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Hof Schmitte: Nach Brand werden Scheunen abgerissen

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Der Brand des Dachstuhles im Oktober 2021 hatte weitreichendere Folgen als zunächst angenommen. In dieser Woche soll mit dem Abriss der beiden betroffenen Scheunen begonnen werden. © Theis

In Folge des Brandes im vergangenen Oktober verzögern sich die Sanierungsarbeiten auf Hofgut Schmitte in Biebertal Die offizielle Eröffnung wurde von Juni auf November 2022 verschoben.

Biebertal . (lth). Das Hofgut Schmitte am südlichen Ortsrand von Rodheim-Bieber gelegen, soll - nachdem das Gelände 2018 verkauft wurde - das neue Aushängeschild der Gemeinde am Dünsberg werden. Und nicht nur für Biebertal, sondern für die ganze Region ist die »Schmitte« in Sachen Tourismuskonzept von großer Bedeutung. Auf dem rund 3500 Quadratmeter großen Areal sollen Hotellerie, Gastronomie und Raum für Events jeglicher Art entstehen. Die Eröffnung war für den Frühsommer geplant, doch der Brand zweier Scheune Ende Oktober 2021 hatte weitreichende Folgen auf den gesamten Baufortschritt, so dass die Eröffnung auf Ende November verschoben worden ist.

Die Restaurierung der 15 Häuser und Scheunen auf dem Gelände geht gut voran. Die Außenfassade des sogenannten Herrenhauses strahlt mit einem gelben Anstrich, der extra angeglichen wurde, damit das Haus den alten Charme früherer Tage beibehält. Im Inneren gehen die Trockenbauarbeiten dem Ende entgegen. In Zukunft sollen dort im Erdgeschoss das Restaurant sowie im Obergeschoss Bar- und Aufenthaltsräume Platz finden. Auf dem Vorplatz ist aktuell noch ein tiefer Graben, in dem Erdkabel verlegt werden. Im nächsten Jahr sollen dort bei schönem Wetter Gäste im großen Biergarten Getränke und Essen genießen dürfen.

Hotelbereich mit 43 Zimmern

Gegenüberliegend entsteht das Boutique-Hotel mit 43 Zimmer. »Hier muss noch entschieden werden, wie die Außenfassade gestaltet wird. Zur Wahl stehen der Fachwerkstil, in dem die angrenzenden Scheunen auch gestaltet sind, oder ein glatter Außenputz, um dem Gebäude einen schlossähnlichen Charakter zu verpassen«, erklärt der Geschäftsführer der LBI Holding GmbH & Co.KG und Mitinhaber der »Schmitte«, Dr. Wolfgang Lust, im Gespräch mit dem Anzeiger. Zudem seien noch denkmalschutzrechtliche Dinge zu klären. Der Innenbereich sei bereits wieder in den Rohbauzustand zurück versetzt worden, so dass mit der Sanierung begonnen werden kann. In der direkt angrenzenden Scheune, die von Brandschäden verschont geblieben ist, sind die Trockenarbeiten ebenfalls in vollem Gange und stehen vor dem Abschluss. Dort sollen Tagungsräume entstehen.

Schäden größer als anfangs gedacht

Im direkten Anschluss an die Tagungsräume soll in zwei Scheunen Platz für den Wellnessbereich mit Sauna und Fitnessraum geschaffen werden. Doch genau in diesem Bereich, loderten am letzten Oktobertag des vergangenen Jahres meterhohe Flammen. Der Brand im Dachstuhl war durch vorherige Schweißarbeiten ausgelöst worden. Das neu gedeckte Dach brannte komplett nieder. Noch heute ist Lust den Einsatzkräften der Feuerwehr dankbar, die ein Übergreifen auf die unmittelbar angrenzende Scheune verhinderten.

Kurz nach dem Brand wollte der Miteigentümer noch am Eröffnungsziel im Juni festhalten, doch das Feuer hatte nicht nur den gesamten Dachstuhl, sondern auch die Stützbalken des Gebäudes zerstört. Zudem wurde die Wände durch das eingesetzte Löschwasser schwer geschädigt, so dass sich Schimmelbildung nicht mehr verhindern ließ.

Noch sind die Schäden am Gebäude sichtbar. In dieser Woche soll mit dem Abriss der Brandruine begonnen werden, um danach den Wiederaufbau in Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde zu starten.

Nachdem Lust anfangs davon ausgegangen war, keine bereits getätigten Buchungen von Events wie Hochzeiten und Firmenfeiern absagen zu müssen, hat sich dies inzwischen geändert. »Die Schäden in Folge des Brandes zogen einen Rattenschwanz hinter sich her, der Auswirkungen auf das gesamte Bauvorhaben hatte«, blickt der Mitinhaber der »Schmitte« zurück.

So sollte beispielsweise der gesamte Bereich inmitten des Areals für die Verlegung von Erdkabeln und Leitungen aufgebaggert werden, doch da die beschädigten Scheunen noch abgerissen werden müssen, muss eine Schneise für den Abtransport des entstehenden Schutts bereitgehalten werden. Den durch den Brand entstandenen Gesamtschaden schätzt Lust auf rund eine bis eineinhalb Millionen Euro bei Gesamtkosten für die Umbaumaßnahmen im höheren einstelligen Millionenbereich. Buchungen für den Sommer mussten storniert werden. Und das obwohl die Bachscheune, die Platz für Festlichkeiten jeder Art bietet, zum größten Teil fertiggestellt ist. Hier kann sowohl im Gebäude selbst als auch im gläsernen Anbau gefeiert werden.

Für den neuen Eröffnungstermin im November können aktuell Reservierungsanfragen gestellt werden. Einige lägen bereits vor, wie Lust erläutert. Er kann sich gut vorstellen, die Eröffnungsfeier im vorweihnachtliche Ambiente zu gestalten. »Ein kleiner Weihnachtsmarkt oder ähnliches ließe sich gut auf dem Vorplatz veranstalten.«

Die zumindest von der Außenfassade bereits sanierten Gebäude lassen ein wunderschönes Hofensemble erahnen. Wenn alles fertiggestellt sein ist, wird die »Schmitte« nicht nur für Biebertal ein riesiger Gewinn sein. Dadurch, dass der alte Charme, die Historie und Tradition bewahrt und durch moderne Elemente ergänzt wurden, wird das Hofgut in Zukunft für Einheimische, Reisende, Genießer, Businessmänner und -frauen sowie Sportlern ein begehrtes Ausflugziel werden. Darin sind sich, trotz aller unvorhersehbaren Hindernisse, die den Bau verzögerten, alle am Projekt Beteiligten sicher.

Hofgut Schmitte gilt als Kulturdenkmal und steht unter Denkmalschutz. Erstmals wurde es 1412 als Waldschmiede im Besitz des Hauses Gleiberg erwähnt. 1550 wurde aus der Schmiede eine Mahlmühle, die über 400 Jahre in Betrieb war und in der erst 1955 die Arbeit eingestellt wurde. 2007 starb die letzte adlige Bewohnerin und Eigentümerin der »Schmitte«, Dr. Freifrau Dorothea van der Hoop, deren erklärter Wunsch es war, das Hofgut zu erhalten. Doch die Biebertaler Kommunalpolitik schlug 2008 mit knapper Mehrheit das Erbe aus. Die finanziellen Risiken schienen einfach zu groß. Im Mai 2019 hatte eine aus der Kling-Gruppe in Karben, Dr. Wolfgang Lust, Geschäftsführer der LBI Holding Gießen, und der Büchner Barella Holding GmbH & Co. KG mit Hauptsitz in Gießen bestehende Investorengemeinschaft die geplante Umwandlung der Schmitte in ein Boutique-Hotel mit Ferienwohnungen und Veranstaltungsräumen bekannt gegeben. (lth)

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Das Herzstück der »Schmitte« soll zukünftig der Bereich in und um das Herrenhaus sein. Hier entsteht ein Restaurant mit großem Biergarten. © Theis

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