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50 Jahre alles Notwendige getan

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Das Biebertaler Familienbad - zwischen Rodheim und Bieber gelegen - hat mit dem neuen impressionistischen Graffiti-Outfit von Scid und Harti (ArtDesign Gießen) eine optische Aufwertung erfahren. Foto: Waldschmidt © Waldschmidt

»50 Jahre Hallenbad«, »50 Jahre DLRG Biebertal« und »Zehn Jahre Förderverein Familienbad Biebertal« werden im Rahmen des Sommerfestes am Sonntag, 4. September, nachgefeiert.

Biebertal (whk). Die Pandemie führte zur Verschiebung dreier Jubiläen: »50 Jahre Hallenbad«, »50 Jahre DLRG Biebertal« (beide 2021) und »Zehn Jahre Förderverein Familienbad Biebertal« werden im Rahmen des Sommerfestes am Sonntag, 4. September, in und am Familienbad nachgefeiert. Die Gemeinde Biebertal, der Förderverein Familienbad Biebertal sowie DLRG Biebertal und Heuchelheim laden bei freiem Eintritt zum Sommerfest mit »Tag der offenen Tür« ein.

Buntes Programm

Das Programm auf der Familienbad-Wiese beginnt um 11 Uhr. Ab 13 Uhr gibt es »Hit Clips« mit Dieter Faust und Peter Hummer. Die »Meerjungfrauen« sind von 13 Uhr bis 15 Uhr im Bad in Action. Außerdem gibt es Wasserball-Laufen und eine Nestschaukel. Mitwirkende des Sommerfestes sind das Hallenbad-Café der Familie Ulus, die KSG Bieber, das Ehrenamts-Café ERNA, die DLRG Biebertal und Heuchelheim und die Mitarbeiter des Familienbades.

Zukunft gesichert

Dank ständiger Innovationen, vieler Unterstützer und dem »SWIMM-Förderprogramm« ist die Existenz des Familienbades durch Beschluss der Gemeindevertretung für die Zukunft gesichert. Anfang 2023 wird das Bad geschlossen sein, um erste Sanierungsarbeiten durchführen zu können.

Das Biebertaler Hallenbad bestand 2021 50 Jahre. Am 12. März 1991 weihte es Gemeindevertreter Frank Reif (CDU) stellvertretend für die Gemeindegremien mit einem gekonnten Sprung vom Startblock in das kühle Nass offiziell ein. Die damals selbständige Kommune Rodheim-Bieber hatte das Bad noch in Eigenregie geplant und mit der Realisierung des Baues begonnen. Die Großgemeinde Biebertal konnte es dann einweihen. Die Baukosten des Bades konnten damals aus eigener Finanzkraft ohne Zuschüsse gestemmt werden.

»Die Einrichtung eines öffentlichen Hallenbades in einer Gemeinde eröffnet nicht nur neue Möglichkeiten, Sport zu treiben, sondern übt auf einen ganz bestimmten Personenkreis einen vollkommen neuen Reiz aus. Kinder, Jugendliche und Erwachsene werden plötzlich motiviert, sich in das Wasser zu werfen und nach Herzenslust Übungen auszuführen, die nur im Wasser möglich sind. Das Ergebnis ist nicht nur ein angenehmer, müder Zustand, der gut schlafen lässt, sondern Menschen, die so trainieren, wissen plötzlich, wie gut sie sich ja bewegen können und das nicht nur im Wasser, sondern auch bei der täglich nötigen Muskelarbeit«, konstatierte Prof. Ingeborg Siegfried seinerzeit zur gesundheitlichen Relevanz der neuen Sport- und Freizeitstätte in ihrem Beitrag »Schwimmen medizinisch gesehen«.

Schon im Hinblick auf das neue Bad gab es Ideen, einen Verein zu gründen. Diese kamen aus der KSG Bieber, besonders von Lorenz Zartner, Dieter Knecht und Ernst Drschka. Am 17. Februar 1971 fand die Gründungsversammlung eines Stützpunktes der Ortsgruppe Heuchelheim im Saal der Gastwirtschaft Scherer in Bieber statt. Ihr folgte am 13. November 1971 die ordentliche Mitgliederversammlung des »Stützpunktes Biebertal«. Zum ersten Vorsitzenden wurde Ernst Drschka gewählt.

1973 wurde die DLRG-Ortsgruppe Biebertal selbstständig. Für den Schul-Schwimmsport eröffnete das Bad ganzjährig neue Möglichkeiten. Lokale und regionale Schwimmfeste von KSG und DLRG sowie andere Events fanden statt. Auch das Biebertaler Amt für Jugendförderung sorgte mit seinen »Pool-Partys« für Atmosphäre für die, die in Badeklamotten im Beckenrand saßen und Rap und Techno genossen. Bereits zum 25-jährigen Jubiläum 1996 zog die Gemeinde eine stolze Bilanz: Bis dahin waren es 1,6 Millionen registrierte Besucher. Die Kommune hat es stets verstanden, das Bad dem Verbraucherverhalten anzupassen, es ständig zu erneuern und auf hohem technischen Stand zu halten.

Stetig verbessert

So wurde 1983 das Dach saniert, 1987 eine Wärmerückgewinnungsanlage eingebaut und weitere Energiesparmaßnahmen umgesetzt. 1990 erfolgten der Einbau der Sauna im Keller und der Anschluss an das Erdgasnetz. 1991 bis 1993 kamen die Grunderneuerung mit dem Anbau für den technischen Bereich sowie der Ausbau des Babybades hinzu. Von 1986 bis 1996 wurden rund drei Millionen DM investiert. Im gleichen Zeitraum entstanden vier Millionen Mark Defizit bei der Unterhaltung - 400 000 DM pro Jahr. Dank galt beim Jubiläum den »Erbauern«, dem damaligen Bürgermeister Wolf-Dieter Meckel (SPD) und Bürgermeister Helmut Bechlinger (FWG).

In die Amtszeit von Bürgermeisterin Helga Lopez fielen weitere Verbesserungen des Bades, darunter die neue energetisch konzipierte große Fensterfront. Zur Historie des Bades gehörten auch Schließungsgedanken wegen der hohen Defizite. So empfahl der Gemeindevorstand angesichts der schwierigen finanziellen Situation der Kommune Ende 2012 die Schließung des Bades. Dennoch wurden unter Bürgermeister Thomas Bender alternative Betreiber-Modelle für das beliebte Bad erarbeitet. Durch neue Ideen, das Engagement des Fördervereins Familienbad Biebertal und weiterer Energiesparmaßnahmen, zuletzt 2020 der Bau eines Blockheizkraftwerkes, gelang es, das Bad offen zu halten.

Das Hallenbad-Café erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Auch hier wurde stets modernisiert und Maßnahmen zur Kostensenkung und Energieeinsparung umgesetzt. Insbesondere dem Förderverein Familienbad Biebertal mit dem leider allzu früh tödlich verunglückten Vorsitzenden Thomas Kammer, der mit fachlicher Kompetenz und energetischer Weitsicht mit seinen Vorstandskollegen neue Ideen einbrachte, sowie dem kreativen Team mit derzeit David Bast an der Spitze und dem langjährigen zweiten Vorsitzenden Rainer Rau als Ideengeber, ist es zu verdanken, dass zahlreiche Innovationen und kundenorientierte Elemente wie die Ausgestaltung des Außenbereiches mit (Wasser-)Spielgeräten sowie viele neue Ideen realisiert wurden. Sie haben zur Steigerung der Attraktivität des Biebertaler Bades während des inzwischen über zehnjährigen Bestehens des Fördervereins beigetragen.

Die »Schwimmbad-Sommerfeste«, organisiert vom Förderverein und Unterstützern, erfreuen sich großer Beliebtheit. 2020 sponserte der Förderverein ein neues, buntes äußeres Outfit mit dem Schriftzug »Familienbad Biebertal« und dem Biber, der in einem Schwimmring sitzt, kreativ realisiert von den Gießener Graffiti-Künstlern Scid und Harti (ArtDesign Gießen).

»Dank gilt allen, die sich in fünf Jahrzehnten für das Bad engagiert und sich auf vielfältige Weise für die Erhaltung dieser infrastrukturell bedeutenden Einrichtung für Biebertal eingesetzt haben«, so Bürgermeisterin Patricia Ortmann.

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Legendärer »Sprung ins kühle Nass«: Frank Reif aus Fellingshausen weiht am 12. März 1971 das neue Hallenbad ein. Repro: Waldschmidt © Klaus Waldschmidt

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