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Inhaltsstarke Vorträge finden große Resonanz

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Das Referenten-Trio: Coach und Diplom-Psychologin Kerstin Markovic, Diplom-Psychologin Uschi Hohenbild und der Arzt und Psychotherapeut Dr. Alfons Lindemann (v.l.). Foto: Waldschmidt © Waldschmidt

Drei Referenten beleuchten in der Vetzberger Mehrzweckhalle das Thema »Die Angst - Dein Freund und Helfer«.

Biebertal (whk). Ursprünglich war der Vortrag zum Themenkreis »Die Angst - Dein Feind und Helfer« im Rahmen der Kunstaustellung Kulturinitiative Biebertal vom 1. bis 3. Oktober im Rodheimer Bürgerhaus geplant. Um dem Thema breiten Raum zu geben, fand die Veranstaltung mit Diplom-Psychologin Uschi Hohenbild, dem Arzt und Psychotherapeut Dr. Alfons Lindemann und der Diplom-Psychologin und Achtsamkeits-Trainerin, Couch, Kerstin Markovic bereits jetzt in der Vetzberger Mehrzweckhalle mit gleich drei Referenten statt.

Sie beleuchteten das Thema aus drei Perspektiven. »Die Angst kann »berechtigte Angst« oder »irreale Angst«, die die Lebensgestaltung behindert, sein. »Phobie« ist die Angst vor bestimmten Objekten und Situationen. Man unterscheidet die Agoraphobie (Platzangst), Klaustrophobie (Angst vor engen Räumen), die Arachnophobie (Spinnenangst) und die Androphobie (Angst vor Männern)«, erläuterte Uschi Hohenbild. Die Angst hat aber auch positive Eigenschaften als Schutzfunktion, zeigt Grenzen (Ansporn), ermöglicht selbstbestimmte Lebensgestaltung durch Überwindung, sie schütz vor Übermut und bietet die Möglichkeit der Horizonterweiterung durch Überwindung.

Negative Eigenschaften der Angst sind die Generalisierung und die Angst vor der Angst, Angst kann lange anhalten, kann hartnäckig sein und kann sich tarnen. Hohenbild zeigte auch Wege zur Überwindung von Angst, die die Lebensgestaltung behindert auf: Das Erkennen und bewusstmachen, die Motivation (Wille), die Selbsthilfe, Selbsthilfegruppen, die Therapie als Lotsendienst und Tabletten.

Weiter gab sie Tipps und Möglichkeiten mit Ängsten umzugehen, die nicht individuell abgeschafft werden können: Dies ist die Selbstfürsorge (Begrenzung der negativen Infos, zum Beispiel Kriegsberichterstattung), Handlungen, die beruhigend wirken, konstruktive, aktive, Lebensgestaltung sowie Kreativität und Achtsamkeit.

Dr. Alfons Lindemanns Kernaussage war dann »Medikamente bieten ein hohes Suchtpotential. Besser ist es, sich in Therapie zu begeben, um die Ursachen der Angst zu beheben«. Er bezog auch immer wieder die Zuhörer in seinen Vortrag mit ein. »Körper und Seele gehören zusammen«, konstatierte Lindemann.

Er beleuchtete die Angst aus Sicht des Arztes und die Psychotherapeuten. »Der Arzt sieht eher den Körper, der Therapeut muss sich mit der unsichtbaren Seele beschäftigen.« Die Angst setzt das Stresshormon frei. Die Angst hat Flucht oder Angriff zur Folge. Dabei spannt sich die Muskulatur an, die Atmung wird schneller, das Herz schlägt schneller, der Blutdruck geht hoch und Hormone werden zur Energiegewinnung ausgeschüttet man wird nervös. Dies alles sind lebenswichtige Verhaltensweisen. Etwa 25 Prozent der Menschen erleben Angstattacken. »Der Therapeut braucht eine gute Beziehung zum Patienten und die Angst soll durch Freude abgelöst werden«, so Dr. Lindemann.

Kerstin Markovic, die auch Achtsamkeits-Trainings in Schulen durchführt, plädierte für eine Achtsamkeit, die bewusst im Moment und ohne Bewertung ist. »Das alles ist trainierbar, stellte sie fest. Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum, in diesem Raum liegt unsere Freiheit und die Wahl unserer Reaktion. In diesen Entscheidungen liegen unser Wachstum und unser Glück«, erläuterte sie. Wichtig ist: Die Selbstregulation beginnt mit der Selbstwahrnehmung. Der Mensch hat circa 6000 Gedanken pro Tag, davon sind dann in etwa fünf Prozent neu. Aber es sind mehr negative als positive Gedanken und viele wiederholen sich. - Übungen helfen auch bei Angst. »Es hilft auch ein »Dankbarkeits-Tagebuch« zu führen, um eine bewusste Focus Änderung auf die guten Dinge zu bewirken.

Sie verwies zum Ende ihres Redebeitrages auf die App der »Achtsamkeitsübungen«, die klassische progressive Muskelentspannung und die »Body-Scan-Übung« (dabei wird hingeschaut mit wohlwollendem Blick und die Achtsamkeit gegenüber den Mitmenschen) anbietet. Am Ende gab es och eine Übung, bei der die Zuhörer in sich »hineinhorchen« konnten.

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