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Vor 77 Jahren fielen die Bomben

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Der bereits verstorbene Rodheimer Künstler Reinhold Kerl malte 2015 eine Szene des Bombenangriffes auf Bieber im Waldweg. © Waldschmidt

Der Bombenangriff auf Bieber am 14. März 1945 erhält angesichts des Ukraine-Krieges eine besondere Bedeutung. Helmut Failing vom Heimatverein hat den Luftangriff damals miterlebt.

Biebertal (whk). Gerade vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges erhält der 77. Jahrestag des Bombenangriffes auf Bieber eine besondere Bedeutung und ist eine Mahnung zum Frieden. Verbunden damit ist die Hoffnung, dass es auch in Bieber niemals mehr Krieg, Tod und Vernichtung geben möge.

Flagge für den Frieden zeigen

Der Heimatverein Rodheim-Bieber mit seinem Vorsitzenden Helmut Failing erinnert an den dunkelsten Tag der Bieberer Historie. »Es gilt, gerade in der Gegenwart, Flagge für den Frieden und ein friedliches Zusammenleben zu zeigen«, so Helmut Failing, der den Bombenangriff als einer der letzten Zeitzeugen noch selbst miterlebte. Zur Rückschau auf die Ereignisse vom 14. März 1945 erläuterte Failing: »Wir wollen an den schrecklichen Luftangriff am 14. März vor 77 Jahren erinnern und gleichzeitig mahnen, das heißt alles zu tun, damit sich solche schlimmen Ereignisse nicht wiederholen. Der jüdische Publizist Elie Wiesel sagte einmal: Es gibt nur einen Weg, mit dem Unvorstellbaren umzugehen, wir müssen uns und alle anderen wieder und wieder daran erinnern. Und dies wollen wir an diesem Tag des Gedenkens tun.«

Bei herrlichem Frühlingswetter wurde Bieber damals bombardiert. Insgesamt waren sieben Todesopfer zu beklagen, davon waren drei aus Bieber, eins von Hof Haina, zwei aus Gießen und eins aus Bersrod. Da es noch keine Leichenhalle gab, wurden die Opfer in dem Feuerwehrgerätehaus Bieber neben der heutigen Kirche aufgebahrt.

Volker Götz wurde nur zwei Jahre alt. Beim Bombenangriff fiel eine Brandbombe direkt auf das schlafende Kind, jede Hilfe kam zu spät. Willi Thomé wurde 23 Jahre alt. Als Kriegsversehrter arbeitete er in einem Außenbüro einer Gießener Firma im Waldweg 14 in Bieber. Dort wurde er mit seinem 26-jährigen Arbeitskollegen Hans Böcher, der aus Bersod stammte, vom Bombenangriff überrascht. Beide Männer starben in den Trümmern.

Waldtraud Gerlach, 20 Jahre alt, hatte auf dem Weg in den Nikolausstollen der Grube Abendstern, der als Luftschutzbunker diente, ihre Uhr vergessen, lief zurück in ihr Elternhaus im Waldweg 10, das direkt getroffen wurde. Auf Hof Haina waren gleich drei Tote zu beklagen: Hildegard Lenz, damals 25 Jahre alt, Irmgard Osterwald (27 Jahre alt) und ihr Sohn Wolfgang knapp zwei Jahre alt.

Dieser Tag, der 14. März 1945, mahnt. Er ist eingeschrieben in die eigene Lebensgeschichte, nicht nur der Menschen in Bieber.

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