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»Weltgeschehen belastet mich«

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Elisa Kerl gibt nach ihrem längeren Berlin-Aufenthalt nun im Gail’schen Park Einblick in ihr künstlerisches Schaffen. Foto: Waldschmidt © Waldschmidt

Die junge Biebertaler Künstlerin Elisa Kerl präsentiert ihre Werke zum Themenkreis »Überspielt« und spricht dabei auch über ihren Großvater Reinhold Kerl als Vorbild.

Biebertal (whk). Die Staffeleien im Schweizer Haus des Gail’schen Parks in Rodheim »künden« von neuen »Variationen«, von bestehenden Vorlagen, welche die junge Biebertaler Künstlerin Elisa Kerl künstlerisch um- und neu interpretiert hat. Und dies in den Techniken Aquarell und Acryl. Für die Präsentation von 16 Exponaten und einer Skulptur gab es viel Anerkennung für Elisa Kerl, deren kulturschaffendes Vorbild ihr Opa Reinhold Kerl (verstorben 2016) ist.

Er wirkte für sie auch als künstlerischer Inspirator. Dennoch hat sich Elisa Kerl über die Jahre vom Vorbild gelöst und ist eigene Wege gegangen. Diese Entwicklung wurde eindrucksvoll in der Ausstellung deutlich gemacht. Dazu wählte sie das passende Motto: »Überspielt«. So bot das charmant kulturhistorisch bedeutende Ambiente des Schweizer Hauses den passenden Rahmen für diesen zweitägigen Kunst-Event. Blickfang am Eingang war eine Bleistiftzeichnung mit dem Konterfei von Reinhold Kerl als Hommage an ihn.

Ein besonderes Anliegen von Elisa Kerl kam mit der Skulptur »Asyl« zum Tragen: »Mich belastet das Weltgeschehen, ich kann damit besser umgehen, wenn ich dies künstlerisch zum Ausdruck bringe und für andere einen Anreiz zum Nachdenken bieten kann«, sagte sie. Drei Exponate stachen im Ensemble der Kunstwerke besonderes hervor: Das Exponat mit dem Titel »GEZ noch«. Hier schuf ihr Freund Wolfgang Drepry den Hintergrund und Elisa Kerl versah das Motiv mit einer Collage. Es besteht aus Holz, Papier und Acryl. »Untrust us« hingegen überarbeitete die Künstlerin in 45 Stunden. Hier vereint sich Technik und Gra-ffiti-Stil. Leinwand, Kohle und Acryl wurden hier verwandt. Der überarbeitete Kunstdruck »NETASC« (Die Sünde) stach ebenfalls ins Auge. Papier, Bleistift, Acryl und Plastik kamen im Exponat »Berlin - nur so viel wie sein muss« zum Einsatz. Viel Beachtung fand auch ihr Kunstwerk »Liebe ist anders«, das aus Glas und Papier kreiert ist.

Vom »Opa« viel abgeschaut

Als Kind hat Elisa Kerl viel öfter einen Stift in der Hand gehalten als jetzt. Was früher eine Konstante war, ist heute ein unregelmäßiger Schub an Kreativität. Manchmal hält das ein paar Tage, manchmal nur wenige Stunden. In dieser Zeit bricht alles aus ihr heraus. »Mein Opa war der größte Künstler für mich. Jeden Tag stand er in seinem Atelier und hat mich fasziniert. Das war unsere ›Love Language‹. Er hat mir vieles beigebracht und diese Zeit war die beste gemeinsame Zeit«, konstatierte Elisa Kerl.

Gesichter faszinieren sie und so arbeitet sie daran, diese auf Papier mit Bleistift so realistisch wie möglich erscheinen zu lassen. Dies alles ging dann so, bis sie 21 wurde. »Ich wollte weg. Also zog ich nach Berlin, eine Explosion an Kunst: Galerien, Ausstellungen, ständig neue und wilde Angebote, besprühte Wände und Züge. Die schönste Ausstellung für mich: die Straßen, die Menschen«, erzählt Kerl.

Dabei sind für sie die größte Inspiration ihre Liebsten und ihre Emotionen. So ist es nicht verwunderlich, dass manchmal lustige Themen, manchmal Herzschmerz und manchmal die Traurigkeit und Wut über das Weltgeschehen subtil oder sehr präsent auf dem Papier landen.

Zum Ende der zweitägigen Präsentation stand fest: Eine vielfältig inspirierende und zum Nachdenken anregende Schau, die durch intensiv-ausdrucksstarkes künstlerisches Schaffen und auch durch die Realisation aktueller Themen auf hohem künstlerischem Niveau zum Nachdenken bestach. Eben Bilder und Dinge, die Elisa Kerl auf der Straße gefunden und überarbeitet - »überspielt« - hat.

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