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13 Länder, drei Berge und drei Meere in zwölf Tagen

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Der Troher Carsten Schneider mit seiner Maschine. Foto: Zylla © Zylla

Der Troher Carsten Schneider absolviert mit dem Motorrad eine 4500-Kilometer-Tour. Für 130 Kinder aus Osteuropa sollen mindestens 30 000 Euro für ihre Kitas gesammelt werden.

Buseck (zye). 4500 Kilometer in zwölf Tagen: Der Troher Carsten Schneider möchte diese weite Distanz in dieser überschaubaren Zeit auf dem Balkan auf seinem Motorrad zurücklegen. Das Ganze von Wien aus, bei teils wenig optimalen Straßenverhältnissen, bei Wind und Wetter, ohne Fremdenführer und auf einer Maschine, die der erfahrene Biker als »richtig alte Kiste« bezeichnet. Er möchte 13 Länder durchqueren, dabei drei Berge befahren und die Ufer von drei Meeren besuchen. Mit seiner ungewöhnlichen Reise leistet er einen Beitrag für einen noblen Zweck: Für 130 Kinder aus Osteuropa sollen mindestens 30 000 Euro für ihre Kitas gesammelt werden. Schneider sammelt zusammen mit dem Back Road Club Spenden für ein Kinderheim in Moldawien sowie ein weiteres in Albanien. Knapp 2000 Euro konnte er alleine als Teilnehmer der sogenannten Pothole Rodeo 2022-Rallye dafür bereits sammeln. Somit klingt seine Ambition zum einen großzügig, zum anderen auch spannend, aber eben auch nach einem nicht gerade ungefährlichen Abenteuer. Es kann schließlich viel passieren auf so einem langen Weg. Es bleibt also die Frage, warum ein Mensch so eine Reise auf sich nimmt und nicht etwa auf andere Weise Geld sammelt. Der Anzeiger hat Carsten Schneider daher besucht und genau darüber mit ihm gesprochen. Schneider weiß, dass er ein privilegiertes Leben führt. Die Pandemie hat dem Leiter des Immobilienbetriebs der Pharmaserv GmbH finanziell nicht geschadet. Der Familienvater ist sich bewusst, dass es vielen anderen Menschen da anders ergeht: »Du guckst dann abends Nachrichten und siehst, dass sich viele Länder etwa den Corona-Impfstoff gar nicht leisten können. Sie sind oft so schlecht in sozialen Bereichen organisiert, dass es selbst an Dingen für das tägliche Leben fehlt.« Hier in Trohe lebt der Facility Manager ans Wasser der Wieseck gebaut, in einem unauffälligen Haus mit Scheune. Schneider sei gut situiert und ist sich darüber bewusst, dass er dies zwar auch durch harte Arbeit erreicht hat, aber vor allem durch das »Glück der Geburt«. »Ich hatte das Glück, am richtigen Fleck geboren worden zu sein«, bekennt Schneider, schließlich wurde er in einen wohlhabenden Teil der Welt und in gute Familienverhältnisse geboren. Bildung stand ihm jederzeit offen. Er sei in der glücklichen Lage, denjenigen zu helfen, die nicht so viel Glück hatten. Immer wieder unterstütze er daher wohltätige Zwecke. Da nun das Charity Projekt Back Road Club, zusammen mit der Ora International Kinderhilfe, Kitas in armen Teilen Osteuropas unterstützen will, war Carsten Schneider begeistert von der Idee. Denn der Back Road Club bietet einen netten Nebenaspekt: Ein Abenteuer über den Balkan und damit eine Reise ins Unbekannte - abseits vom Schreibtisch.

»Ich mache das tatsächlich aus Spaß an der Freude«, sagt der leidenschaftliche Motorradfahrer. Noch dazu wollte er schon immer mal den Balkan bereisen. Jedoch nur mit dem nötigsten Gepäck. »Es geht mir hier um ein authentisches Gefühl.« Dieses ungewaschene, pure Gefühl des Pothole Rodeo 2022 kam da gerade Recht. Für eine Gebühr von 500 Euro kann man bei der Rallye an den Start gehen. Ohne Hightech-Gefährt jedoch, dafür aber mit Fahrzeugen, die auch schon mal über 30 Jahre alt sein können. Das kam Büromensch Schneider natürlich gerade Recht, um mal für einige Zeit das tägliche Hamsterrad hinter sich zu lassen. Ausbrechen aus dem Alltag und hinein in die unberührte Natur der rumänischen Karpaten, dort campen und alltägliche Gespräche mit den Menschen in diesen 13 Ländern seines Roadtrips führen. »Das Ding ist eben, wenn ich mit meinem Motorrad liegen bleibe, muss ich mich mit den Menschen vor Ort auseinandersetzen und schauen, wie ich die Reise fortsetzen kann«, nannte Schneider eine der Gefahren. Einfach mal den ADAC rufen, das wird nicht funktionieren und ist auch nicht Sinn der Rallye. Aber halb so wild: Da 3000 Teilnehmer aus ganz Europa die Strecke befahren, ist eine Gruppenbildung möglich - falls gewünscht. »Noch dazu sollen die Landstriche einigermaßen gut besiedelt sein«, hat sich Schneider sagen lassen. Auch die ein oder andere überdachte Unterkunft wird zu finden sein. Formen von Zivilisation seien also immer zum Greifen nahe, falls es mal kritisch werden sollte. Und wenn alle Stricke reißen, helfen die technischen Errungenschaften der Menschheit: »Man kann im Notfall jemanden anrufen, die anderen Teilnehmer können wir erreichen.« Durchhalten, so lange man eben kann, lautet die Devise der Fahrer. Um das Verlassen der Komfortzone geht es im Grunde. Genau so möchte es Carsten Schneider auch. Um seinen ökologischen Fußabdruck so gering wie möglich zu halten, zahlt er einen Ausgleich für seine CO2-Bilanz. Die gehe direkt an ökologisch sinnvolle Projekte.

Ab dem 9. Juli geht für Carsten Schneider der wilde Ritt los. Wer ihn bei seinem guten Zweck unterstützen möchte, kann das ab einer Spendensumme von 50 Euro für die Kinderheime.

Firmen erhalten dann sogar einen Platz auf seinem Motorrad, als kostenfreier Aufkleber des eigenen Firmenlogos. Spendenlink: https://lnkd.in/e7EYbSR7. (zye)

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