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Burschen und Mädchen höchstbietend versteigert

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»Ortsdiener« und Auktionator Tobias Becker mit der Ortsschelle bei der Mädchenversteigerung »beim Wani« in Aktion. Foto: Waldschmidt © Waldschmidt

Biebertal (whk). Im »Bistro Joy« versteigerten die Rodheimer Kirmesmädchen 33 unverheiratete Burschen. Abwechselnd wurden von den Mädchen dabei die Burschen mit verschiedenen Schlagwörtern wie »muskulöse Erscheinung, Haarfarbe, sportliches Outfit und charmantes Auftreten« beschrieben. Klar, dass die Mädchen gerne bereit waren, ihr Gebot für den Mann ihres Herzens großzügigst abzugeben.

Für ungebührliche Zwischenrufe und unziemliche Bemerkungen wurde jeweils ein »Maulgeld« von zehn Cent kassiert.

Zu vorgerückter Abendstunde stand es fest: Dominik Schütz ist der teuerste Bursch der 2022er-Kirmessaison in Rodheim. Annika Schmidt ersteigerte ihn. Die Mädchenschaftsfahne ersteigerte Celine Pietsch. Sie wird sie im Kirmeszug tragen.

Die Mädchenversteigerung der Burschen lief derweil »beim Wani« (Gastwirtschaft Pausch) auf vollen Touren. Als Auktionator fungierte Ortsdiener Tobias Becker. Er pries die Vorzüge der Damen eindrucksvoll, plastisch und mit viel Fantasie. Figur, Charme, Haarfarbe Schönheit, Alter, Wohnung, Pkw-Marke und andere Merkmale bewogen die Burschen zu ihrer Gebotsabgabe, bevor Tobias Becker mit der Ortsdienerschelle den Zuschlag erteilte.

Ihm assistierte Kenny Häuser als Jungbursche. Das Maulgeld für ungebührliche Zwischenrufe in Höhe von zehn Cent wurde in einer Zigarrenkiste eingesammelt. 40 Mädchen und unverheiratete Frauen kamen unter den »Hammer«.

Traditionell wurden zum Schluss die restlichen Mädchen en block »als Pirch« versteigert. Als teuerstes Mädchen ging diesmal Selina Rühl, die von Benjamin Failing ersteigert wurde, hervor. - Traditionell bleibt der Preis der teuersten Dame und des teuersten Burschen ein Geheimnis, allerdings wurde aus gut unterrichteten Kreisen bekannt, dass sich die Ersteigerin des teuersten Burschens und der Ersteigerer des teuersten Mädchens sich die Sache einiges haben kosten lassen.

Die Fahne der Burschenschaft Immergrün ersteigerte Leon Katzmarzik.

Der Ursprung der Mädchenversteigerung ist nach dem Krieg zu suchen. Sie fand statt, um ein finanzielles Standbein zu haben, damit die Kosten der Kirmes mit abgedeckt werden konnten. Früher fanden die Kirmessen nämlich in Wirtschaften statt.

Und die Burschen hatten zunächst nur die Einnahmen vom Tanzgeld. Damit musste die Musikkapelle bezahlt werden.

Mit dem Erlös aus der Versteigerung konnten dann später die Kosten für die Musik und die Organisation der Kirmes abgedeckt werden.

Die 54. Große Biebertal-Kirmes findet von Freitag, 15. bis Montag, 18. Juli, auf den Bürgerhausplatz in Rodheim statt. Am Freitag steht der Fassbier-Anstich mit anschließendem Discoabend - Einlass ab 20 Uhr - auf dem Programm.

Am Samstag ab 20 Uhr ist das große Burschen- und Mädchenschaftstreffen mit der Band »Confect« angesagt.

Am Sonntag geht es um 11 Uhr mit dem Zeltgottesdienst weiter. Um 13 Uhr bewegt sich der große Kirmeszug durch den Ort. Anschließend ist die Kirmeseröffnung im Zelt und der Familiennachmittag steht an. Am kompletten Sonntag spielt die Stimmungskapelle »Bella Luna« mit einem breiten Repertoire rhythmisch auf.

Am Kirmesmontag beginnt der traditionelle Frühschoppen um 11 Uhr mit der »Kinzenbacher Blaskapelle«. Ein Vergnügungspark ist vor Ort. Die Bevölkerung ist herzlich eingeladen und die Kirmesburschen und -mädchen freuen sich auf zahlreiche Besucher nach der Pandemie-bedingten Pause. (whk)

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