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Allendorf feiert wieder Nikelsmarkt

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Von: Debra Wisker

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Das Stöbern an den verschiedenen Ständen macht einfach Spaß. Archivfoto: Schwarz © Red

Vom 30. Oktober bis 6. November findet der Allendorfer Nikelsmarkt statt.

Allendorf . Nach zwei Jahren Zwangspause wird in Allendorf vom 30. Oktober bis 6. November wieder der tradionelle Nikelsmarkt gefeiert. Von traditionell kann man mit Fug und Recht sprechen, ist es doch der 652. Markt, der vermutlich wieder zahlreiche Besucher anlocken wird.

Der Kartenvorverkauf für den Heimatabend am Dienstag, 1. November, beginnt am Montag, 24. Oktober. Die Karten gibt es bei der Gemeinschaftskasse (Zimmer 2B) im Rathaus für acht Euro. Vorbestellungen sind nicht möglich.

Der Allendorfer Nikelsmarkt ist einer der ältesten Märkte in unserer Region. Es war im Jahre 1370, als Landgraf Heinrich II. Allendorf zur Stadt erhob. Die Bürger hatten fortan die gleichen Rechte und Pflichten, wie die Stadt Marburg sie bereits seit 1150 hatte.

Stadtrechte

Der sogenannte Freiheitsbrief versichert, dass die Rechte der Stadt und ihrer Bürger »ewiglich« gegeben sind. Daran geknüpft war die Vorgabe, dass die Stadtbefestigung fertiggestellt wurde. Eins der Stadtrechte gab Allendorf das Privileg, Märkte zu veranstalten.

Wie aus den Aufzeichnungen des Heimat- und Verkehrsvereins hervorgeht, wurden im Laufe der Zeit jährlich fünf Märkte abgehalten. Der erste Markt im Jahr - ein Frühlingsmarkt - wurde im März abgehalten. Im April folgte dann der Lätaremarkt, dem sich im Juli der Margarethenmarkt und im September der Kreuzerhöhungsmarkt anschloss. Als letzter Markt fand Anfang November der Nikelsmarkt statt. Von den ehemals fünf Märkten ist einzig der Nikelsmarkt bis heute erhalten geblieben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der Heimatabend am Dienstag dazu, der Mittwoch steht nach wie vor im Zeichen des Krämermarkts. Ende der 1970er Jahre wurden die Veranstaltungen rund um den Nikelsmarkt erweitert. Der Altstadtmarkt am Sonntag vor dem Markttag kam hinzu, für die Kinder gibt es montags einen Laternenumzug.

Beim Heimatabend wird der »Bärtzebürger« gekürt. Dessen Identität ist übrigens ein Geheimnis, das erst beim Heimatabend gelüftet wird. Zudem repräsentieren die Marktfrauen das Städtchen Allendorf.

Der Traditionsmarkt war für die Menschen früher eine schöne Gelegenheit, einmal dem Alltag zu entfliehen. Man traf Freunde und Bekannte, konnte für kurze Zeit die harte und schwere Arbeit vergessen. Lebensmittel gab es nicht mal eben um die Ecke im Supermarkt, sie wurden in der landwirtschaftlich geprägten Region selbst angebaut. Nicht immer war gewährleistet, dass die Mühen auch Früchte trugen, die Menschen über den Winter versorgten. Unwetter, die die Ernte vernichteten, lösten in den vergangenen Jahrhunderten eben oft auch Hungersnöte aus.

Doch zurück zum Nikelsmarkt: Neben der Abwechslung vom Alltag, dem Treffen von Freunden und Bekannten stand der Einkauf bei den Händlern des »Vieh- und Krämermarkts« an.

Die Männer trafen sich auf dem Viehmarkt, der immer Bestandteil des Marktes war, und die Frauen kauften etwa die Gewürze zum Hausschlachten. Auch mit Wolle, Stoffen und warmen Wintersachen konnte man sich versorgen.

Von einer Spezialität wusste Werner Heibertshausen (Arbeitsgemeinschaft Heimatgeschichte) zu berichten: Die Produkte der Allendorfer Firma Fettstein, ein Unternehmen, das es schon lange nicht mehr gibt, hatten sich einst großer Beliebtheit erfreut. Da gab es Abschmierstoffe, Lederfett, Huffett, Melkfett, Riemenwachs, Schuhcreme, Herdputzmittel, Handwaschpaste und dergleichen mehr. In den Zeiten vor den Weltkriegen habe man diese Produkte nur sehr schwierig bekommen, daher wurden sie auf dem Nikelsmarkt reichlich gekauft.

Bärtzeschnaps

Und noch etwas dürfte es wohl nur auf dem Nikelsmarkt in Allendorf geben, nämlich den Bärtzeschnaps. Den dürften die beiden Marktfrauen, Renate Becker und Ursula Hofmann, auch in diesem Jahr wieder freigiebig verteilen.

Ein Novum gibt es beim 652. Nikelsmarkt. Am Sonntag 30. Oktober, bietet der Verein Lumdatalbahn im Stundentakt von 10 bis 18 Uhr einen Busshuttle mit einem historischen Schweizer Postbus von Winnen, Nordeck, Climbach und Allertshausen an.

Sonntag, 30. Oktober

10 Uhr: Ökumenischer Gottesdienst zum Nikelsmarkt in der evangelischen Kirche

ab 11.30 Uhr: Altstadtfest in der Marktstraße, Markteröffnung Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr

14 Uhr: Kirchstraße, Platzkonzert »Musikverein 1932 Dreihausen«

14 Uhr: Marktstraße, Konzert der Gruppe »Gos-Pop«

Der Verein Lumdatalbahn bietet von 10 bis 18 Uhr im Stundentakt einen Busshuttle mit einem historischen Schweizer Postbus von Winnen, Nordeck, Climbach und Allertshausen an.

Montag, 31. Oktober

18 Uhr: Rathausplatz, Start Laternenumzug der Kinder

19 Uhr: Bürgerhaus, Gießener Figurentheater

Dienstag, 1. November

20 Uhr: Bürgerhaus, Heimatabend

Mittwoch, 2. November

ab 8 Uhr Krämermarkt

12.30 Uhr: Bürgerhaus, Marktfrühschoppen mit »Gaudi-Power«

ab 20 Uhr: Bürgerhaus, Nikelsmarkt-Finale mit Live-Musik

Sonntag, 6. November

14 Uhr: Bürgerhaus, Tag der Senioren

An allen Tagen: Kunst und Kunsthandwerkerausstellung

im Heimatmuseum und in Reunings Halle der Kunst (dge)

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Der Nikelsmarkt zieht alljährlich zahlreiche Besucher an. Das war schon in den frühen 1930er Jahren so. Archivfoto: Arbeitsgemeinschaft Heimatgeschichte © Red

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