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Zweite Chance auf 100 Prozent nachhaltiges Baugebiet

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Ein Teil der möglichen Fläche für das Baugebiet. Foto: Heller © Heller

Auf der Stadtverordnetensitzung »zauberten« Planer Mathias Wolf und Jochen Schomber vom Projektierer JS Schomber Bau (Aßlar) ein Vorhaben aus dem Hut, das alle Zuhörer überraschte.

Allendorf (voh). Die Kernstadt Allendorf erhält die zweite Chance auf ein 100 Prozent nachhaltiges Baugebiet. Bei den Planungen für das Baugebiet »Heege II«, das gerade vermarktet wird, hatten die politischen Gremien zwar lange über Photovoltaik, Dachbegrünung und Co. diskutiert, letztendlich es den Bauwilligen überlassen, welche Maßnahme sie ausführen möchten.

»Musterprojekt«

Auf der Stadtverordnetensitzung »zauberten« Planer Mathias Wolf (Büro Fischer) und Jochen Schomber vom Projektierer JS Schomber Bau (Aßlar) ein Vorhaben aus dem Hut, das alle Zuhörer überraschte. Am südlichen Ortsrand könnte rechtsseitig der Bahnhofstraße ein nachhaltiges Wohnquartier entstehen. Sollte es zur Ausführung kommen, wäre das »ein Musterprojekt für Hessen«, sagte Wolf. Man solle das Land informieren, um Zuschüsse zu erhalten. Das Wohnquartier sei besonders geeignet für junge Leute zwischen Anfang 20 bis Mitte 30. Schomber erläuterte, dass die Konzepthäuser (es gibt acht Haustypen) eine Infrastruktur erhielten (Internetseite www.kreislaufhaus.eu). An der nachhaltigen Bauweise werde nicht gerüttelt. Heute so und morgen so gebe es nicht.

Wolf erläuterte, das Quartier verfüge über autarke Energieversorgung. Jedes Haus erhalte Photovoltaik und Dachbegrünung. Parken sei zentral. Die Grundstücke würden durch Fußwege erschlossen. Für die Häuser gibt es keine Betonbodenplatte und daher nur wenig Bodenversiegelung. Ein zentraler Parkplatz für Pkw und Räder entstehe, jeweils E-Ladesäulen, ein Car-Sharing-Projekt sei vorgesehen. Ausgangspunkt für die Planungen sei die Schließung der Gärtnerei. Zum Betrieb gehören größere Flächen. Oberhalb davon liegen Wiesen. Das Baugebiet geht weiter bis zum Waldrand im Süden und Westen hoch (Flurname Am Erlen bei Wießners Baum). Die vorhandene Zufahrtsstraße Am Erlen werde ausgebaut, eine zweite Erschließungsstraße angelegt und eine zweite Zufahrt zur Bahnhofstraße beantragt.

Die Grundstücksgröße liegt zwischen 315 und 350 Quadratmeter, die Grundrisse bestehen aus reiner Wohnfläche zwischen 80 und 120 Quadratmeter. Jedes Haus verfügt über mindestens eine Terrasse oder Balkon. Schlüsselfertig mit Grundstück kosten die Häuser von 300000 bis 375000 Euro. Die momentan bekannte Fördersumme pro Hauskauf beträgt bis zu 35000 Euro. Eine Hausverwaltung kümmert sich um die Technik, Außenanlagen sowie Wege und Straßen. Die Kosten hierfür werden mit dem Abverkauf von recycelten Stoffen verrechnet. Das Quartier wird nicht an die Kläranlage angeschlossen, da alle Abwässer und Fäkalien umgewandelt und recycelt werden. Das Verfahren hierzu hat das Fraunhofer-Institut entwickelt. Die Häuser bestehen aus recycelbaren Rohstoffen.

Volle Unterstützung

Es gibt ein oder zwei Geschosse oder ein Staffelgeschoss. Großzügige Glasfassaden sorgen für viel Lichteinfall. Fenster sind aus Holz und dreifach verglast. Die Dauer vom Kauf bis zum Einzug soll nur acht Wochen betragen.

Brunhilde Trenz (BfA/FDP) fand die Kombination von nachhaltig und modern interessant. Zu klären sei jetzt noch, wie die vorhandenen Vereinsheime einzubinden seien und welcher Abstand vom Waldrand zu halten sei. Die Baufläche sei auch ein Grundwasserschutzgebiet. Es erfolgte der einstimmige Beschluss, das Vorhaben zur Beratung in den Bauausschuss zu verweisen. Bürgermeister Thomas Benz (FW) sagte dem Projektierer die volle Unterstützung der Stadt zu. Möglicherweise kann auf der letzten Stadtverordnetensitzung dieses Jahres noch der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan gefasst werden.

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