Engelkamp jüngst in Wiesbaden sagte. In einem Teilbereich wird in einem Forschungsprojekt des Kompetenzzentrums für Klima- und Lärmschutz im Luftverkehr (CENA) simuliert, dass der Grünstrom wie bei Windkraftanlagen nur in natürlichen Schwankungen verfügbar ist.

Im niedersächsischen Werlte wird CO2-neutrales Kerosin produziert. Das soll jetzt auch nahe des Frankfurter Flughafens möglich gemacht werden.
Im niedersächsischen Werlte wird CO2-neutrales Kerosin produziert. Das soll jetzt auch nahe des Frankfurter Flughafens möglich gemacht werden. © Friso Gentsch/dpa

Flughafen Frankfurt: Tarek Al-Wazir betont Notwendigkeit von klimaneutralen Treibstoffen

Hessens Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) bekräftigte die Notwendigkeit klimaneutraler Kraftstoffe für den Luft- und Seeverkehr. Eine direkte Elektrifizierung wie bei Autos sei auf der Langstrecke noch über Jahrzehnte aus technischen Gründen nicht möglich. Die Mengen, die in der Pilotanlage in Frankfurt produziert werden, reichten allerdings bei weitem nicht aus, um den Treibstoff-Bedarf am Frankfurter Flughafen zu decken. Der macht mit etwa 4,7 Millionen Tonnen Kerosin pro Jahr rund ein Viertel des gesamten Energiebedarfs in Hessen aus, berichtet die dpa. Es gehe eher darum, Erfahrungen für die Massenproduktion von E-Kerosin zu sammeln.

 „Es geht bei der Pilotanlage darum, synthetisches Kerosin in größerem Maßstab als bisher herzustellen, um Erfahrungen für die Massenproduktion zu gewinnen. Und jede nachhaltig hergestellte Tonne nicht-fossilen Kraftstoffs ist in mehrfacher Hinsicht wertvoll. Denn es werden nicht nur CO2-Emissionen eingespart. Beim Verbrennen entstehen auch weniger Luftschadstoffe“, sagte Al-Wazir laut einer Mittelung des Landes Hessen.

Hessens Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir betont die Wichtigkeit klimaneutraler Kraftstoffe.
Hessens Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir betont die Wichtigkeit klimaneutraler Kraftstoffe. © Andreas Arnold/dpa/Archivbild

Diese Produktion soll nach Engelkamps Worten perspektivisch in Regionen der Welt stattfinden, in denen erneuerbare Energie in großen Mengen und zu sehr geringen Kosten zur Verfügung steht, etwa in Wüsten. Angestrebt werde ein Preis von etwa einem Euro pro Liter. Momentan kostet synthetisches Kerosin noch ein Vielfaches des fossilen Produkts.

Flughafen Frankfurt: Ist Power-to-Liquid-Kerosin die Zukunft?

Laut Angaben von dpa darf Power-to-Liquid-Kerosin (PtL) in herkömmlichen Flugzeugmotoren verbrannt und bis zur Hälfte dem fossilen Kerosin beigemischt werden. In Deutschland gilt ab 2026 eine Beimischungsquote von 0,5 Prozent, die bis 2030 auf 2,0 Prozent steigt. In der EU gibt es noch keine entsprechenden Vorgaben, aber entsprechende Pläne in dem Kommissionsvorschlag „Fit for 55“ zur Klimawende. (ter/dpa)

Kürzlich wurde ein neuer Flugsteig am Frankfurter Flughafen fertiggestellt, allerdings wird er derzeit nicht benötigt. Der Grund: Der Flugverkehr ist wegen des Ukraine-Krieges und der Corona-Pandemie weniger geworden, statt wie geplant mehr.

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