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Ein letztes Mal »Danket dem Herrn« gesungen

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Der Kirchenchor bei seinem letzten Auftritt. Foto: Mattern © Mattern

Der Kirchenchor der evangelischen Gemeinde in Biebertal-Fellingshausen hat sich vor seiner Auflösung mit einem Auftritt im Gottesdienst verabschiedet.

Biebertal (mav). Alles ist endlich und bei manchen Dingen schmerzt das Ende. Für den Kirchenchor der evangelischen Kirchengemeinde Fellingshausen war sein Ende schon vor Corona eingeleitet, da aufgrund der Überalterung seiner Mitglieder, ihrer geringen Zahl, vor allem bei den männlichen Stimmen, keine Singfähigkeit im Sinne öffentlicher Auftritte mehr gegeben war. Nun singt und klingt im zweitgrößten Dünsbergdorf nichts mehr, nachdem bereits vor einem Jahr auch schon für den Gesangverein »Concordia« das letzte Kapitel beschlossen worden war. Ein würdevoller Abschied sollte es aber für den Kirchenchor nun doch noch sein. Den Gottesdienst hielten Pfarrerin Imogen Kasemir-Arnold und Daniel Schweizer.

Der Chor erwärmte ein letztes Mal mit extra für diesen Abschied nochmals einstudierten Liedern die Herzen der Besucher. Damit gewann auch der Satz in der Festschrift, die 1995 aus Anlass des 50-jährigen Bestehens herausgegeben worden war, erneut an Bedeutung, wo es heißt: »Der Chorgesang ist einer der Reichtümer gemeindlichen Lebens und der gottesdienstlichen Feier«. Loben und Danken gelinge oftmals in gesungener Form besser, sagte Kasemir-Arnold und ergänzte, dass durch Musik ein anderer Zugang zu den Dingen ermöglicht werde.

Trotz aller Traurigkeit gelte es in Dankbarkeit zurückzublicken auf 75 Jahre Kirchenchor, durch den das kirchliche Leben viele schöne und unvergessliche Momente erfahren durfte. Ein besonderer Dank galt Ulrich Voigt. Er leitet den Chor seit über 40 Jahren. »Sie gaben ihm Ihre Stimme«, sagte Daniel Schweizer und erinnerte an den ersten Eindruck des Chorleiters, als er seine Aufgabe in Fellingshausen begonnen hatte: Die Aufnahme sei überaus freundlich gewesen, aber schon damals bestand das Problem zu weniger Männer.

Das war auch 1945 schon so. Die traurigen Folgen des Krieges und die schwere Nachkriegszeit führten die Menschen enger zusammen. Man suchte die Gemeinschaft im Gottesdienst und in anderen kirchlichen Veranstaltungen. So entstand ein kleiner Frauenchor. Ellen Crombach übernahm die Leitung und am Heiligen Abend 1945 sang der Chor erstmals von der Empore das Lied »Ehre sei Gott in der Höhe«. Die Kirchengemeinde war erfreut über den neuen Klangkörper, stärkte er doch mit seinen Liedern, neben dem Gotteswort, die Familien, denen zur Trauerfeier ihrer im Krieg gefallenen Angehörigen gesungen wurde. Später dann Oster- und Pfingstgottesdienste auf dem Dünsberg, ökumenische Gottesdienste, Brunnenfeste, Totensonntage, Advent und Weihnachten - die Auftritte des Kirchenchores gehörten einfach dazu.

»Danket dem Herrn«, Laudate Dominum« und »Segne und behüte«: So verabschiedete sich der Kirchenchor nun endgültig, nicht jedoch, ohne ein letztes Mal mit der Gemeinde auch den Kanon »Mache Dich auf und werde Licht« gemeinsam zu singen. Den Gottesdienst begleitete Bernd Wiesner an der Orgel.

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