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Neues aus Burg Nordeck

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Stefanie Wiesenberg freut sich über die Erfolge der Kinder und Jugendlichen im Rahmen des Umbauprojekts. Foto: Rühl © Rühl

Kinder und Jugendliche haben das frühere Schwimmbad zu einem Multifunktionssportraum umgebaut.

Allendorf (red). Das ehemalige Internat Burg Nordeck wird seit 2015 von proLiberi gGmbH, einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft der Lebenshilfe Gießen, als Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe betrieben. Auf dem Gelände wohnen Kinder und Jugendliche, die gemeinhin als »Systemsprenger« bezeichnet werden, heißt es in einer Pressemitteilung von proLiberi.

»Kinder und Jugendliche, die bei uns wohnen, haben es in ihrem bisherigen Leben nicht leicht gehabt. Sie sind die Verlierer unseres Systems, zeigen Verhaltensauffälligkeiten und sind in Gruppen schwer zu integrieren. Viele Misserfolgserlebnisse haben das Selbstwertgefühl auf ein Minimum reduziert und wenn sie zu uns kommen, haben sie oft schon etliche Einrichtungen hinter sich. Wir wollen den Kindern und Jugendlichen hier eine sichere und stabile Umgebung bieten, so dass sie zur Ruhe kommen, Selbstvertrauen entwickeln und wieder am normalen Leben teilnehmen können«, erklärt Stefanie Wiesenberg (Geschäftsführung und Einrichtungsleitung) nun bei der Vorstellung des Multifunktionssportraums. Seit einem Jahr nutzen die Kinder und Jugendlichen einen Fitnessraum, der in Eigenleistung gebaut und von der Aktion Mensch finanziell gefördert wurde. Als die intensivpädagogische Gruppe für Kinder und Jugendliche mit besonders hohem Betreuungsbedarf im Juni 2020 in Betrieb genommen wurde, sei Vandalismus anfangs ein großes Problem gewesen. »Ständig wurde irgendetwas kaputt gemacht oder beschmiert«, erinnert sich Wiesenberg.

Die Bewohner dieser Gruppe seien allesamt »Schulverweigerer« gewesen. »An den Besuch der Regelschule war anfangs überhaupt nicht zu denken. Deshalb brauchten die Kids eine sinnvolle Beschäftigung, die ihnen einen strukturierten Tagesablauf bietet und auch das Selbstvertrauen stärkt«, beschreibt sie den Ursprung des Bauprojekts.

Im Keller des Schul- und Verwaltungsgebäudes gab es ein Schwimmbad, das früher von den Internatsschülern genutzt wurde. Beim Trägerwechsel der Einrichtung wurde schnell klar, dass das Schwimmbad aus wirtschaftlichen Gründen nicht weiter betrieben werden kann. Der große Raum mit den hellen Fenstern hin zum Garten hätte die Idee geweckt, das ehemalige Schwimmbad in einen Fitnessraum umzufunktionieren.

Das Ganze sei zu einem Bauprojekt herangewachsen, von dem alle Beteiligten profitieren würden. Im Herbst 2019 wurde ein Antrag bei der Aktion Mensch gestellt, mit dessen Fördergelder der Umbau des Fitnessraums finanziert werden konnte.

Das Besondere am Bauprojekt seien die »Bauarbeiter« gewesen. Sechs Bewohner der intensivpädagogischen Wohngruppe hätten gemeinsam mit einem Bauleiter und einem Sozialkompetenztrainer eine Unterkonstruktion für den Boden gebaut, den Boden und anschließend Sportmatten verlegt und den Raum als Fitnessstudio eingerichtet.

Das Highlight ist ein Boxring, in dem Kampfkunst-Training angeboten wird. Es gibt auch Fitnessgeräte und eine große Freifläche für Gymnastik. »Der Umbau hat den Kindern und Jugendlichen wertvolle Erfahrungen ermöglicht. Sie haben gesehen, dass sie mit ihren Händen selbst etwas bauen können und haben den Umgang und die Pflege der Werkzeuge erlernt. Aber besonders freuen wir uns über die sozialen Kompetenzen und das Selbstvertrauen, das sie durch das Bauprojekt entwickelt haben. So kam es, dass die Kinder und Jugendlichen schneller wieder in den Schulunterricht zurückgekehrt sind, als wir das vorher angenommen hatten«, freut sich Stefanie Wiesenberg über den nachhaltigen Erfolg.

Der Multifunktionssportraum ist inzwischen seit etwa einem Jahr in Betrieb und wird gerne und oft genutzt. Der Sport hilft den Kindern und Jugendlichen ungemein, ihre Wut und Aggression zu kanalisieren und abzubauen. Auch Bewohner mit ADHS profitieren von den täglichen Sporteinheiten.

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