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Droht das Kartbahn-Aus?

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Andreas Gränz zeigt das Fahrerlager, das ohne Baugenehmigung erstellt wurde. © Wißner

Zwei Vorstandsmitgliedern des Oppenröder Kartvereins wird in einem anonymen Brief Untreue vorgeworfen.Und für das Fahrerlager gab es keine Baugenehmigung.

Buseck . Droht der Kartbahn Oppenrod, auf der der bekannte Rennfahrer Stefan Bellof einst in die Kurven schoss, das Aus? »Da ist nichts dran.« Andreas Gränz, der Vorsitzende des Kartvereins (KV) Oppenrod, weiß, dass intern einige der 230 Mitglieder ihn und Ulrich Würtele, den Kassierer, scharf kritisieren. Dabei geht es um viel Geld.

Die Anzeiger-Redaktion erreichte ein anonymer Brief von den sogenannten »Traditionsfreunden KV-Oppenrod«. Hier heißt es, dass der Kartverein gefährdet ist, weil fragwürdige Privatkredite mit enormen Renditen im zweistelligen Bereich für den Geber vereinbart worden seien. Der Vorsitzende und der Kassierer hätten »massiv abgezockt.« Es würden 600- bis 800000 Euro fehlen.

Das Ganze riecht nach Verleumdung, sollten sich die behaupteten Tatsachen nicht beweisen lassen; Gesetz den Fall, der oder die anonymen Verfasser würden gefunden.

Gränz betonte im Gespräch mit dem Anzeiger, dass die Anwürfe Unsinn sind, gestand allerdings ein, dass es Probleme mit der Motorsportarena gebe, deren Namensgeber Stefan Bellof ist. Diese seien immissionsschutz- sowie baurechtlicher Natur.

Dabei hatte es der neu besetzte Vorstand gut gemeint, dem auffiel, dass es bei der Umsetzung des Fahrerlagers 2015 unter anderer Führung nicht ganz rechtens zugegangen ist.

Baugenehmigung für Vorhaben fehlt

Der 7000 Quadratmeter große Parkplatz für Kartfans, bestehend aus Schotterstellplätzen und asphaltierten Zuwegen, war neben der Bahn ohne Baugenehmigung errichtet worden. Nachträglich sei im Vorstand beschlossen worden, das Ganze zu legalisieren, unterstreicht Gränz.

Im Sommer 2021 kamen dann Behördenvertreter im Pulk vorbei, vom Regierungspräsidium (RP) als Genehmigungs- und vom Kreis als Immissionsschutz-Überwachungsbehörde. Aber auch untere und obere Naturschutzämter schalteten sich ein. Das bestätigte auf Anfrage der stellvertretende RP-Pressesprecher Thorsten Haas. Es stellte sich heraus, dass im Flächennutzungsplan an der Stelle eine Grünfläche festgesetzt ist. Daher müsste jetzt dieser Plan geändert werden, bevor im Außenbereich eine Baugenehmigung erteilt werden könnte. Das brauche viel Zeit, erfuhr Gränz aus den Gesprächen.

Zudem zeigte sich, dass sich sein Verein nicht an die Vorgaben einer aus dem Jahr 1986 stammenden immissionsschutzrechtlichen Änderungsgenehmigung gehalten hatte. Es waren zudem nicht nur die Asphaltfläche, sondern auch kleinere Nebengebäude illegal errichtet worden.

Da immer mehr Hürden für die nachträgliche Legalisierung auftauchten, beriet sich der Vorstand in einer außerordentlichen Versammlung mit den Mitgliedern. Das war am vergangenen Mittwoch, am Donnerstag tauchte der anoyme Brief auf.

In einer E-Mail hatte zuvor ein RP-Vertreter geraten, den Rückbau des Fahrerlagers anzugehen. Da jetzt alle verunsichert waren, wurde von den Anwesenden beschlossen, zumindest prüfen zu lassen, ob man dem folgen müsse.

Der Vereinskassierer Ulrich Würtele stellte für die Umbauten tatsächlich ein Privatdarlehen von 200 000 Euro zur Verfügung, sagt Gränz. Vor diesem Hintergrund werden auch die Befürchtungen im anonymen Brief verständlich, dass dem Verein finanziell die Luft ausgehen könnte.

Und ein Ärger kommt selten allein. Denn schon seit Langem stört sich ein einzelner Burkhardsfeldener Haushalt massiv am Lärm der Kartfahrer. Von dieser Seite waren zuletzt Forderungen zur Geräuschminderung gestellt worden, die das Aus der Anlage bedeutet hätten. Gränz kündigt an, dass man sich jetzt streng an die bestehenden immissionsschutzrechtlichen Auflagen halten werde.

Doch auch mit dem Bestandsschutz droht Ungemach, der natürlich nur dann gilt, wenn nachträglich nichts verändert wurde. Deshalb riet die Behörde auch, eine neue Genehmigung zu beantragen, was RP-Pressesprecher Thorsten Haas bestätigte. Der Vorstand befindet sich nunmehr in einer Zwickmühle.

Der KV-Vorsitzende lobte in diesem Zusammenhang die Bemühungen um Klärung durch den ehemalige Busecker Bürgermeister Dirk Haas und die »Motorsport-affine« Landrätin Anita Schneider, die sich stark für die Belange seines Vereins eingesetzt hätten. Doch der Vorstand habe jetzt kein Fortkommen mehr in der Angelegenheit gesehen.

Mit Widerstand im eigenen Stall lebt Gränz schon länger, doch der Vorwurf der Untreue gegenüber ihm und Würtele überbordender Darlehenszinsen vereinbart zu haben, sei eine neue Eskalationsstufe.

Über Privatkredit finanziert

Vereinen wie dem KV Oppenrod würden keine Kredite von Geldinstituten gewährt. »Keine Bank der Welt finanziert etwas auf der grünen Wiese, selbst die Wi-Bank nicht, die wir einmal gefragt haben.« Daher habe der Vorstand immer, wenn es um notwendige Verbesserungen gegangen sei, Privatkredite mit Vereinsmitgliedern vereinbart. Der KV-Kassierer habe einen solchen gewährt und im Gegenzug zunächst sechs Prozent Zinsen bekommen, da er auch ein höheres Ausfallrisiko zu tragen habe.

Der Darlehensvertrag sei noch unter der alten Vereinsführung unterzeichnet worden. Er selbst habe ihn nicht unterschrieben, sei aber damals schon im Vorstand gewesen. Mittlerweile sei einvernehmlich mit dem Darlehensgeber die Verringerung des Zinses auf drei Prozent vereinbart worden. Von zweistelligen Renditen, wie im anonymen Brief behauptet, könne keine Rede sein.

Im Übrigen seien die Umsätze des Vereins so hoch, dass man solch ein Darlehen innerhalb von vier Jahren abzahlen könne. Und auch die Kosten für einen möglichen Rückbau des Fahrerlagers könnten nicht wie im Schreiben formuliert 600- bis 800 000 Euro betragen, wenn nur 250 000 Euro in die Umbauten investiert worden seien.

Der KV sei auf drei Säulen gebaut, einer sportlichen mit den Rennwettbewerben, einer ideellen aufgrund der Vereinsgemeinschaft und als dritter den Einnahmen aus dem Kartverleih. Allerdings konnte im vergangenen Jahr der Leihbetrieb wegen interner Unstimmigkeiten nicht aufrecht erhalten werden.

Der Kartverein wurde 1965 gegründet und ein Jahr später die Kartbahn eröffnet, die 1976 eine große Erweiterung erfuhr. Das Kart ist ein einsitziges offenes Sportfahrzeug, das bis zu 75 Stundenkilometer schnell ist.

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Zum Aufnahmezeitpunkt des Fotos 2016 war das Fahrerlager der Kartbahn noch weitestgehend grüne Wiese (im Foto in der Mitte oben, drei perspektivisch schräge Asphaltstreifen). Archivfoto: Hesse © Red

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