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Unmut über Planungsstand Luft gemacht

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Im Anschluss an die Bebauung nach Westen, unterhalb des ehemaligen Hotels »Keltentor« soll das Neubaugebiet »Dreispitz III« entstehen. © Mattern

Die Erweiterung des Baugebiets »Dreispitz« bringt Fellingshäuser Bürger auf die Palme.

Biebertal (mav). Die Erweiterung des Neubaugebiets »Dreispitz« in westlicher Richtung (»Dreispitz III«) bewegt in Fellingshausen nach wie vor die Gemüter, hier besonders die aus dem unmittelbaren Wohnumfeld, Dreispitz I und II sowie der Straßen Am Hohlgarten und Die Beu.

Gut 70 Gäste machten anlässlich der Sitzung des Ortsbeirates Fellingshausen ihrem Unmut über den Stand der Planungen gegenüber der Bürgermeisterin Luft. Die Rathauschefin sah sich zahlreichen Fragen, Anregungen, vor allem aber Kritik aus der Versammlung gegenüber. Reizthemen hier waren Verkehrsanbindung, die »überdimensionierte« Größe des Neubaugebiets an sich und vor allem auch die mehrgeschossige Bauweise in Teilen durch zweigeschossige Doppelhaushälften sowie zwei- oder auch dreigeschossige Mehrfamilienhäuser plus Staffelgeschoss mit insgesamt 85 Wohneinheiten. Dies verteilt auf sechs Komplexe im südlichen Bereich der Kreisstraße Fellingshausen-Bieber, ausgelegt als barrierefreier Wohnraum. Hinzu sollen 36 Einfamilienhäuser kommen, gegen die aber niemand etwas habe, wurde seitens der Bürger betont.

Mit täglich zusätzlichen 1463 Fahrbewegungen sei zu rechnen, wenn alle Bauplätze bebaut und alle Wohnungen bezogen seien, so ein Bürger, der sich auf wissenschaftlich gestützte Berechnungen berief. »Das ist natürlich mehr als es jetzt ist«, gab die Bürgermeisterin zu, verwies aber auf die Machbarkeitsstudie des Verkehrsgutachtens. Diese sieht eine Anbindung über die K 353, die Straße »Die Beu« als ausreichend vor.

Kein Trost, vor allem nicht für die Anlieger im Hohlgarten, die wohl das meiste davon abbekommen werden, da über den Hohlgarten schon heute gerne abgekürzt wird. Auch von den Anwohnern der jetzigen Dreispitz. Das Problem: Es ist keine andere Alternative in Sicht, die bestehende Wohnbebauung von diesem Verkehr spürbar zu entlasten. Die beste Lösung wäre eine neue Straße als Anbindung des Neubaugebiets von der K 353 aus in Richtung K 24, der Verbindung nach Rodheim, wodurch die gesamte bebaute Ortslage entlastet würde. Ohne Hessen Mobil als der zuständigen Straßenbaubehörde sei dies aber nicht machbar, so die Bürgermeisterin, die selbst mittelfristig dies nicht als realisierbar einstuft.

Es bleibt also weiterhin über eine Innerortslösung nachzudenken und da sind Einbahnstraßen, einschränkende Beschilderungen und Änderungen von Vorfahrtsberechtigungen eher stumpfe Schwerter. Ergebnis also weiterhin offen, was die Verkehrserschließung und -anbindung betrifft. Die Versammlung sah das Pferd von hinten aufgezäumt, und Fragen kamen auf, wieso ein Ort wie Fellingshausen als Vorhaltegebiet für den westlichen Landkreis herhalten müsse, mit einem Zuzug von zu erwarteten 500 Neubürgern, ohne dass es ein vernünftiges Verkehrskonzept gebe, von der offenen Frage der ÖPNV-Anbindung ganz zu schweigen. Der erste städtebauliche Entwurf wurde im November im Bau- und Infrastrukturausschuss behandelt und dort bereits artikulierte Vorschläge und Kritiken in dem nun neuerlichen Planentwurf berücksichtigt. Die Planungen spiegelten den Wunsch und Beschluss der Gemeindevertretung wieder, jungen Familien die Möglichkeit zu geben, ihr Eigenheim zu bauen, sozialverträglichen Wohnraum zu schaffen mit bezahlbaren Mieten in barrierefreier Bauweise und dies alles ökologisch ausgerichtet und unter Berücksichtigung moderner, städtebaulicher Aspekte.

Das sahen die Anwesenden anders. Selbst die nun beabsichtigte Verlagerung der mehrgeschossigen Bauten in westlicher Richtung täusche nicht über das Bild hinweg, wenn man beispielsweise von Bieber kommend am Ortseingang »auf Türme blicke«. Ortsbildprägend gehe anders, hieß es.

Die Bürgermeisterin verteidigte die Planungen und verwies auf die Daseinsvorsorge durch die Kommune. Der demografische Wandel erfordere unter anderem, einer immer älter werdenden Bevölkerung durch bezahlbaren und barrierefreien Wohnraum die Möglichkeit zu bieten, dort ihren Lebensabend zu verbringen, wo über Jahrzehnte auch das Zuhause war. Der Bau in die Höhe sei eben dieser Forderung nach sozial verträglichem, barrierefreiem Wohnraum geschuldet, besonders wenn es gilt, Flächenfraß zu vermeiden.

Wie geht es weiter: Der Bebauungsplan wird zurzeit den Trägern öffentlicher Belange vorgelegt, geht danach in die Gremien zur Beschlussfassung und dann folgt die Offenlegung.

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