1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Allendorf

Detonation kaum mehr zu hören

Erstellt:

gikrei0911steinbruchnick_4c_1
Viele Informationen können die Teilnehmer am Rundgang durch den Steinbruch Nickel mitnehmen. Foto: Heller © Heller

»Rundgänge mit dem Bürgermeister«: Der Basalt-Steinbruch der Firma Nickel war Ziel 30-köpfigen Teilnehmergruppe umThomas Benz.

Allendorf (voh). Moderne Zeiten durch digitale Technik sind auch im Basalt-Steinbruch der Firma Nickel eingekehrt. In der Reihe »Rundgänge mit dem Bürgermeister« kamen jetzt 30 Besucher zum Treffpunkt am alten Wiegehäuschen.

Thomas Benz freute sich, dass das vom Betreiber vorgegebene Besuchergruppen-Kontingent somit voll ausgeschöpft worden sei. Warnwesten und Schutzhelme sind im Steinbruch Pflicht. Nachdem alle damit ausgerüstet waren, begrüßte Geschäftsführer Uwe Hank die Gäste und stellte ihnen noch Betriebsleiter Jan Engel und Mitarbeiter Klaus Alexander vor. »Die vergangenen sechs Jahre waren ereignisreich«, sagte Hank.

Im Herbst 2020 sei der Pachtvertrag mit der Stadt Allendorf verlängert worden (bis 2050). Das Gelände habe man hangseitig neu eingezäunt. Ein Fußgängerweg führe nun vom Totenhäuser Weg auf den Totenberg, wo ein Aussichtspunkt entstanden sei. Von diesem höchsten Punkt des Steinbruchgeländes sind es 120 Meter bis zur Sohle. Vertreter der örtlichen Nabu-Gruppe mit Hans-Erich Wissner kümmern sich um den hier brütenden Uhu. Insgesamt 39 Junge sind bisher geschlüpft. Das Gelände zählt zum EU-Vogelschutzgebiet »Steinbrüche in Mittelhessen«. Sprengungen werden auf die jeweiligen Brutplätze (April bis Juli) abgestimmt.

Die historische Schotterbrechanlage ist stillgelegt worden. Hank erklärt, wie man heute rationell arbeitet. Es würden Sprengpläne erstellt, die betreffenden Wände mit einem GPS-gestützten Laser eingescannt. Dann rücke die Bohrmaschine an und erstelle die zuvor berechneten Sprenglöcher. Der Sprengstoff werde in zwei Komponenten geliefert. Durch das Zusammenführen vor Ort entsteht das verwertbare Gemisch. Im Falle einer Fehlzündung zerstöre sich jede Sprengkapsel sofort selber, so Hank. Blindgänger gibt es daher keine. Die Detonation ist kaum mehr zu hören und es wird auch nicht ständig gesprengt, sondern kampagnenweise. Eine Woche rumpelt es, dann liegt Material für bis zu vier Wochen bereit.

100 000 Tonnen Abbau jährlich

Eine mobile Brecheranlage fährt dann so nahe wie möglich an den Abbruch heran. Die Radlader haben eine geeichte Waage an Bord, sodass kein Lkw mehr auf die stationäre Waage an der stillgelegten Schotterbrechanlage fahren muss. Wiegedaten würden per GMS (Handyfunk) übermittelt, 100 000 Tonnen jährlich abgebaut, verriet Hank. Wegen der unregelmäßigen Gesteinsschichten reiche die Qualität nicht zur Betonherstellung. Man verkaufe qualifizierte Gemische für den Straßenbau und zum Frostschutz. Der Lieferradius betrage 20 Kilometer.

Jan-Philipp Körber, der stellvertretende Geschäftsführer des Zweckverbands Lollar-Staufenberg (ZLS), erläuterte ausführlich und gekonnt die recht komplexe Ausführung des Hochwasserrückhaltebeckens Treis, kurz HRB Treis. Das beginnt schon mit der Zuständigkeit denn eigentlich sei das der Wasserverband Lumdatal. Weil jedoch das HRB Odenhausen wasserrechtlich als Talsperre geführt werde, benötige der Verband einen Bauingenieur. Die Verbandskommunen hätten indes nur Bürgermeister aufzubieten. Er, Körber, sei Bauingenieur. Somit sei der Verband aus dem Schneider und der ZLS mit im Boot. Körber kannte sämtliche Einzelheiten aus dem Effeff, dass man meinen konnte, er sei Bauleiter von Faber & Schnepp, der ausführenden Firma.

Der 190 Meter lange und am höchsten Punkt 1,80 Meter hohe Damm werde nicht höher sein wie die Landesstraße. Dort entlang werde zusätzlich ein Abschottungsdamm errichtet. Von einer Fläche von 100 Quadratkilometer im Umkreis könne das neue HRB Wasser aufnehmen. Der Damm halte ein HQ 80-Ereignis zurück. Der Rückstau flute 15 Hektar und erreiche weder das Allendorfer Klärwerk noch die Kleinmühle.

Ende November werde noch das Durchlassbauwerk entstehen. Dafür seien 26 Lkw-Fahrten geplant. Wenn der Damm an die Reihe komme (2024), würden 13 000 Kubikmeter Material benötigt. Die passten auf 650 Muldenkipper.

Auch interessant