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Zwei »Glücksbringer« im Museum

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Die Schornsteinfeger Nick Triesch (l.) und Lukas Kundt (r.) als Glücksbringer mit Glückspilz und Glücksschwein. Bürgermeisterin Patricia Ortmann präsentiert das vierblättrige Kleeblatt - passend zur Sonderpräsentation »Liebe, Schutz und Segen«. Foto: Waldschmidt © Waldschmidt

Es war doch noch gelungen, gleich zwei Schornsteinfeger in die Ausstellung zu holen. Sie bereicherten die Schau auf besondere Weise als »Glücksbringer«.

Biebertal (whk). Da war nicht nur Dr. Jutta Failing, Organisatorin der Sonder-Präsentation »Liebe, Schutz und Segen« im Rodheimer Heimatmuseum, begeistert: Es war doch noch gelungen, gleich zwei Schornsteinfeger in die Ausstellung zu holen. Sie bereicherten die Schau auf besondere Weise als »Glücksbringer«. Biebertals Bürgermeisterin Patricia Ortmann nutzte gleich die Chance, sich mit den »Glücksbringern« samt »Glückspilz« und »Glücksschwein« fotografieren zu lassen. Die beiden Schornsteinfeger kann man auch als »Glücksbringer« für Hochzeiten buchen.

Ursprung im Mittelalter

Schornsteinfeger sind nicht nur zum Jahreswechsel beliebte Glücksboten. Etwas Ruß und eine Berührung der goldfarbenen Knöpfe des Kaminkehrers sollen das Glück herbeirufen. Manche halten ihm sogar einen Lottoschein zum Berühren hin. Seinen Ursprung hat dieser Aberglaube im Mittelalter, als Häuser leichter und häufiger Feuer fingen als heute. Hatte der Handwerker den Schornstein gereinigt, konnte gekocht und geheizt werden und auch die Gefahr von Schornsteinbränden war verringert. Somit brachte seine wichtige Arbeit Sicherheit und damit Glück ins Haus.

Heute ist das Berufsbild weitaus umfangreicher und auch die Expertise im Bereich Energieeffizienz immer gefragter. Aber nicht nur diese besondere Ergänzung der Schau »Liebe, Schutz und Segen« stand an diesem Abend im Mittelpunkt. Schornsteinfegermeister Lukas Kundt aus Wetzlar und sein Geselle Nick Triesch standen den Besuchern Rede und Antwort zu einem aktuellen Thema in Zeiten der Energie-Krise: »Das Heizen mit Holz, den sicheren Umgang mit ihm und das schleichende Gift Kohlenmonoxid«. Die ansprechende Moderation des Abends hatte dabei Dr. Jutta Failing in bewährter Weise übernommen.

»Das Heizen mit Holz ist so alt wie die Menschheit. Schon die Kelten am Dünsberg holzten den Dünsberg ab, um sich zu wärmen und zu kochen«, erläuterte sie zu Beginn. »Der Schornstein sollte regelmäßig kontrolliert werden und ein Kohlenmonoxid-Melder dient der Sicherheit, gerade auch bei den Abgasen, die Kohlenmonoxid entstehen lassen«, riet Lukas Kundt. Die Kohlenmonoxid-Melder sind gesetzlich noch nicht vorgeschrieben. Dagegen sind die Rauchmelder gesetzlich Pflicht. Die Kohlenmonoxid-Melder können auch beim Schornsteinfeger erworben werden und kosten circa 40 Euro.

Sein Geselle Nick Triesch, der gerade die Ausbildung abgeschlossen hat, kommt aus der Jugendfeuerwehr seines Heimatortes, hat Spaß an der Arbeit des Schornsteinfegers, genießt die Arbeit an der frischen Luft und auch mal die Aussicht. Bei Feuerstätten für feste Brennstoffe wird der Kamin von oben gekehrt, bei Gas und Öl von unten. Pelletheizungen sind sehr sauber. Auch bei Edelstahl-Außenschornsteinen kann von unten gekehrt werden. Der Kamin kann auch mit Kameras untersucht werden.

Weiteres Thema war der Durchmesser der Heizungs-rohre. Bei einem früheren »Wurst-Kessel« betrug sie 120 mm, heute sind es in der Regel 150 mm. Für kleine Pellet-Öfen sind es 80er-Rohre. Auch auf das Thema »Glanz-Ruß« und Kaminbrände wurde eingegangen. Nasses Holz darf nicht benutzt werden.

Auch bei einem Kaminofen berät der Schornsteinfeger. Das Gespräch sollte unbedingt vor der Abnahme der Anlage durch ihn erfolgen. Wenn eine Anlage nicht abgenommen ist, gibt es im Schadensfall Probleme mit der Versicherung. Alte Öfen können mit einem Feinstaubfilter nachgerüstet werden. Ein neuer Ofen darf aktuell unbegrenzt betrieben werden. Bürgermeisterin Ortmann verwies auf den erhöhten Holzabsatz. Seither verkaufte die Gemeinde 300, jetzt sind es 800 Festmeter. »Die Nachfrage ist enorm gestiegen«, konstatierte sie.

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