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Anfangs kamen »vornehme Damen«

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Seit Jahrzehnten dabei: Übungsleiterin Monika Volk (3. v. l.), Gründungsmitglied Anneliese Seipp (3. r.) und Reiseplanerin Gertraud Pfeiffer (r.). Foto: Wagner © Wagner

Seit 60 Jahren gibt es die Frauen-Gymnastik beim TV Gelegenheit einen Blick auf die Anfänge zu werfen.

Buseck (sil). Dass Frauen heutzutage Sport treiben, ist zumindest hierzulande nichts Ungewöhnliches. Als vor 60 Jahren Erika Spanner eine Frauengymnastik-Gruppe im Turnverein 1899 Großen-Buseck initiierte, sah dies noch ganz anders aus. Als Sportlehrerin war für sie nicht nur die sportliche Anleitung von Kindern und Jugendlichen eine Herzensangelegenheit, sondern auch erwachsene Frauen sollten eine Gelegenheit zur regelmäßigen Gymnastik mit Gleichgesinnten erhalten. Anfangs kamen nur die »vornehmen Damen«. Für diejenigen, die einen Bauernhof oder eine Feierabend-Landwirtschaft hatten, war die Feld-, Garten- und Hausarbeit schon Sport genug. Außerdem sahen es einige Ehemänner gar nicht gern, wenn die Angetraute zur Gymnastikstunde ging. Sie meinten, »das schickt sich nicht«. Andere fragten: »Gibt es nicht schon genug zu Hause zu tun?« Gut, dass sich die Zeiten geändert haben.

Schon zu der ersten Gymnastikstunde kamen 22 Frauen. Unter ihnen die damals 23-jährige Anneliese Seipp. Inzwischen ist sie das einzige Gründungsmitglied, das dienstags um 18.15 Uhr zur Frauen-Gymnastik in die TV-Halle kommt. Zusätzlich nimmt sie noch an drei weiteren wöchentlichen Bewegungsangeboten teil. Das älteste Mitglied der Gruppe ist derzeit die 91-jährige Anneliese Keil.

Nach der Geburt ihrer Kinder pausierten die Frauen. Es war ein Kommen und Gehen. Die Altersstruktur veränderte sich. Schließlich war die Gruppe so groß geworden, dass der TV im Jahr 1978 ein weiteres Gymnastikangebot für die etwas jüngeren Damen einrichtete.

Am »Ball« bleiben

Die ersten Jahre leitete die Initiatorin Erika Spanner die Frauengymnastik. Als Übungsleiterinnen folgten Margot Wagner, Ursel Suppmann und seit vielen Jahren Monika Volk. Sie ist es auch, die die Mittwochsturnstunde der »jüngeren Frauen« um 20.30 Uhr in der Sporthalle an der IGS leitet. Zum Wandel befragt, sagt Volk: »Vieles hat sich im Laufe der Zeit geändert, man muss am ›Ball‹ bleiben und sich immer fortbilden. Außerdem ist alles dynamischer geworden. Begleitend gibt es flotte Musik, zunächst von Kassetten und CDs, nun in großer Auswahl über das Handy. Häufig werden auch die Lachmuskeln trainiert«, meint Volk schmunzelnd.

Das ist das Stichwort für Gertraud Pfeiffer. Sie erinnert sich gerne an die vielen lustigen Begebenheiten bei Ausflugsfahrten, Weihnachtsfeiern und Auftritten wie etwa beim legendären Familienabend, Seniorennachmittagen und bei auswärtigen Veranstaltungen. 35 Reisen hat Pfeiffer organisiert. »Wir hatten den 70-Mann-Bus immer bis auf den letzten Platz voll besetzt mit Frauen. Teilnehmerinnen der Hocker-Gymnastik oder des 1977 etablierten Yoga fuhren mit. Häufig gab es eine Warteliste. Die Weinberge an Rhein und Mosel wurden erklommen, in Hessisch Lichtenau ging man auf Einkaufstour, besuchte Erfurt, Weimar und Heidelberg und ließ es sich am Steinhuder Meer gutgehen. Mit Beginn der Pandemie ist das zum Erliegen gekommen. Aber der Sport geht weiter!«

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