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Heimatgeschichte in Bewegtbild und Ton

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Nach dem Buch nun die DVD: Gerhard Augst gibt mit seiner Idee dem Fellingshäuser Platt ein Gesicht. Foto: Mattern © Mattern

Der digitale Träger »Fellingshäuser Platt«lehnt sich an das gleichnamige Buch von Prof. Gerhard Augst an, welches 2021 von der Gemeinde Biebertal herausgegeben wurde.

Biebertal (mav). »Fellingshäuser Platt« gibt es nun auch auf DVD. Der digitale Träger lehnt sich an das gleichnamige Buch von Prof. Gerhard Augst an, welches 2021 von der Gemeinde Biebertal herausgegeben wurde. Es fand großen Anklang und reißenden Absatz und schon damals stand für die Mitwirkenden fest: Es wird auch eine DVD zum Thema geben.

Mit Kamera durch das Dorf gezogen

Nun hat Gerhard Augst mit Wolfgang Gerlach einen versierten Mitstreiter gefunden, der vor allem maßgeblich dabei unterstützte, die Idee technisch umzusetzen. Die beiden waren in den vergangenen Monaten im Dorf unterwegs mit Manuskript, Kamera und Mikrofon, um jene Menschen zu besuchen, die bereits mit ihren Geschichten, Gedichten und Anekdoten das Buch mit Leben füllten.

Dialektunterschiede bei geringer Distanz

»Der Dialekt ist eine gesprochene Sprache«, sagte Gerhard Augst. Der 83-jährige Sprachwissenschaftler lebt seit 1972 in Fellingshausen. Wolfgang Gerlach ist 67 Jahre alt, stammt aus Frankenbach, also gebürtig »um die Ecke«. Aber selbst die Distanz von nur fünf Kilometer zwischen den beiden Dünsbergdörfern hat schon Unterschiede aufzuweisen, was das Plattsprechen und unterschiedliche Wortfindungen für ein und dieselbe Sache betrifft. Die DVD umfasst im ersten Teil 25 Geschichten von sieben Fellingshäuserinnen und Fellingshäuser: Erinnerungen, meist aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs und den jüngeren Nachkriegsjahren. Weitere sechs Menschen aus dem zweitgrößten Dünsbergdorf sind im zweiten Teil mit Erzählungen und Gedichten in Fellingshäuser Platt zu hören und ebenfalls zu sehen und Teil drei beinhaltet alte Film- und Bilddokumente in Schwarz-Weiß, bei denen Sonja Gerlach Zeichnungen einer Bilderserie von Ewald Schleenbecker erläutert, Martin Waldschmidt über die Kirmes 1954 berichtet und Willi Wagner Erlebnisse eines Fußballspiels schildert.

Egerländer Dialekt ebenfalls gewürdigt

Die DVD wäre unvollständig, würde auf ihr nicht auch der Egerländer Dialekt gewürdigt, vor allem das mit ihm zusammenhängende Ereignis der Vertreibung, über das Franz Gareis berichtet, sodass ab 1946 plötzlich 800 Fellingshäuserer mit einem Dialekt konfrontiert waren, den 320 Egerländer Vertriebene sprachen: Das Egerländische.

Gerhard Augst und Wolfgang Gerlach sind im Laufe ihrer Arbeit zu einem Team zusammengewachsen und hatten bei ihrer Arbeit ebenso viel Spaß wie die zahlreichen Mitwirkenden. Von denen, so erinnert sich Gerhard Augst, waren manche während der Aufnahmen so begeistert, dass ihnen noch Geschichten in Erinnerungen kamen, die quasi als Zugabe mit aufgenommen wurden.

DVD mit Untertiteln

Man sieht zusätzlich auf der DVD die Übersetzung aller Mundarttexte ins Hochdeutsche. »Damit garantieren wir, dass alle etwas davon haben, auch die, die das Platt nicht verstehen«, sagt Wolfgang Gerlach. Es wird auch gesungen. Vom »Konrad un seij Fraa« singt eine kleine Gruppe ein Lied »off Platt«, unterstützt von Paul Renkhoff (Akkordeon) und eine Gruppe Heimatvertriebener stellt gesanglich fest, »Ejtza howa ma Haisl«, begleitet von Dieter Schmidt (Akkordeon).

Das Ziel ist es, die in Fellingshausen gesprochenen beiden Mundarten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, sodass spätere Generationen beim Ansehen und Anhören des Tonträgers sagen, »so haben unsere Eltern und Großeltern gesprochen«, ergänzt Gerhard August.

Die DVD kann während des Brunnenfestes vom 26. bis 27. August für zehn Euro käuflich erworben werden.

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