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In 40 Jahren die halbe Welt bereist

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Die Reisefüchse aus Biebertal vor der Golden Gate Bridge 2012. Repro: Mattern © Volker Mattern

Seit vier Jahrzehnten touren die »Reisefüchse« Fellingshausen durch die Welt. 1982 fiel mit dem Erwerb des Busführerscheins von Günter Rustler der Startschuss für zahlreiche Reisen.

Biebertal (mav). »Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben.« Die »Reisefüchse« Fellingshausen touren seit 40 Jahren durch die Welt. In Fellingshausen fiel der Startschuss für das seit vier Jahrzehnten andauernde Abenteuer. Dort drängte es Rosi und Günter Rustler in die Welt. Während seiner Bundeswehrzeit machte der heute 73-jährige Günter Rustler seine Fahrlehrerausbildung und erwarb in diesem Zusammenhang auch den Busführerschein. Die Grundlage für die Mobilität, die 1982 mit Busreisen innerhalb Deutschlands und ins europäische Ausland begann, war gelegt.

Keine Katalogreisen

Die Truppe bestand seinerzeit überwiegend aus den Fußballern der Altherren-Abteilung des TSV Fellingshausen und ihren Familien, zu denen auch Günter Rustler gehörte. Mit seiner Frau Rosi teilt er das Hobby, Reisen zu organisieren. Wichtig ist den beiden - und darauf sind sie stolz - dass keine der Reisen, ob anfangs im Kleinen und später im Großen, Katalogreisen waren, sondern immer individuell geplant, zusammengestellt und durchgeführt wurden.

1993 erstmals über den großen Teich

Es liegt in der Natur des Menschen, wenn etwas gut läuft, mehr zu wollen und zu wagen und so kam es, dass irgendwann die weite Welt reizte. 1993 erfolgte der Sprung über den großen Teich nach New York. Gemeinsame Sache machten Rosi und Günter Rustler von da an in den Folgejahren bis 2006 mit Folkart »Benko« Benkowitz vom Reisebüro Biebertal. 50 Teilnehmer waren es aus Fellingshauen und einige Bekannte aus anderen Dörfern. 1995 wurde ein neues Ziel ins Auge gefasst: Mexico. Innerhalb dieser sich nun etablierenden Zeiträume von jeweils zwei Jahren wurde bereits kurz nach der letzten Reise wieder angespart für die nächste. So war die finanzielle Belastung erträglich und überschaubar und während Günter Rustler für die Planung zuständig war, kümmert sich seine Frau um das Finanzielle. 1997 wurde ein Traum war: Mit dem Motorrad durch den Südwesten der USA. 48 Teilnehmer durften diesen Traum erleben, auf Harleys von San Francisco über die Traumstraße 1 und die Route 66 nach Los Angeles und Las Vegas, durch das »Tal des Todes« (Death Valley).

Zwei Jahre später wollten auch diejenigen »Reisefüchse« diesen wunderschönen Südwesten erleben, die kein Motorrad fuhren. Benko organisierte zwei Busse, 65 Teilnehmer waren dabei und nach San Francisco gönnte man sich noch eine Woche Maui auf Hawaii. Im Jahr 2000 ging es nicht nur wieder quer durch die USA auf schweren Harleys und auf den Spuren von Geronimo und Wyatt Earp, sondern zum Ende des Jahres hin zog es die »Reisefüchse« ans Ende der Welt, nach Neuseeland, mit Stopp auf Bali. Sechs Teilnehmer erkundeten das Land auf zwei Rädern, die übrigen reisten mit Bus und Benko als Reiseführer.

Bis 2003 gönnte man sich dann eine Pause, bevor Kanada und Florida angesagt waren. 2005 ging es in die Skigebiete der Sierra Nevada. 13 Meter Neuschnee waren nach der Ankunft gefallen: Ein Traum an Pulverschnee. Nach einer Woche Skifahren gönnte man sich noch eine Woche Hawaii, wo sich ein mitreisendes Pärchen das Ja-Wort gab.

2006 fuhren 31 Teilnehmer fuhren gemischt mit Mini-Vans und Motorrad. Individuelle Stopps waren möglich und man fotografierte und filmte dort, wo es grade am Schönsten schien. Es war das Jahr, in dem die Altherren-Fußballer noch mal jung wurden und eine Tour nach Las Vegas unternahmen.

2008 mit Welt-Ticket unterwegs

2008 nutzten 54 Teilnehmer das Angebot von Air Neuseeland und reisten mit einem Welt-Ticket zunächst bis Hongkong, dann weiter nach Auckland und nach 17 Tagen von Neuseeland aus in die Südsee auf die Cook-Inseln und von dort noch zu einem dreitägigen Aufenthalt nach Los Angeles.

Längst hatten sich diese hervorragend organisierten Touren im heimischen Raum und darüber hinaus rumgesprochen und 2009 kamen die Motorradfreunde aus Grünigen auf die »Reisefüchse« zu. So entstand eine bunt gemischte Gruppe aus 46 Teilnehmern, die wieder durch den Süd-Westen der USA unterwegs waren.

Zwei Jahre später stand Kanada auf dem Programm. Schwarzbären, Hirsche, Langhornschafe und Elche erwarteten die »Reisefüchse« und wieder ging es zum Abschluss auf Maui, wo es einen Heiratsantrag gab. 2012 klopfte der Motorrad-Club Nieder-Ohmen bei den Rustlers an und bat um die Ausarbeitung und Vorbereitung einer USA-Reise. Günter und Rosi Rustler waren inzwischen im Ruhestand und hatten Zeit: 47 Teilnehmer sammelten Eindrücke in den schönsten Nationalparks des Südwestens der USA. Ein Jahr später ging es nach Arizona, New Mexico und Nevada.

2015 lautete das Ziel Südafrika. »Viele hatten uns gewarnt, doch wir erlebten eine überwältigende Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen dort und wir waren begeistert von der Garten-Route und dem Krüger-Nationalpark sowie von Kapstadt als eine der schönsten Städte der Welt«, erinnert sich Günter Rustler. 2017 zog es die »Reisefüchse« wieder in die USA und diesmal in die Nordstaaten, ab Denver durch die Rocky-Mountains, Yellow-Stone, Montana, der Vulkan Sankt Hellens und ab Portland über die Traumstraße Nr. 1 von Oregon bis San Francisco. Ein Jahr darauf fuhren 24 Teilnehmer mit dem Motorrad 5300 Kilometer von Los Angeles nach Orlando Florida, durch vier Zeitzonen. Es war die letzte große Tour vor der Corona-Pandemie.

Zu all diesen Reisen waren die »Reisefüchse« nebenbei von 2004 bis 2021 mit kleineren Gruppen über zehn Mal auf der Blumeninsel Madeira, zum Wandern, Baden, oder Motorradfahren. In den 40 Jahren waren bei den 17 Fernreisen 790 Teilnehmer mit dabei - die Reisen durch Europa nicht mitgezählt. Mit den Motorrädern legte man dabei in den USA pro Trip im Durchschnitt 3500 Kilometer zurück und mit dem Flieger kamen insgesamt über 500 000 Flugkilometer zusammen.

Im Wohnzimmer der Rustlers hängt eine riesige Weltkarten an der Wand. Sie ist überzogen wie ein Spinnennetz und bunte Fäden und Stiften markieren die Orte und Wege der Ziele, die ein Reiseleben eindrucksvoll dokumentieren. Es fehlt jetzt Neuseeland, das erneut Ziel ist und zwar im nächsten Jahr. Nach Benko als exzellenten Reiseleiter und Kenner der Ziele war später für einige Jahre Reimund Kegel vom Reisebüro Hohenahr ein verlässlicher Partner für die Fernreisen.

Viel Zeit geopfert

Günter Rustler leistete in der Vorbereitung der Touren wertvolle Dienste. Er opferte viel Zeit und steckte jede Menge Energie in das Zusammenstellen von Roadbooks, programmierte zudem die Navis der Teilnehmer für die Touren vor Ort und nicht wenige der Abenteuerreisen hatte seine Frau als Sozius auf dem Motorrad gefilmt. Nach der Bearbeitung des Materials ließen sie das Erlebte mit den Teilnehmer bei Filmabenden im Gasthaus »Zur Post« Revue passieren und auch Nicht-Mitreisende waren als Gäste immer willkommen, um teilzuhaben und Eindrücke der Reisen mitzuerleben.

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