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Baugebiet in Fellingshausen sorgt für Zündstoff

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Unterhalb des ehemaligen Hotels »Keltentor« soll das Neubaugebiet »Dreispitz III« entstehen, gegen dessen Dimension sich die Interessengemeinschaft Zukunft Fellingshausen zusammen mit zahlreichen Unterstützern wehren will. Archivfoto: Mattern © Volker Mattern

Das geplante Baugebiet »Dreispitz III« in Fellingshausen sorgt für Zündstoff. Eine Interessengemeinschaft kritisiert Bürgermeisterin Ortmann.

Biebertal . (lth). Die Erweiterung des Neubaugebietes »Dreispitz« in westlicher Richtung (»Dreispitz III«) erhitzt in Fellingshausen weiterhin die Gemüter. Am Montagabend luden die Initiatoren der Interessengemeinschaft Zukunft Fellingshausen (IGZF), Wilfrid Venerius, Eugen Domann und Thomas Cramer, zu einem Pressegespräch in den Saal in der Gaststätte »Zur Post« ein. Rund 40 Bürger nahmen daran teil.

Die IGZF wollte mit dem Termin die Interessen der Bürgerschaft bezüglich der »Dreispitz«-Erweiterung noch einmal in breiter Öffentlichkeit darstellen und Fragen an die Verwaltung beziehungsweise an Bürgermeisterin Patricia Ortmann (parteilos) formulieren. Bereits im Vorfeld hatte die Interessengemeinschaft fast 500 Unterschriften gesammelt und Anfang Juni in einem Brief, der an Ortmann, den Gemeindevorstand, die Fraktionen in der Gemeindevertretung sowie die betroffenen Ortsbeiräte geschickt wurde, Sorgen und Lösungsvorschläge präsentiert.

»Unterschrieben haben nicht nur Bürger aus Fellingshausen, wie es häufig zu hören ist. Zu unserem Unterstützerkreis gehören Bürger aus allen sieben Biebertaler Ortsteilen. Denn unter dem Vorhaben wird nicht nur Fellingshausen leiden«, gab Domann an. Doch auf eine Antwort der Bürgermeisterin und des Gemeindevorstandes sowie auf Reaktionen einiger Fraktionen wartet die IGZF bis heute. »Einzig allein die Freien Wähler und die Grünen gaben uns eine Rückmeldung und boten an, sich mit uns an einen Tisch zu setzen«, erklärte Venerius.

Für besonders bedenklich hält es die IGZF, dass es »keinerlei Reaktionen« seitens der Verwaltungsspitze gegeben habe und diese sich weiterhin »vollkommen ignorant« zeige, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Das Baugebiet »Dreispitz III« war eigentlich als homogene Erweiterungsmöglichkeit für das bisherige Wohngebiet im Westen Fellingshausens vorgesehen. Vor allem der Ortscharakter sollte beim Bau von Wohneinheiten berücksichtigt werden. Doch die derzeitigen Planungen des Investors Martin Bender mit seiner Firma Weimer GmbH sehen etwas anderes vor.

»Passt nicht zum Dorfcharakter«

So ist in großen Teilen eine mehrgeschossige Bauweise vorgesehen. Zweigeschossige Doppelhaushälften sowie zwei- und dreistöckige Mehrfamilienhäuser plus Staffelgeschoss sollen im »Dreispitz III« entstehen. »Größe und Dimension passen in keinster Weise zum Dorfcharakter«, merkte Venerius an und bekam promt Bestätigung von einem Bürger. »Ich möchte nicht, dass wenn ich von Bieber nach Fellingshausen fahre, es mir vorkommt, als wäre ich in Mainhattan«, so der Zwischenruf in Anspielung auf die Hochhausbauten in der Mainmetropole. Venerius stellte klar, dass die IGZF das Baugebiet nicht komplett verhindern möchte, jedoch »«muss die Dimension stimmen«.

Der Interessengemeinschaft fehlt auch ein passendes Verkehrskonzept. Mit den angedachten Wohneinheiten würden zusätzlich 500 Menschen in Fellingshausen wohnen, was rund 30 Prozent Bevölkerungszuwachs innerhalb kürzester Zeit bedeuten würde. »Es kommt zu einem Zuwachs von 1460 Pkw-Fahrten pro Tag, was vor allem die Anwohner in den Straßen ›Hohlgarten‹ und ›Die Beu‹ enorm belasten wird«, rechnete Domann vor.

Außerdem wirft die Interessengemeinschaft der Verwaltung vor, dass ein Konzept in Sachen soziale Infrastruktur fehle. Der Bedarf an Kita-Plätzen könne aktuell schon nicht gedeckt werden und die örtliche Grundschule werde nicht mehr ausreichen. Zudem werde der Wasserbedarf enorm steigen. So war die Rede von rund 23 000 Kubikmetern mehr pro Jahr.

Brief wurde noch nicht beraten

All diese und weitere Probleme sowie sachliche Argumente habe die IGZF im Brief an die Bürgermeisterin und an den Gemeindevorstand aufgezeigt, jedoch habe man »mehr als ein Achselzucken erwartet«. Durch zwei Mitglieder des Gemeindevorstandes habe die IGZF erfahren, dass der Brief auch nach fünf Wochen noch nicht beraten worden sei, dass die beiden Vorstandsmitglieder den besagten Brief nicht kennen. Man frage sich, ob die Bürgermeisterin bewusst Informationen zurückhalte und warum noch keine Antwort eingegangen sei. »Sie (die Bürgermeisterin) sollte etwas im Interesse ihrer Bürger erschaffen und nicht im Interesse eines Investors. Denn so kommt es einem mittlerweile vor«, meinte ein erboster Besucher in einem Zwischenruf.

Die IGZF hofft nun, dass sie zeitnah eine Antwort auf ihre Anliegen bekommt und appellierte auch an die Fraktionen, Anträge zum Thema Baugebiet »Dreispitz III« mit den aufgelisteten Problemen in der Gemeindevertretung zu stellen. »Wir werden in dieser Sache am Ball bleiben und uns für die eingeforderten Informationen einsetzen«, betonte Venerius.

Sollte von der Verwaltung weiterhin keine Reaktion kommen, behält es sich die Interessengemeinschaft als letztes Mittel vor, einen Anwalt einzuschalten, da die offenkundigen Probleme, die nicht angemessene Dimension des Vorhabens sowie die unzureichende Beteiligung der ansässigen Bevölkerung Verstöße gegen die Grundsätze des Baugesetzbuches darstellen.

Bürgermeisterin Patricia Ortmann war gestern für den Gießener Anzeiger bezüglich einer Stellungnahme nicht zu erreichen.

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