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»Dauervakanz geht über meine Kräfte hinaus«

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Christin Neugeborn Archivfoto: Hartmann © Red

Pfarrerin Christin Neugeborn wechselt von Biebertal zum Wirberg. Am kommenden Sonntag ist der Abschiedsgottesdienst.

Biebertal (vb/red). Pfarrerin Christin Neugeborn verabschiedet sich in einem Gottesdienst am kommenden Sonntag, 23. Januar, ab 14 Uhr, in der evangelischen Kirche in Rodheim von den Gemeinden in Biebertal. Sie hat sich auf die Pfarrstelle im Kirchspiel Wirberg (Reiskirchen) im neu gebildeten Dekanat »Gießener Land« beworben und dort bereits die Vertretung übernommen. Pfarrerin Neugeborn war seit 1. Januar 2019 Pfarrerin im Probedienst in Bieber und Rodheim/Vetzberg. Drei Jahre nach ihrer Ordination wurde sie nun zur Pfarrerin auf Lebenszeit ernannt.

Im Gespräch mit dem Anzeiger blickt die 34-Jährige auf eine zuweilen sehr herausfordernde Zeit zurück. Zwar gelte während des Probedienstes für Pfarrdienstanwärter eigentlich die Regel, dass man keine Vakanzvertretung übernehmen solle und auch, dass man keine Kindergärten zu betreuen habe. Doch in Biebertal war es nach dem Weggang der Pfarrer Rockel, Becker und Schäfer so, dass Neugeborn wie auch ihre Kollegen die Vertretung übernehmen musste.

In ihre Dienstzeit fällt die erfolgreiche Bildung des Kooperationsraumes Biebertal aus den Gemeinden Bieber, Rodheim-Vetzberg, Fellingshausen, Königsberg, Frankenbach und Krumbach. Damit verbunden ist die Gründung eines Gemeindebüros für sechs der Orte und gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit, wie es in einer Pressemitteilung des evangelischen Dekanats Gießen heißt. Ein Prozess indes, der vielen Seiten sehr viel abverlangt habe, findet die Pfarrerin.

Vor diesem Hintergrund habe sie ihre Rolle von Anfang an auch »als Trauerbegleiterin verstanden« - sowohl faktisch als auch im übertragenen Sinne. Über 100 Beisetzungen habe sie begleitet, vom Baby bis zur 103-Jährigen. »Das hat mir unglaublich viel abverlangt. Und manchmal habe ich mich auch noch zu jung gefühlt, um diese Härten des Lebens auszuhalten. Das ist nicht einfach nur so ein Job, den man da macht.«, so die 34-Jährige.

Auch im Kooperationsprozess habe sie sich »in gewisser Weise als Trauerbegleiterin« gefühlt. »All dies sind auch Veränderungen, die in den Gemeinden selbst nicht immer ganz einfach zu vermitteln sind«, sagt Neugeborn mit Blick auf den Veränderungsprozess der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, der bis 2030 begleitet ist von Fusionen, Einsparungen, Stellen, aber auch Gebäudeabbau.

Da es in Biebertal eine Diakoniestation und fünf Kindergärten in kirchlicher Trägerschaft gibt, fielen auch diese mit in ihren Verantwortungsbereich. Das Personal dort leiste »ganz großartige Arbeit«, aber der allgemeine Fachkräftemangel in der Pflege und bei den Erzieherinnen bedeutete immer wieder einen immensen, zusätzlichen Verwaltungsaufwand. Umso dankbarer sei sie für die Unterstützung, die sie von Teilen der Kirchenvorstände, aber auch von den Kita-Leiterinnen erfahren habe.

»Ich gehe nicht mit Groll, aber die Dauervakanz geht auch über meine Kräfte hinaus«, erklärt sie. Gerne hätte die 34-Jährige mehr Zeit gehabt für Besuchsdienste, zum Beispiel bei Geburtstagen, was auch wegen der Pandemie erschwert wurde. Der Plan, Veranstaltungen der Erwachsenenbildung zu machen, ließ sich auch nicht verwirklichen.

Mit viel Freude blickt die Pfarrerin auf die Arbeit in den Kindergärten und in der Grundschule, zahlreiche Gottesdienste in anderer Form und viele besondere Aktionen in der Zeit der Pandemie, wie zuletzt die »Rollende Weihnacht«, zurück.

Nun also der Wechsel auf den Wirberg, wo die 34-Jährige künftig gerne die Orte Wirberg, Reinhardshain, Beltershain, Lumda und Göbelnrod begleiten möchte. Sie freut sich, dass sie damit in direkter Nachbarschaft zu Pfarrer Christian Stiller arbeitet, mit dem sie während der Lockdown-Phasen zusammen mit den Organisten Daniel Schulz und Claudia Krug Telefon-Gottesdienste angeboten hatte.

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