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Auf den Spuren »seiner« Ahnen

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Edgar Reinhard (mit Frack und Zylinder) macht eine Altstadtführung in der historischen Gestalt des Apothekersohns Reinhold Welker. Foto: Heller © Heller

Zum 1. Kulturwochenende in Allendorf begab sich Edgar Reinhard als die historische Figur des Apothekersohns Reinhold Welker zum zweiten Mal auf die Spuren seiner Ahnen.

Allendorf (voh). Die Allendorfer müssen von jeher ein zähes Völkchen sein, denn sie haben allen Widrigkeiten durch die Jahrhunderte immer ausdauernd getrotzt.

Zum 1. Kulturwochenende des Lumdastädtchens begab sich Edgar Reinhard als die historische Figur des Apothekersohns Reinhold Welker zum zweiten Mal auf die Spuren seiner Ahnen. Eine Altstadtführung im Innenbereich der ehemaligen Stadtmauer hatte Reinhard bereits Ende Oktober 2021 mit großem Erfolg angeboten. Damals trauerte man noch dem wiederholt ausgefallenen Nikelsmarkt nach.

Feuersbrünste

Engagierte Menschen hatten sich indes ein Ersatzprogramm ausgedacht. Hierzu zählte das erstmalige Wandeln auf Allendorfs reichhaltiger Historie entlang der Kirchstraße, Marktstraße, Nordecker Straße, Rahmengasse, Hintergasse und Rheingasse. Ob Überfälle, Fremdbesatzung oder Feuersbrünste: Man schaffte die Trümmer beiseite und organisierte den Neuanfang.

Kaum, dass Landgraf Heinrich II im Jahr 1370 die Stadt- und Marktrechte mit der Bedingung des Bauens einer Stadtmauer verliehen hatte, kam Herzog Johann von Nassau 1377, überfiel die Stadt und plünderte sie. Reinhard: »Die Nassauer als Fachleute der Bereicherungstechnik«. Feuersbrünste hätten sechsmal gewütet, 1728 besonders schlimm. 260 Gebäude seien zerstört worden. »Nur 28 Häuser haben den Brand überstanden«. Zukunftssicherung habe den Allendorfern viel bedeutet. 1613 habe der erste Schulunterricht stattgefunden, 1680 sei erstmals ein festes Schulgebäude für diesen Zweck bezogen worden. Beim Siebenjährigen Krieg, den Reinhard als »Weltkrieg« bezeichnete, hätten die Franzosen in keiner deutschen Stadt gefehlt. »1757 kamen sie nach Allendorf«.

Die historische Route streifte auch einige bedeutungsvolle Hausnummern. Auffällig ist deren Häufung in der Nordecker Straße. In der Nummer sieben lebte die große Pfarrersfamilie Bang, in der drei wurde 1878 die Synagoge eröffnet und die zwei beherbergte den Orgelbauer Wagner, den eine Liebschaft aus dem Ebsdorfergrund hierher geführt hatte.

Historische Hausfassaden

Auf dem Parkplatz der Volksbank stand vormals die 1480 ersterwähnte Stadtmühle, eine Ölmühle mit zunächst vier Wasserrädern und drei Mühlstöcken. Reinhard: »Die gehörte dem Landesherrn«. Der habe das stattliche Gebäude verpachtet. Später sei das Material des Antriebs von Holz auf Stahl umgestellt worden, sodass nur noch ein Mühlrad benötigt wurde. Nachbarlich habe hier auch ein Brauhaus gestanden. Reinhard: »Dieses hat dem Apothekenwesen den Aufschwung gegeben«.

In der Hintergasse schlummerten noch viele historische Hausfassaden hinter Putz, so der Stadtführer. An der Ecke Kirchstraße/Rheingasse steht das einzige Backhaus innerhalb der Stadtmauer.

Funkenflug durch brennendes Reisig habe eine ständige Gefährdung bedeutet. Beim alten Brunnen an der Ecke Rheingasse/Marktstraße habe jedes Kind den Schwengel bewegen wollen. Reinhard: »Das ging aber nicht so leicht«. 1844 habe sein Vater, der Apotheker Wilhelm Welker, sich an Bürgermeister Wagner gewandt. Der wiederum hätte sehr ausführlich beim Landesherrn die Eröffnung einer Apotheke beantragt. Das Hauptargument sei der große Einzugsbereich gewesen: 9150 Seelen. Reinhard: »Dieser Antrag sollte als Lehrstück für heutige Bürgermeister gelten«. Jedenfalls habe der Landesherr umgehend diesen bewilligt. Die Apotheke zog in die Rheingasse 18. Direkt gegenüber siedelte sich der erste Allendorfer Arzt an (heute Künstlerhof Arnold).

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