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Geologische Infos zum Lumdatal

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Ortstermin am Standort der ehemaligen Trafostation. Foto: Heller © Heller

Zwei Informationstafeln wurden symbolisch enthüllt. Zu sehen gibt es allerdings nicht mehr viel, nur »zu erahnen« wie es Vereinsvorsitzender Manfred Lotz ausdrückte.

Allendorf (voh). Den heimischen Tourismus in Sachen historische Kultur zu fördern, ist ein Anliegen des Vereins Arbeitsgemeinschaft Heimatgeschichte Allendorf an der Lumda. Momentan liegt das Hauptaugenmerk auf Climbach. Nachdem das historische Wasserhäuschen aus dem Jahr 1908 mit seiner alten Technik wieder zugänglich gemacht wurde, ist nun das zweite Anschauungsobjekt in Reichweit dessen offiziell vorgestellt worden.

Zwei Informationstafeln wurden symbolisch enthüllt. Zu sehen gibt es allerdings nicht mehr viel, nur »zu erahnen« wie es Vereinsvorsitzender Manfred Lotz ausdrückte. Auf dem hügeligen Gelände zwischen Homberg und Pfarrwald hatte die damalige Sieg-Lahn-Bergbaugesellschaft 1943/1944 einen Stollen in den Hang getrieben. Man wollte die hier lagernde feinschichtige Blätterkohle, auch Schichtkohle genannt, abbauen und an Ort und Stelle mittels Destillation Öl für Kraftstoffe daraus gewinnen. Die beabsichtigte Produktion stand kurz bevor als am ersten Weihnachtsfeiertag 1944 amerikanische Bomber ihre Fracht abwarfen.

Das Bergwerksgelände wurde zwar verfehlt, aber die Arbeiten auch eingestellt. Nach dem Krieg wurde der Stolleneingang zugeschüttet, vorhandene Anlagen abgerissen. Den ehemaligen Stolleneingang freizulegen wäre sicher interessant, aber das Gelände sei privat und deshalb die Stadt Allendorf am Zuge, beim Eigentümer mal vorzusprechen, meinte Lotz. Bürgermeister Thomas Benz notierte sich das in sein Notizbuch. Für das dritte Objekt, den nachbarschaftlichen Forstgarten, gebe es schon Pläne. Zunächst müssten Zuschüsse beantragt werden, informierte der Vorsitzende. Anna Erb, die Tourismusbeauftragte, zückte ihren Notizblock. Während vom Forstgarten ein jeder weiß, brauchte es für das Wasserhäuschen einen Geheimnis-Ausgräber (Peter Stein) und vielmehr noch für das von außen unsichtbare Bergwerk. Lotz teilte mit, vor zehn Jahren habe ihn Walter Burk darauf angesprochen. 1943 war Burk neun Jahre alt und wie alle Kinder sehr neugierig. Mit seinen Kumpels verschaffte er sich den Zutritt zum militärischen Sperrgebiet. Die Gewinnung von Öl für Kraftstoff war geheime Kommandosache.

Burk: »Wir waren eine verschworene Gemeinschaft. Leider sind die Schulfreunde alle verstorben.« Werner Heibertshausen (AG Heimatgeschichte) bedauerte, dass man »keine Fotos gefunden habe«, dafür jede Menge Informationen aus Archiven. Er dankte allen Institutionen, die finanziell und organisatorisch mitgeholfen hätten, letztlich dem Bauhof für das Setzen der Rohrrahmen für die Informationstafeln. Lokalhistoriker Volker Hess erläuterte die Entstehungsgeschichte der Blätterkohle. Vor 250 Millionen Jahren sei die Ablagerung von Pflanzenmaterial durch Basalttuff überdeckt worden. Mittels Druck komprimiert, konnten die chemischen Umbauprozesse stattfinden.

Hess hatte das Layout für beide Schilder erstellt. Das erste Schild am Fuße des Hügels, wo der Stolleneingang sein muss, zeigt in grafischer Form die Geologie des mittleren Lumdatals. Das zweite Schild ist ein Lageplan der drei Objekte zwischen dem Homberg und Aspenkippel. Sein Standort ist die ehemalige Trafostation. Sie versorgte die Kesselanlage mit Strom. Hier sollte das Öl aus dem fossilen Gestein herausgeschmolzen werden. Idealerweise sollen die drei kulturhistorischen Objekte einmal durch einen befestigten Pfad verbunden werden.

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