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Hochgestellte Kipper als Schutz

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Der leidenschaftliche Pfeifenraucher Horst Schmidt sprengte schon im Steinbruch Eberstein im Dünsbergsgrund. © Waldschmidt

Auf ein spannendes Berufsleben blickt Horst Schmidt aus Bieber zurück. Er arbeitete als Bergmann und Sprengmeister.

Biebertal (whk). Er war Bergmann auf der Grube Friedberg bei Fellingshausen und Sprengmeister im Steinbruch Eberstein im Dünsbergsgrund. Die Rede ist von Horst Schmidt.

Zunächst absolvierte der Bieberer die Ausbildung zum Bergmann von 1949 bis 1951 über Tage. Mit 16 Jahren arbeitete er dann unter Tage, auch zusammen mit dem Bergmann Franz Gareis aus Fellingshausen. Damals ging es noch zu Fuß oder per Fahrrad zur Grube. Diese war vor dem Ersten Weltkrieg auf, wurde geschlossen und ging 1935/36 wieder auf. Zum Transport wurde die Seilbahn bis in die Verladestelle in der verlängerten Kehlbachstraße. genutzt. Auch im Münchswald bei der Sommerlad-Hütte gab es eine Seilbahn bis nach Hermann stein.

Löcher gebohrt

Je tiefer geteuft wurde, um so schlechter wurde das Erz im Bereich der Grube Friedberg. Der Erzgehalt sank von 98 auf nur wenige Prozente. Da die Luft bei Temperaturen von 15 bis 18 Grad unter Tage oft stickig war, erkrankte er. Von 1951 bis 1956 arbeitete er bei Röchling in Wetzlar und wechselte 1957 in den Steinbruch Eberstein im Dünsbergsgrund, um an der frischen Luft arbeiten zu können. »Damals wurde noch von Hand geladen. Mit einer normalen Bohrmaschine wurden Löcher für die Sprengungen gebohrt. Mein damaliger Bruchmeister sagte zu mir als der Bohrer ausfiel ›Du kommst aus dem Bergbau, du kannst bohren und Sprengungen machen‹«, erinnert sich Horst Schmidt an seine Anfänge.

Später machte er seinen Sprengschein, absolvierte Schulungen und legte beim Koblenzer Gewerbeaufsichtsamt seine Prüfung ab. Danach wurde er als Sprengmeister für ganz Deutschland zugelassen und hatte einen Schein für »Kammersprengungen«.

Mit dem Sprengmeister, der aus Stadtallendorf kam, nahm er die erste Großbohrloch-Sprengung am Ende des Bruches Eberstein vor. Damals wurden noch mit der Pistole Sprenghülsen in die Bohrlöcher eingebracht. Bei seiner ersten Sprengung fielen die Rollläden am Forsthaus Dünsberg runter. »›Der Teufel hat die Hand im Spiel, wenn Du den Schlüssel zur Sprengung rumdrehst‹, sagte damals der Sprengmeister zu mir.«

Im Buch »Bieber - ein Ort der nie Gemeinde sein durfte« (erschienen 1997) schreibt Frank Reif: »Im März 1956 eine Firma ›Kalksteinwerk Eberstein KG‹ des Inhabers Franz Wagner die Genehmigung vom Gewerbeaufsichtsamt Limburg für ein Sprengstofflager erhielt, das aber wegen Geldmangels nicht gebaut werden konnte. Vermutlich bestand die Firma seit Ende der 1940er Jahre und ist wohl Ende 1956 in Konkurs gegangen. Ab dem 2.1.1957 pachtete die Oberhessische Kalk- und Steinindustrie GmbH, Butzbach den Bruch für 30 Jahre. Diese Firma hatte einen Betriebsführungsvertrag mit der Firma Westermann & Co. aus Aschaffenburg. Der Betrieb lief aber von Anfang an unter dem Namen ›Westermann & Co.‹. Am 6. Mai 1957 erhielt die Firma Westermann vom Gewerbeaufsichtsamt Limburg die Genehmigung zur Errichtung eines Sprengstofflagers, das dann auch gebaut wurde…« Die Firma Kliem aus Niederflorstadt transportierte sechs bis acht beladene Lastzüge pro Tag ab und brachte sie zu Papierherstellern in Aschaffenburg, zu den Farbwerken Höchst oder zur Zuckerfabrik. Kurzzeitig wurde das Zahnpasta-Werk in Kriftel beliefert. Auch die Fabriken erhielten gebrochenen Kalk. Später wurden sie vom Bruch Niederkleen beliefert, erinnert sich Horst Schmidt.

Das Abfallprodukt, Steine größer als 55 Zentimeter, wurde für den Straßenbau verwandt. Teilweise wurde mit 30 Beschäftigten in zwei Schichten im Bruch gearbeitet. Zum Transport im Steinbruch waren Loren im Einsatz, die speziellen »Robuster«, außerdem Bagger. Von Anfang an waren ein Aufenthaltsraum und eine Waage vorhanden. Mit dem Bau der Umgehungsstraße nach Königsberg, die damals von der Firma Jakob & Weigel, Herborn, gebaut wurde, entstand eine Wasserfläche am Eingang zum Waschen der Lastwagenräder. Eine Zerkleinerungsanlage wurde gebaut. In den ersten Jahren wurden 500 bis 600 Tonnen/Tag von Hand geladen. Zum Ende des Bruches waren es 1500 bis 1600 Tonnen täglich. Im Steinbruch Niederkleen, der größer war, wurden 3500 bis 4000 Tonnen geladen. Die Maschinen wurden immer größer. Später wurde per Radlader und in Niederkleen per Bagger, geladen. »Der letzte Radlader im ›Eberstein‹ hatte einen Fünf-Kubik-Meter-Löffel«, so Horst Schmidt.

Stilllegung

Der Bruch wurde wegen immer größerer Auflagen 1986 zurzeit von Bürgermeister Bechlinger stillgelegt. Schmidt war bis 1968 im »Eberstein« tätig, ging dann zum Windhof in Heuchelheim. Dann machte Reinhard Schneider ihm ein Angebot und er wechselte 1970 in den Steinbruch Niederkleen, den die Firma Westermann betrieb. Dort war er bis 1988.

Gut erinnert sich Schmidt noch an die Sprengung für die Umgehungsstraße beim ehemaligen Restaurant »Reehmühle« die heutige »Neue Wegscheide«. Dort wurde Fels gesprengt.

»Dazu wurden als Schutz für die angrenzenden Häuser die Kipper von Lastwagen hochgestellt«, so Schmidt. Und auch im kleinen Bruch auf dem Köppel beim Königsberger Wochenendgebiet sprengte er. Immer samstags.

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