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Hoffen auf zuverlässige Bleibe

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Die Diskussion um die Nutzung des Feuerwehrgerätehauses in Fellingshausen läuft auf Hochtouren. Foto: Mattern © Mattern

Für das Feuerwehrgerätehaus Fellingshausen wurde der Grundstein für ein Nutzungskonzept gelegt.

Biebertal (mav). Im zweitgrößten Dünsbergdorf begehrt man auf. Dort, wo einst die Kelten siedelten und kriegerische Auseinandersetzungen mit den Römern austrugen, geben sich die Fellingshäuser kämpferisch. Nicht nur die »BI Dreispitz III« macht mobil gegen die geplante Erweiterung des Neubaugebietes (wir berichteten). Nun könnte auch das Feuerwehrgerätehaus - das diesen Namen nicht mehr verdient, wenn spätestens zum Herbst nächsten Jahres, so die korrigierten Zeitpläne, der neue Stützpunkt Mitte in Rodheim in Betrieb geht - zum Zankapfel werden. Soweit will es die Vereinsgemeinschaft Fellingshausen aber nicht kommen lassen.

Bei einer Sondersitzung wurde in einer Art Brainstorming der Grundstein für ein zukünftiges Nutzungskonzept gelegt. Unter Vorsitz von Steffen Balser ging es darum, stichhaltige und nachvollziehbare Argumente dafür zu finden, dass das Haus von seiner Eigentümerin, der Gemeinde, den »Füchsen« auch langfristig zur Verfügung gestellt wird.

Bereits im Vorfeld gab es Gespräche zwischen Bürgermeisterin Patricia Ortmann (parteilos) und dem Vorstand des Fördervereins der FFW Fellingshausen. Im Oktober 2020 fand eine erste Zusammenkunft statt, wo die Frage der künftigen Nutzung des Gerätehauses für den Förderverein erörtert wurde, unterrichtete Vorsitzende Katharina Muhly die Vereinsvertreter. Daraus resultierte die Zusage der Rathauschefin, einen entsprechenden Beschluss des Gemeindevorstandes herbeiführen zu wollen. Inzwischen gibt es ein Schreiben der Bürgermeisterin an den Feuerwehrverein, in dem sie bestätigt, dass der Gemeindevorstand in einer Sitzung im Oktober 2020 sich dafür ausgesprochen habe, die Nutzung des Schulungsraums des Gerätehauses durch den Feuerwehrverein auch nach Fertigstellung des neuen Stützpunktes Mitte solange zu ermöglichen, bis ein adäquater Treffpunkt für die Vereine in Fellingshausen gefunden oder geschaffen worden sei. »Vorzugsweise im Neubaugebiet« heißt es in Klammern. Einen solchen Standort inmitten eines neuen Wohngebietes, sehen die Vereinsvertreter als nicht durchsetzbar. Der Lärm und die Unruhe, die ein solches Multifunktionsgebäude mit sich brächten, zumal wenn noch Lagerräume darin untergebracht seien, werde die Nachbarn schnell auf die Barrikaden treiben, so die Prognose.

Sieht man vom TSV als dem größten Verein ab, der über ein eigenes Vereinsheim verfügt, wären andere Vereine und Gruppierungen froh, eine verlässliche Bleibe zu wissen, wo Sitzungen oder ähnliches abgehalten werden können. Auch der Natur- und Vogelschutzverein könnte sich vorstellen, die eine oder andere Aktivität im Gerätehaus auszuüben. Zudem meldeten die Burschen- und Mädchenschaft, die Altburschen, der Ortsbeirat, die Bürgerkommune und die Alte Herren der Feuerwehr Bedarfe an.

Ideenpool

Die Grundschule könnte Aktionen wie beispielsweise Spiel- und Bastelnachmittage dort veranstalten. In der Nachbarschaft des Gebäudes hat der Breitensportverein Biebertal sein Domizil und hier wolle man ebenfalls nachfragen, ob man sich zusätzliche Nutzungsräume zum vielfältigen Sportbetrieb vorstellen kann. Der Schachclub, der über Jahre in der Mehrzweckhalle seine Unterkunft hatte, wanderte nach Krofdorf-Gleiberg aus, nachdem der Landkreis das Mehrzweckgebäude für den Schulbetrieb und den »Pakt für den Nachmittag« anmietete. Das habe die Not für die Vereine insgesamt ohnehin deutlich vergrößert. Vielleicht wäre das alte Gerätehaus und vor allem die Freiflächen rundum auch eine alternative Location für den Wochenmarkt, so weitere Überlegungen.

Man hat aber nicht nur die Vereine im Blick, sondern die Dorfgemeinschaft ganz allgemein. Dazu gehört auch die Kirchengemeinde. Pfarrer Daniel Schweizer, der an der Sitzung teilnahm, zeigte sich solidarisch in der Unterstützung, sagte aber, dass mit dem Gemeindezentrum die Kirche nicht unbedingt weiteren Platzbedarf habe. Aktuell auf dem Tisch ist das Thema der Kita, denn es laufen Verhandlungen über den Kauf des Gebäudes durch die Kommune. Mitfinanziert über das Ikek-Programm, gäbe es Überlegungen der Umfunktionierung zu einem Familien- und Vereinszentrum, wusste der Pfarrer. Sollte es soweit kommen, könnte es vorübergehenden Bedarf für das Feuerwehrhaus geben, wenn während des Umbaus der Kita der Betrieb ausgelagert werden müsse.

Was den Vereinsvertretern besonders unter den Nägeln brennt, sind die dringend benötigten Lagerflächen für all das bislang dezentral gelagert Material, was beispielsweise für das Waldfest, das Brunnenfest und das Sonnwendfest gebraucht wird.

Das Feuerwehrhaus entspricht nicht mehr den energetischen Standards und ein möglicherweise nicht geringer Sanierungsaufwand müsste betrieben werden. Dies ist der Vereinsgemeinschaft klar, doch man sieht im Austausch mit der Kommune und den politisch Verantwortlichen in der Darlegung der nicht von der Hand zu weisenden Bedarfe durchaus Möglichkeiten, einen gangbaren Weg zu finden. Dafür war der Ideenpool gedacht, der nun Eingang finden soll in ein Schreiben an den Gemeindevorstand, als nächster Schritt für ein weiteres konzeptionelles Vorgehen und verbunden mit der Hoffnung, auf offene Ohren und weitere Gesprächsbereitschaft zu stoßen.

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