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Auf niedrige CO2-Werte gesetzt

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So sieht der Bebauungsplan für das Gebiet »Auf der Hege II« aus. . Foto/Repro: Wisker © Debra Wisker

Für das Baugebiet Hege I in Allendorf ist die Nahwärmeversorgung mit Blockheizkraftwerk und Pellets vorgesehen.

Allendorf (dge). Mehr Nachfragen als das Angebot hergibt - keine Frage, das neue Baugebiet Hege II in Allendorf ist heiß begehrt.

Nun wurde im Rathaus der Vertrag für die Energieversorgung unterzeichnet. Bürgermeister Thomas Benz (FW) erklärte, er freue sich, dass das Baugebiet nun »richtig Fahrt aufnimmt« und kündigte an, dass voraussichtlich im Sommer die Tiefbauarbeiten beginnen sollen. Michael Lotz und Tanja Ohlwein (beide Geschäftsführer der Projektentwicklungsgesellschaft Allendorf Hege II GbR) wurden noch ein wenig präziser, man habe August für den Beginn dieser Arbeiten im Blick.

Gemeinsam mit den Stadtwerken Gießen (SWG) wurde ein Konzept entwickelt, dass den Fokus auf Nachhaltigkeit und Ökologie legt. Mit im Boot in dieser Phase waren Allendorfs Klimaschutzmanager Felix Jung, Dieter Hilbert und Anton Hinze (Bauamt Allendorf). In enger Abstimmung habe man sich für ein kombiniertes Wärmesystem entschieden, das den neuesten ökologischen Standards entspreche. Jung sprach von einem »zukunftsorientierten Baugebiet«.

Bezahlbares System

Dabei habe man auch die teils »explodierenden Energiepreise« berücksichtigt und auf ein bezahlbares System gesetzt. Die SWG werden eine Nahwärmeversorgung aufbauen, die auf zwei Holzpelletkesseln und einem Blockheizkraftwerk beruht. Thimo Rieger (Vertriebsleiter SWG) und Matthias Funk (Technischer Vorstand SWG) sagten, damit habe man das beste Wärmesystem gewählt. Die beiden merkten an, dass Erdwärme hier nicht umsetzbar gewesen sei, denn dazu müsse die Geologie, die Bodenbeschaffenheit stimmen. Das sei in der Hege II nicht der Fall. Mit dem Blockheizkraftwerk könnten die Endkunden, sprich die Häuslebauer, auch besser kalkulieren, ohne sich Sorgen um steigende Heizkosten machen zu müssen. Die Leistung bezifferten sie mit zwölf Kilowatt thermische Leistung und fünf Kilowatt elektrische Leistung, also insgesamt 17 Kilowatt. »Das sollte die Grundlastversorgung für im Sommer abdecken. Da haben wir die Warmwasserbereitung und Netzwarmhaltung. Das ist der Aufgabenbereich des Blockheizkraftwerks«, so Rieger. Ansonsten laufe die Versorgung komplett über Pellets als Hauptenergieträger. »Wir betreiben das Blockheizkraftwerk mit Flüssiggas, weil es in Allendorf kein Erdgas gibt«, ergänzte Funk. Die Pellets soll unterirdisch gelagert werden, der Raum dafür sei eigens in einem der Mehrfamilienhäuser eingeplant. Sowohl in Sachen laufende Kosten als auch in der Anschaffung sei dieses System wesentlich günstiger als eine dezentrale Wärmeversorgung, sprich eine einzelne Heizung in jedem Haus. »Etwa die Hälfte« einer herkömmlichen Heizung schlage bei den Anschaffungskosten zu Buche, so Felix Jung. Michael Lotz wies darauf hin, dass man sozusagen zusätzliche Wohnfläche gewinne, da ein Raum für ein komplettes Heizungssystem nicht gebraucht werde. Einzig eine Übergabestation werde installiert.

Regenerativ

»Wir gehen davon aus, dass wir rund 84 Prozent des Wärmebedarfs mit regenerativer Energie, also CO2-neutral decken«, so Rieger. Verglichen mit einer nur auf Erdgas basierenden Wärmeerzeugung liege der CO2-Wert bei einem Fünftel. Gegenüber effizienten elektrischen Wärmepumpen entstehe nur ein Drittel des schädlichen Klimagases. Funk ergänzte: »Kämen die sonst üblichen 39 Einzelheizungen zum Einsatz, wäre der Abstand noch um einiges größer.«

Entstehen sollen 55 Wohneinheiten, die sich auf vier Mehrfamilienhäuser, 19 Ein- bis Zweifamilienhäuser und 16 Doppelhaushälften verteilen. Die Kosten für das Gebäude der Nahwärmestation übernimmt die Projektentwicklungsgesellschaft, die Hausanschlusskosten die Grundstückseigentümer. Wenn alles gut läuft, wird im Frühjahr der Bebauungsplan rechtskräftig geschlossen, sodass im Sommer 2022 die Tiefbauarbeiten zur Erschließung beginnen können«, so Michael Lotz. Voraussichtlich Ende 2023/Anfang 2024 könnten die ersten Häuslebauer mit ihren Bauvorhaben beginnen.

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Thomas Benz, Tanja Ohlwein, Michael Lotz, Matthias Funk (vorne, v.l.), Anton Hinze Felix Jung und Thomas Wagner (Vertrieb SWG) bei der Unterzeichnung des Vertrags zur Wärmeversorgung. © Wisker

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