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»Veraltetes Bild im Kopf«

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Daniel Peller - ein Fellingshäuser »Fuchs« - hat ein Buch über »Die Weisheit der Füchse« geschrieben. Foto: Mattern © Mattern

Der Fellingshäuser Daniel Peller ist Autor des Buches »Die Weisheit der Füchse«.

Biebertal (mav). Das präsenteste Wildtier im zweitgrößten der Dünsbergdörfer ist der Fuchs - und zwar in vielerlei Hinsicht. Die Fellingshäuser werden ja gemeinhin als die »Füchse« bezeichnet und sind auch nicht böse über diesen Vergleich. Im Gegenteil: Die Kita und die Grundschule tragen den Fuchs in ihrem Namen, ebenso stand er bei der Burschen- und Mädchenschaft sowie bei der Altburschenschaft Pate. Selbst das Fellingshäuser Wappen ziert er.

Soziale Tiere

Nun hat sich endlich ein waschechter »Fellingshäuser Fuchs« intensiv mit dem Tier beschäftigt und ein Buch geschrieben, das bezeichnenderweise den Namen »Die Weisheit der Füchse« trägt. Daniel Peller befasst sich seit über zwei Jahrzehnten mit dem Vierbeiner auf leisen Pfoten, mit rotem Fell, spitzer Schnauze und buschigem Schwanz. Er gründete vor fünf Jahren die »Fuchs-Hilfe« und machte damit Fellingshausen zum Zentrum eines bundesweiten Netzwerks von fuchskundigen Wildtierstationen, Tierärzten und Beratungsstellen, die Fragen zum Thema Füchse beantworten, Lösungen bei Konflikten zwischen Mensch und Tier sowie Hilfe für in Not geratene Füchse anbieten. Die Tiere erfreuen sich einer großen Beliebtheit, nicht nur am Wohnort des Autors, wie er recherchiert hat. Sie beschäftigen den Menschen schon seit tausenden von Jahren und sind heute als liebenswerte Helden in Kinderbüchern oder Kinofilmen, als beliebtes Motiv für Kinderbekleidung, als schlaues Werbemaskottchen und in Volks- und Kinderliedern allgegenwärtig, freut sich Daniel Peller. »Doch wenn es um echte Füchse geht, haben manche Menschen leider immer noch ein veraltetes Bild im Kopf«, bedauert er und möchte ein wenig aufräumen mit falschen Vorstellungen. Lange Zeit galt der Fuchs als Einzelgänger. Die moderne Forschung widerlegt dies und konnte zahlreiche faszinierende und bemerkenswerte Erkenntnisse gewinnen: Füchse sind soziale Tiere mit einem facettenreichen Familienleben. Als eifrige Mäusejäger leisten sie der Land- und Forstwirtschaft wertvolle Dienste. Dadurch, dass sie kranke Tiere reißen und Aas vertilgen, halten sie die Bestände ihrer Beutetiere gesund und machen sich in der Natur als »Gesundheitspolizisten« verdient. »Studien zeigen sogar, dass sie uns Menschen vor der Lyme-Borreliose schützen können«, berichtet Daniel Peller. »Die Mäusepopulation ist das Hauptreservoir für die Borreliose-Erreger, Mäusejäger wie Füchse helfen dabei, deren Verbreitung einzudämmen.« Die Tollwut bei Füchsen ist dagegen in Deutschland dank erfolgreicher Impfkampagnen schon seit über 16 Jahren kein Thema mehr. Auch Elli Radinger, die bekannte Wolfsexpertin aus Wetzlar, hat dazu beigetragen, dass den kleineren Verwandten der Wölfe nun ein Buch gewidmet wurde. Als ihr Verlag nach ihrem Bestseller »Die Weisheit der Wölfe« nach Autoren für ein Fuchsbuch suchte, stellte sie den Kontakt zu Dag Frommhold her.

Professionelle Fotos

Der Fuchskenner und Autor hat sich seit seiner Kindheit mit Füchsen befasst und im »Aktionsbündnis Fuchs« mit Peller zusammengearbeitet. So nutzten die beiden nun die Gelegenheit, das moderne Bild des Fuchses gemeinsam in ihrem 400seitigen Werk auch auf unterhaltsame und zugängliche Weise zu vermitteln. Wie vertraut ihnen diese faszinierenden Tiere sind, spürt man in jeder Zeile. Die Leserinnen und Leser gewinnen erstaunliche Einblicke in die Welt dieser Tiere. Nicht eine Seite ist langweilig oder langatmig. Dafür sorgt auch die ausgewogene Mischung aus Text und zahlreichen professionellen Fotos, von denen Daniel Peller einige bei seinen Beobachtungen in unzähligen Stunden selbst aufgenommen hat. Spannende Anekdoten und verblüffende Erkenntnisse aus der Forschung geben erstaunliche Einblicke in das Fuchsleben, das die beiden Autoren akribisch und mit detektivischem Eifer für interessierte Menschen offengelegt haben. Dabei finden sich Antworten auf viele Fragen, wie etwa, warum Füchse Beutesprünge bevorzugt in nordöstlicher Richtung machen, oder warum sie immer häufiger auch in Städten anzutreffen sind. Im Buch geht es außerdem darum aufzuzeigen, was der Mensch vom Fuchs lernen kann. Stichworte wie »Anpassung« und »Flexibilität« spielen dabei eine Rolle. Faszinierend ist auch, wie Meister Reinecke Widrigkeiten und Rückschläge meistert, ohne dabei zu versäumen, das Leben zu genießen. Diese Berichte aus dem Leben der Füchse sind immer auch kleine Leitfäden für den Alltag des Lesers. Mit Köpfchen statt Aggression sind Füchse über die Jahrhunderte zu den erfolgreichsten Landbeutegreifern auf unserer Erde geworden, allen Nachstellungen durch den Menschen zum Trotz, weiß Daniel Peller zu berichten.

»Die Weisheit der Füchse« ist ein spannendes Leseerlebnis, gerade jetzt in der ungemütlichen Jahreszeit, wenn »die Füchse wieder Kaffee kochen«, wie es heißt, wenn Dunst- und Nebelschwaden aus dem Dünsbergwald aufsteigen. Den Autoren ist es auf hervorragende Weise gelungen, nicht nur mit Intelligenz, Witz und Gefühl viel Wissen zu vermitteln, sondern immer wieder auch die Brücke zum menschlichen Alltag zu schlagen. Wer »Die Weisheit der Füchse« liest, erfährt daher nicht nur eine Menge über Füchse, sondern womöglich auch über sich selbst. Das Buch ist im Ludwig Verlag erschienen, kostet 22 Euro und ist ab sofort überall im Buchhandel erhältlich.

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