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Hunderte Kompositionen

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Erich Braas - einige seiner Kompositionen sind auf YouTube zu hören und wurden von einer Sopranistin unter Klavierbegleitung in einem Tonstudio eingesungen. © Mattern

Einige Werke des 91-jährigen Musikers Erich Braas aus Fellingshausen sind aufgezeichnet worden.Sie sind auf YouTube, Facebook und Co. zu hören.

Biebertal (mav). »Ein Einfall ist wie göttlicher Funke«, zitiert Erich Braas das Universalgenie, Johann Wolfgang von Goethe. Er selbst hatte in seinem Leben auch viele dieser »göttlichen Funken«. Komponieren sei seine Berufung, sagt er. Lange Zeit haderte er mit sich, war enttäuscht und nicht selten auch verbittert, weil seine Werke trotzt vieler und intensiver Bemühungen nur sehr vereinzelt und spärlich öffentlich wahrgenommen und gewürdigt wurden.

Späte Würdigung durch das Internet

»Erich Braas wird wohl das gleiche Los treffen wie viele bekannte Künstler, denen erst nach ihrem Tod die gebührende Anerkennung zukommt«, hatte Helmut Failing, Vorsitzender des Heimatvereins Rodheim, vor einigen Jahren gesagt, als der heimische Komponist im Rahmen einer Bilderausstellung im Heimatmuseum in Rodheim mit einem Portrait eine Würdigung erfuhr. Nun kam es doch etwas anders und der seit vielen Jahren in Fellingshausen lebende, gebürtige Oberfischbacher (Siegerland) musste 91 Jahre alt werden musste, bis ein Teil seiner Schaffenskraft für die Menschen hör- und erlebbar werden konnte. Einige seiner Werke sind nämlich auf YouTube, Facebook und Co. veröffentlicht.

Wie trug es sich zu? Erich Braas ist Mitglied im Frankfurter Tonkünstlerbund und so entstand die Verbindung zur Musikschule »Modus Vivendi« in Hanau. Hier zeigte man Interesse an den Noten dreier seiner neuen Liedkompositionen: »Der Stern der Gotteshuld« (Op. 62, Nr. 3), »Sternenchoral« (Op. 63, Nr. 1) und »Tröstung« (Op. 71, Nr. 1) wurden in einem Tonstudio aufgenommen. Die Sopranistin Nike Tiecke wird von Antonela Isaiu am Klavier begleitet. Mit einer Grußkarte dankt die Sängerin dem Komponisten, dass sie seine wunderbaren Kompositionen einsingen durfte, wie sie schreibt.

Das Lebenswerk von Erich Braas umfasst weitaus mehr: 120 Lieder für Sopran und Klavier, davon 40 der Lyrik und 80 der christlichen Literatur zuzuordnen. Es sind einige Hundert Kompositionen entstanden, darunter sechs Sinfonien: »Europa-Sinfonie«, »Gnade-Sinfonie«, »Melodien-Sinfonie«, die Sinfonie »Verrat am Genius« und weitere ohne Titel. Hinzu kommen der Orchester-Zyklus »Das Abendland« und deutsche Konzerte wie die Ballettmusik »Tanz ums Goldene Kalb«. Gerade bei der »Europa-Sinfonie« für Chor und Orchester, an der er lange gearbeitet hat, würde sich Erich Braas freuen, wenn durch ein Orchester dieses Werk für Flöten, Oboen, Klarinette, Fagott, Violinen, Bratsche, Cello, Kontrabass und Pauken zur Aufführung gelänge. Die Textunterlage dafür, »Ich danke Gott und freue mich«, stammt von Matthias Claudius. Erich Braas hat die Sinfonie mit 1766 Takten komponiert aus Anlass der Einigung Europas und um auf seine Art dafür zu danken, dass durch diese Einigung der Krieg in Europa dem Frieden weichen konnte. Die Realität hat inzwischen leider die Vergangenheit auf leidvolle Weise eingeholt. Erich Braas stammt aus einer musikalischen Bauernfamilie.

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