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Allendorfer Bürger mit ins Boot nehmen

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Von: Annette Oster-Stroh

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Sebastian Schwarz (2. v.l.) mit den Referenten Peter Gefeller, Stefan Bechthold und Uwe Kühn (v.l.). Foto: Oster-Stroh © Oster-Stroh

Das Thema Energie stand im Mittelpunkt der Vortragsreihe »Kleinstadt der Zukunft« in Allendorf. Eingeladen hatte SPD-Bürgermeisterkandidat Sebastian Schwarz.

Allendorf (aos). Zu einer Gesprächsrunde im Rahmen seiner Vortragsreihe »Kleinstadt der Zukunft«, dieses Mal zum Thema Energie, hatte SPD-Bürgermeisterkandidat Sebastian Schwarz ins Allendorfer Bürgerhaus eingeladen.

Gastreferenten waren Peter Gefeller, Bürgermeister von Staufenberg, Stefan Bechthold, ehemaliger Bürgermeister von Fernwald, (beide SPD) und Uwe Kühn vom Vorstand der Bürgerenergiegenossenschaft Sonnenland mit Sitz in Buseck. Die Sonnenland eG setzt mit Kommunen im Landkreis gemeinsam Projekte in Sachen erneuerbare Energien um, an denen sich die Bürger beteiligen können.

Sebastian Schwarz erklärte, mit seiner Vortragsreihe »Kleinstadt der Zukunft« wolle er einen Masterplan für die Zukunft von Allendorf erarbeiten. Dieser könne gemeinsam mit den Bürgern in der nächsten Zeit weiterentwickelt werden. Peter Gefeller freute sich, dass nach Jahren zähen Ringens der Windpark in Staufenberg in Betrieb genommen werden konnte. Bei der Genehmigung des Solarparks seien die »schlechten Zeiten« hilfreich gewesen. Gerade nach dem Unglück von Fukushima, habe vieles für erneuerbare Energien gesprochen. So habe die Zeit bis zur Inbetriebnahme der Anlage 2012 nur wenige Monate gedauert. Bei dem Windpark habe es, auch aus verschiedenen anderen Gründen, dagegen Jahre gebraucht. »Schieben sie es nicht auf die lange Bank«, lautete Gefellers Rat. In Zusammenarbeit der Kommunen im Lumdatal könne viel realisiert werden.

Sebastian Schwarz fragte Peter Gefeller, warum man sich in Staufenberg für eine Holzvergasungsanlage entschieden habe. Dieser antwortete, dass hierbei neben den klassischen Hackschnitzeln alles mögliche verwertet werden könne. Es werde kein hochwertiges Holz genutzt, sondern nur Schnittgut, also Holzabfall. Diese neue Anlage könne 100 Einfamilienhäuser mit Wärme und 300 Einfamilienhäuser mit Strom versorgen, und dies für ein ganzes Jahr.

Gefeller berichtete, dass die Vitale Mitte in Staufenberg durch ein zentrales Wärmenetz beliefert werde. Verwaltung, Supermärkte, Ärztehaus, Schule und Stadthalle wurden bislang durch Gas versorgt. Mit der Holzvergasungsanlage könnten diese - auch im Falle eines gefürchteten Blackouts - autark versorgt werden. Stefan Bechthold führte aus, dass zu den erneuerbaren Energien im Landkreis Hackschnitzelheizwerke, Fernwärme, Solarkraftwerke, Windkraft und jetzt auch Erdwärme zählten. In Buseck entstehe ein Wohngebiet, das nahezu unabhängig sei. Vierzig Reihen- und Doppelhaus-Hälften seien KfW-gefördert mit Erdwärme versorgt. Bei den Erschließungskosten seien die Kosten für die Energieform komplett enthalten. Nur der Strom für die Wärmepumpe werde noch fällig. Damit erreichen die Häuser bis zu 80 Prozent CO2- Neutralität. Dies sei ein guter Weg in die Zukunft.

Uwe Kühn konnte Interessantes aus der Praxis berichten. Einige Gemeinden im Kreisgebiet haben bereits Anlagen mit der Bürgergenossenschaft realisiert. Solarparks, Windanlagen, Holzschnitzelkraftwerke oder Holzvergaser brächten hohe Erträge. Eine Gemeinde könne damit Pacht, Gewerbesteuer und Energie erwirtschaften.

»Das Geld des Dorfes dem Dorf« - nach diesem Wahlspruch der Genossenschaften arbeiten Städte und Gemeinden mit der Sonnenland eG zusammen. Schon mit einem Betrag von 100 Euro erwerbe man einen Anteil und somit auch das Stimmrecht. Die Dividende bezifferte Kühn mit durchschnittlich sechs Prozent. So würden die Gewinne für die Menschen vor Ort nutzbar. Die Solarparks in Alten Buseck, Fernwald, Oppenrod und auf dem Attenberg in Großen-Buseck werden von der Sonnenland eG betrieben. Zusätzlich wurden viele Aufdachanlagen bei Feuerwehrhalle, Schulen und einem Hallenbad installiert.

Nach den Beiträgen stellten sich die Referenten den Fragen der Allendorfer Bürger.

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