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»Es geht um konstruktive Lösungen«

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Patricia Ortmann weist die Kritik der Interessengemeinschaft Zukunft Fellingshausen von sich und steht für Gespräche zur Verfügung. Archivfoto: Friese © Katrina Friese

Biebertal (lth). Bürgermeister Patricia Ortmann (parteilos) hat die Kritik der Interessengemeinschaft Zukunft Fellingshausen (IGZF) am geplanten Baugebiet »Dreispitz III« in dem Ortsteil zurückgewiesen. Sie sei alles andere als ignorant und stehe selbstverständlich für Gespräche zur Verfügung.

In der Gemeindevertretersitzung von September 2019 wurde die Entwicklung des Baugebietes »Dreispitz III« mehrheitlich bei drei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen beschlossen. Es wurde festgelegt, dass auf Basis eines Erschließungsvertrages ein Investor die Entwicklung der Fläche übernehmen soll. Inge Mohr, Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, begrüßte damals ein solches Vorgehen, da es die Verwaltung entlaste. Auch die SPD stand dem Projekt positiv gegenüber.

Bedarf gerät dabei in Vergessenheit

Der damalige Beschluss sei gefasst worden, um barrierefreien und bezahlbaren Wohnraum, den man in Biebertal dringend brauche, zu bekommen. Dies gerate aktuell bei der Debatte völlig in Vergessenheit, erklärte Ortmann im Gespräch mit dem Anzeiger. Sie habe das Gefühl, dass in Fellingshausen »einige wenige Bürger Stimmung machen, um ihre Einzelinteressen, nämlich einen Weg durchzusetzen, um die Hecke am Gartenzaun von allen Seiten schneiden zu können und um mehrgeschossigen Wohnungsbau zu verhindern.« Vor dem Parlamentsbeschluss sei das Thema in zwei Sitzungen des Bauausschusses vorgestellt worden, betonte die Bürgermeisterin.

Die Anforderungen für Wohnungsbau hätten sich nunmal gewandelt. So finde man auch in anderen Ortsteilen dreigeschossige Wohnhäuser. »Wir sprechen hierbei mittlerweile von standardisierten Mehrfamilienhäusern«, erklärte Ortmann. »Dreispitz III« komme der demografischen Entwicklung, die auch in Biebertal nicht Halt mache, nach. »Durch barrierefreien Wohnraum werden Anreize für die ältere Bevölkerung geschaffen, die aktuell teils alleine oder zu zweit in großen Häusern wohnt, weil die eigenen Kinder schon lange ausgezogen sind. Diese Häuser könnten dann wiederum durch junge Familien erworben werden«.

Verwunderung über Nicht-Einladung

Die Rathauschefin wundert sich darüber, warum sie von der IGZF nicht zu der Runde am Montagabend eingeladen worden sei. Davon unabhängig habe sie die Entwurfsplanung in Fellingshausen in einer Sitzung des Ortsbeirates vor der Offenlegung selbst vorgestellt. Außerdem habe sie zugesagt, dass es eine Infoveranstaltung geben werde, sobald die Verkehrszählung im Hohlgarten abgeschlossen und die Ergebnisse in das (sehr wohl existierende) Verkehrskonzept mit eingearbeitet wurden. Deshalb habe sie auch noch nicht auf den Brief der IGZF reagiert, da es derzeit keine neuen Informationen gebe.

Dass sie den Brief den Gemeindevorstandsmitgliedern vorenthalten habe, dementierte Ortmann ebenfalls. »Mir geht es um die sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema und konstruktive Lösungen.« Sie stehe für Transparenz und halte keinesfalls die Speerspitze für einen Investor. »Ich stehe nicht in Brot und Lohn der Firma Weimer, sondern bei der Gemeinde Biebertal.«

Thema im nächsten Bauausschuss

Dass am Ende nicht alle Bürger, die dieses Thema betrifft, zufrieden sind, das sei ihr auch bewusst. »Ich bin aber keine Schönwetter-Bürgermeisterin, die sich von den Eigeninteressen einiger weniger treiben lässt. Es gilt, Angebote für die Gesamtbedarfe der Gemeinde Biebertal zu schaffen und genau darauf zielt der Beschluss der Gemeindevertretung von 2019 ab.«

Sie stelle sich bei den Aussagen einiger die Frage, ob diejenigen, die sich jetzt so massiv äußern und dagegen »schießen«, sich in gleicher Weise engagieren würden, wenn das Baugebiet an anderer Stelle in Biebertal angesiedelt würde. »Ganz sicher steht es auch jedem frei, sich politisch zu engagieren und es ›besser zu machen‹ - aber dann gilt es eben, für das gesamte Interesse Biebertals zu handeln«, gibt die Bürgermeisterin an.

Das Thema »Dreispitz-Erweiterung« steht in der Bauausschusssitzung nach der Sommerpause am Dienstag, 27. September, auf der Tagesordnung. Bis dahin hofft Ortmann, dass die Ergebnisse der Verkehrszählung im Hohlgarten vorliegen.

In unserem gestrigen Bericht hatten wir geschrieben, dass die Bürgermeisterin für eine Stellungnahme nicht zu erreichen gewesen sei. Dies war aber nicht die Schuld von Patricia Ortmann, sondern lag an einem Zahlendreher in der Telefonnummer.

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