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Mörder der kleinen Julia ist tot

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Der Mörder, der die kleine Julia im Sommer 2001 in Rodheim-Bieber tötete ist nach 20 Jahren Gefängnis in einer Wetzlarer Klinik verstorben.

Biebertal (lth). Thorsten Volk, der verurteilte Mörder der achtjährigen Julia Hose, die im Sommer 2001 in Rodheim-Bieber spurlos verschwunden war und deren Leiche später unter einen brennenden Holzstapel gefunden wurde, ist tot. Dies bestätigte der Oberstaatsanwalt und Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Wetzlar, Manuel Jung, auf Nachfrage des Anzeigers. Die Staatsanwaltschaft Wetzlar hatte hierzu das Todesermittlungsverfahren geführt. Der 54-jährige Volk verstarb bereits am 20. März. Zur Todesursache konnte Staatsanwalt Jung keine Angaben machen. Der Fall hatte damals bundesweit für Schlagzeilen gesorgt.

Am Nachmittag des 29. Juni 2001 verschwand die kleine Julia spurlos von einem Spielplatz in unmittelbarer Nähe zu ihrem Wohnhaus. Hier waren ihre Eltern zu jener Zeit mit dem Umzug in ihr neues Haus beschäftigt, sodass ihr Verschwinden zunächst unbemerkt blieb. Nachdem die Eltern ihre Tochter als vermisst gemeldet hatten, lief eine immer größer werdende Suche nach dem Mädchen. Mit Polizei, Feuerwehrleuten, Hundestaffeln und freiwilligen Helfer wurde in den Tagen nach dem Verschwinden die unmittelbare Umgebung und der größere Umkreis abgesucht. Insgesamt waren bis 1100 Helfer bei der Suchaktion im Einsatz. Die Einsatzkräfte der Polizei ließen nichts unversucht, gingen von Haus zu Haus, fragten nach verdächtig wirkenden Beobachtungen, durchsuchten Keller, Schuppen und Garagen. Sogar Steinbrüche, Stollen und Bunker wurden abgesucht. Immer in der Hoffnung, dass die kleine Julia noch lebt und möglicherweise dort hingeraten sei und verletzt sein könnte.

Bald war jedoch klar, dass es sich bei Julias Verschwinden um ein Verbrechen handeln musste. Die Polizei und vor allem ihre Eltern hofften, sie könne »nur« entführt worden sein. Doch da lag sie bereits tot im Keller ihres Mörders Thorsten Volk, der in der Nähe von jenem Spielplatz wohnte, von dem Julia aus verschwand.

Der hatte nur einen Tag nach ihrem Verschwinden im Gespräch mit einer Reporterin eines Fernsehsenders, als er nach seiner Meinung zum Vermisstenfall Julia gefragt wurde, gesagt: »Ich habe auch eine kleine Tochter. Die ist zwar jetzt erst fünf Monate alt, aber das macht einen schon nachdenklich irgendwo, macht schon Angst irgendwo«.

Nach vier Tagen wurde die Suche seitens der Polizei ohne Erfolg abgebrochen. Am fünften Tag, 4. Juli, wurde die Befürchtung von immer mehr Menschen zur traurigen Gewissheit. Feuerwehrleute, die in der Nacht zu einem brennenden Holzstapel im Wald bei Ilbenstadt im Wetteraukreis gerufen wurden, fanden in den Brandresten eine kleine verkohlte Leiche. Der DNA-Test bestätigte: Es war die achtjährige Julia Hose.

Bei der Suche nach dem Täter wurden von den Ermittlern auch die Bilder der Radarkameras im Umkreis des Leichenfundortes ausgewertet. Dabei stießen sie auf ein Foto eines Pkws, der im Landkreis Gießen zugelassen war. Er wurde in etwa zu dem Zeitpunkt in der Nähe des benachbarten Kaichens geblitzt, als das Feuer ausbrach. Der Fahrer des Autos war dabei deutlich zu erkennen.

Als Beamte Volk mit dem Radarfoto konfrontierten, gab dieser eine stichhaltige Begründung an. Seine Ehefrau gab ihm zudem für die Zeit des Verschwindens von Julia ein Alibi. Im Laufe der Ermittlungen kamen jedoch immer mehr Zweifel sowohl an seiner Begründung als auch am Alibi auf.

Am 6. August wollten die Kriminalbeamten den Tatverdächtigen mit ihren neuen Erkenntnissen konfrontieren und in Folge dessen eine Hausdurchsuchung durchführen. Doch dazu sollte es nicht kommen. Denn an jenem Tag gab es im Keller des Gebäudes eine Explosion, bei der Volk schwerste Brandverletzungen am gesamten Körper erlitt, die ihn für den Rest seines Lebens zeichneten. Es stellte sich heraus, dass er im Keller Beweise vernichten wollte und dabei Benzin verwendete. Es kam zu einer Verpuffung. Die Polizei fand dort eine belastende Blutspur des Mädchens.

Beschuldigter stritt alle Vorwürfe ab

Nachdem am 20. August Haftbefehl gegen Volk erlassen wurde, wurde am 20. März 2002 Anklage gegen ihn erhoben. Am 6. November begann vor dem Landgericht Gießen der Prozess. Der zur Tatzeit 33-jährige Biebertaler stritt alle Vorwürfe ab und machte selbst keine weiteren Angaben. Aufgrund der Beweislast gegen ihn wurde er am 20. Mai 2003 zu lebenslanger Haft verurteilt. Bis zuletzt saß er diese im Butzbacher Gefängnis ab, bevor er am 20. März in einer Wetzlarer Klink starb.

In der ARD-Mediathek greift aktuell die Doku-Reihe »Crime Time« in drei Teilen den »Fall Julia« auf.

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