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Ein Hingucker auf dem Feld

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Dieter Bremer erntet zwischen Bieber und Fellingshausen mit seinem »Mähdrescher-Oldie« ein Getreidefeld ab. Foto: Waldschmidt © Waldschmidt

Biebertal (whk). Wieder sitzt Nebenerwerbslandwirt »im Sattel« seines Mähdrescher-Oldies. Doch in dieser Ernte-Saison 2022 ist dies ein ganz besonderes Feeling. Denn der Mähdrescher der Marke »Massey-Fergusson«, Baujahr 1972, ist in diesem Jahr exakt ein halbes Jahrhundert alt. Mit seinem »Farmer-Oldie«, der in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiert, ist der einzige verbliebene Bieberer Nebenerwerbslandwirt Dieter Bremer zurzeit bei hochsommerlichen Temperaturen dabei, seine Getreidefelder unweit des Weipoltsweges zwischen Bieber und Fellingshausen abzuernten.

»Zahlreiche Fahrradfahrer und Spaziergänger halten an und fragen mich, wie alt mein Mähdrescher ist, welche Erfahrungen ich mit ihm gemacht habe, und wie es auf dem Führerstand ist, bei großer Hitze ohne Führerhaus über die Felder zu fahren«, erläutert Dieter Bremer.

Der Müller Karl Born von der Steinmühle, der zuletzt ebenfalls im Nebenerwerb die Landwirtschaft betrieb, verstarb 2005. Beide arbeiteten, gerade auch in der Erntezeit, oft zusammen. So erntete Bremer bei Karl Born die Felder mit seinem Mähdrescher ab. Bis jedoch der alte, rote Mähdrescher einsatzbereit ist, sind einige Arbeiten im Vorfeld notwendig. Denn er steht das ganze Jahr über in der Garage. Bremer muss das Erntegefährt stets selbst reparieren und auch die Wartungsarbeiten selbst durchführen, da es sonst zu teuer würde. Immer wieder gelingt es ihm, seinen Massey-Fergusson betriebsbereit zu bekommen.

Er ist Idealist mit großer Naturverbundenheit, denn ihm steht auch die arme und karge Zeit nach dem Krieg noch vor Augen, als man froh war, wenn man eine Scheibe Brot hatte. »Ich habe aber auch viel Spaß an meiner Nebenerwerbslandwirtschaft«, gesteht Bremer.

Brille, Kappe und freier Oberkörper

1970 kostete ein neuer mittlerer Mähdrescher etwa 42 000 Mark, heute müssen für einen neuen Mähdrescher weit über 200 000 Euro aufgewandt werden. Während die modernen Mähdrescher wie die »Case IiI-Klasse« mit komfortablen und klimatisierten Führerhäusern ausgestattet und computergestützt technisch auf dem neuesten Stand sind, sitzt Dieter Bremer bei den Erntearbeiten auf seinem Mähdrescher, wie in den früheren Jahren üblich. Er sitzt sozusagen im Freien und richtet den Blick direkt auf das Mähwerk und das Getreidefeld. Ausgestattet mit einer Schutzbrille, Schildkappe und auch mal freiem Oberkörper, der vom Staub der Getreidefelder bedeckt ist, erntet Bremer Bahn für Bahn des Feldes ab.

Die Sonne brennt bei blauem Himmel vor der Kulisse des Dünsberges heiß auf das reife Weizenfeld am »Weipoldtsweg« zwischen Bieber und Fellingshausen.

»Helfen uns gegenseitig«

Nach zweimaligem Umrunden des Weizenfeldes werden aus dem Körnertank des Mähdreschers über das Abfüllrohr die Körner auf den Anhänger des Rodheimer Nebenerwerbslandwirts Gerhard Platt geblasen. Er steht mit seinem Fendt-Traktor samt Getreideanhänger am Rand des Getreidefeldes bereit, um die Ernte einzufahren. »Wir als Nebenerwerbslandwirte helfen uns gegenseitig gerne und unterstützen uns«, erklären Platt und Bremer, »das ist selbstverständlich. Wir sind ein eingespieltes, gutes Team«.

Neben zwei großen Weizen-feldern im »Weipoltsweg«, erntet Dieter Bremer auch noch eines hinter dem Birkfeld bei Hof Haina ab.

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