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»Müssen aus Komfortzone heraus«

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Um die sechzig Teilnehmer kamen zur Bürgerversammlung in Biebertal. Foto: Waldschmidt © Waldschmidt

Viele Themen streifte Biebertals Bürgermeisterin Patricia Ortmann während einer Bürgerversammlung. Das Hotel Keltentor war eines.

Biebertal (whk). Von einem defizitären Haushalt mit einem Loch von 362 000 Euro sprach Biebertals Bürgermeisterin Patricia Ortmann (parteilos) während der Bürgerversammlung am Donnerstagabend. Dennoch sind im Haushaltsplan 2023 rund acht Millionen Euro an Investitionen vorgesehen. Ab dem 1. Januar 2023 steht eine Erhöhung der Wasser-, Schmutzwasser- und Niederschlagsgebühren an.

Die Parlamentsvorsitzende Elke Lepper (FW) konnte rund 60 Bürger begrüßen. »Ihr großes Interesse zeigt, dass Ihnen wichtig ist, sich über das Geschehen in der Gemeinde zu informieren«, sagte sie.

Kinderbetreuung

Allein für 2023 werden die Aufwendungen für Kinderbetreuung, Jugend und Familie 3,6 Millionen Euro betragen. Biebertal hat inzwischen zwölf Kinderbetreuungseinrichtungen. »Die Gemeinde hat bei der Kinderbetreuung eine gute Versorgung«, so Ortmann. »In der Wald-Kita werden durch die Anschaffung eines zweiten Wagen-Domizils nunmehr 40 Kinder betreut.«

Zu den vorgestellten Schwerpunkten gehörten ferner der Themenkomplex Strom/Energie und Gasmangel, die Bauleitplanung der Gemeinde und die Gewerbegebietserweiterung in Rodheim.

Ebenfalls von ihr angesprochen wurden die Erweiterung des Baugebietes Dreispitz in Fellingshausen und die dort nicht umsetzbare »Seniorenresidenz«. Leider konnte das Projekt auf dem Gelände des ehemaligen »Hotels am Keltentor« nicht realisiert werden, da das Regierungspräsidium (RP) aufgrund der Raumstruktur und wegen der Entfernung zum Baugebiet Dreispitz eine »Zersiedelung« sieht. Zwischen beidem liegt eine bislang nicht bebaute Ackerfläche, die sich auch nicht im Gemeindebesitz befindet. Hotelgebäude und -gelände haben derweil den Eigentümer gewechselt. Laut Ortmann sind dort bereits Arbeiten im Gange, weitere Details nannte sie jedoch nicht

Die Befragung für ein Verkehrsprojekt in Biebertal und Wettenberg hat ergeben, dass eine Verbindung der Ortsteile untereinander und eine schnellere Verbindung zum Gießener Bahnhof sowie eine bessere Verbindung von und nach Wettenberg außerhalb des Schulbusverkehrs nachmittags erwünscht wird. Zudem bemüht sich die Gemeinde um einen neuen, kleineren Messverbund mit einer anderen Kommune für mehr Geschwindigkeitsmessungen.

Radwege

Im Rahmen der Förderung der Nahmobilität soll darüber hinaus der Radweg in Höhe des Rewe-Marktes in Rodheim auf die andere Straßenseite bis zur Einfahrt Kläranlage verlegt werden. Der Radweg von Krumbach nach Frankenbach hingegen werde entlang der Kreisstraße verlaufen. Zuschüsse für den Ausbau seien beantragt.

Eine Jugendumfrage zur Dorfentwicklung ergab unter anderem den Wunsch nach einem Bikepark, einem Pumptrack und einem Ausbau der Spielplätze. Schwerpunkte im Rahmen der Dorfentwicklung sind jedoch weiter das Familienzentrum in Königsberg (Eigenkosten rund 1,15 Millionen Euro) und die Mehrzweckhalle Krumbach, die nach Abriss zur Begegnungsstätte Dünsbergtal werden soll (Kosten circa 2,1 Millionen Euro).

Die Nachnutzung der Feuerwehrgerätehäuser nach einer Zentralisierung wird ebenfalls diskutiert. Im Vetzberger Gerätehaus könnte eine Kita-Erweiterung entstehen. Hier werde eine »Machbarkeitsstudie« durchgeführt, so Ortmann. Für die alte Zigarrenfabrik könnte ein Betreiberkonzept für Startups greifen. Im Rodheimer Feuerwehrhaus hingegen gibt es private Interessenten, eine Tagespflege einzurichten, aber auch das Keltenmuseum könnte einziehen. Die Dorfentwicklung ist aber auch für private Projekte nach städtebaulicher Beratung und Begleitung finanziell interessant.

Breiten Raum nahm dann das Thema »Energieeinsparung« ein. »Wir wollen die kritische Infrastruktur gut über den Winter bekommen«, betonte die Bürgermeisterin und wies auf die Vorgaben durch die Bundesenergieeinsparverordnung hin. »Wir müssen Energie sparen. Wir müssen aus der Komfortzone raus und Verbräuche reduzieren.« Die »Halbnacht-Schaltung« bei den Straßenlampen soll um zwei Stunden verlängert werden und künftig bereits um 22 Uhr beginnen.

»Wärmestube«

Die Beleuchtung der »Alten Schule« in Rodheim, des Vetzberges und des Brunnens erfolgt schon längst nicht mehr. Die Raumtemperatur in Bürgerhäusern und Mehrzweckhallen wurde auf 19 Grad, in Sporthallen auf 17 Grad abgesenkt. Die Wassertemperatur im Familienbad wurde auf 26 Grad reduziert, im Babybecken bleibt sie allerdings bei den bisherigen 30 Grad.

Die Gemeinde hat auch Notstromaggregate angeschafft. Das Bürgerhaus Frankenbach mit seiner Ölheizung soll zudem den Bürgern als »Wärmestube« zur Verfügung stehen.

Ortmann gab auch einen Ausblick auf 2023: Hier stehen unter anderem der Ausbau der Kitas, die Erneuerung der Sudetenstraße (Rodheim-Bieber), Am Berg (Fellingshausen), der Endausbau Burgblick und die Grabenstraße an. Weitere Projekte sind die Versorgungssicherheit, der Hochwasserschutz und die Radwege.

Anschließend gab es zunächst Antworten auf die Bürgerfragen, die im Vorfeld der Versammlung eingegangen waren: Hier erfuhren die Zuhörer, dass eine Nutzbarkeit der Wasserquelle im Roßgrund über ein Messprogramm geprüft wird. Zum Car-Sharing antwortete die Bürgermeisterin, dass zurzeit die Ausschreibung läuft. Die Anlage einer »Hundewiese« als Treffpunkt auch für Hundebesitzer soll im Rahmen einer Zusammenkunft Interessierter geprüft werden.

Die Fertigstellung des Feuerwehrstützpunktes Mitte und des Bauhofes verzögert sich dagegen wegen Materialproblemen. Aber der Innenausbau läuft derzeit weiter. Die Einweihung, so die Bürgermeisterin, könnte im Zeitraum Juli bis September 2023 erfolgen.

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Bürgermeisterin Patricia Ortmann. Foto: Waldschmidt © Waldschmidt

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