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Familie Montermann zieht an einem Strang

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Ein starkes Team: Diakon Rudolf Montermann mit Tochter Lea und Ehefrau Annette. Foto: Wagner © Wagner

Ohne die ausdrückliche Zustimmung der Ehefrauen ist grundsätzlich keine Diakonweihe möglich. Darüber und mehr erzählt Rudolf Montermann.

Buseck (sil). Wie wird man eigentlich Diakon? Welche Voraussetzungen sind mitzubringen? Antworten hierauf gibt Rudolf Montermann, der kürzlich in der katholischen Pfarrei von Sankt Marien 25-jähriges Dienstjubiläum feiern konnte (Der Anzeiger berichtete). Und diese überraschen.

Für die Weiterbildung zum Diakon kommen einerseits nur ledige Männer ab 25 Jahre in Frage, die sich dem Zölibat verpflichten, oder Verheiratete ab 35 Jahren, die Erfahrungen in Familie und Beruf mitbringen.

Montermann hat zunächst zehn Jahre als Vermessungsingenieur gearbeitet. Ein Umweg, der aber enorm bereichernd war, wie er selbst sagt. Nach einem Fernstudium in Theologie in Würzburg wurde die Ausbildung im Mainzer Priesterseminar fortgesetzt, wo auch die religionspädagogische Ausbildung zusammen mit dem jetzigen Weihbischof Dr. Udo Bentz stattfand.

Vor der Weihe stellte der damalige Bischof Karl Lehmann die alles entscheidende Frage. Diese richtete er nicht etwa an Montermann selbst, sondern an dessen Ehefrau Annette. Ohne die ausdrückliche Zustimmung der Ehefrauen ist grundsätzlich keine Diakonweihe möglich.

Der erhoffte Einsatzort wäre im Bistum Trier gewesen, der Heimat von Montermann. Doch der spätere Kardinal Lehmann bestimmte: »Sie haben bei uns gelernt und fangen deshalb auch im Bistum Mainz an.« Also dann: Pfarrei Sankt Marien in Buseck. Montermanns erster Eindruck: »So ein großes Dorf und so eine kleine Kirche.« Schnell lernte er es zu schätzen, dass sowohl Pfarrer Schneider wie später auch Puckel, Adam und nun Szafera ihm die Freiheit lassen, sich in viele Arbeitsfelder einzubringen.

Weiterer Vorteil: Nicht wie üblich ein Büro im Pfarrhaus, sondern im Franziskushaus. »So konnte ich jederzeit im Büro arbeiten, ohne den Pfarrer zu stören«, sagt Montermann.

Im eigenen Haus war dies mit drei Kindern zu eng und manchmal auch zu laut. Inzwischen ist es bei Montermanns ruhiger geworden. Der 29-jährige Sohn Raphael studiert in Berlin und die 23-jährige Tochter Maria in Lissabon. Die jüngste Tochter Lea (17 Jahre alt) besucht die Oberstufe der Ostschule Gießen.

Nie Einzelperson

Schule ist ein gutes Stichwort. Wie war es für sie, wenn der Vater als Religionslehrer in ihre Schule kam? »Cool«, sagt sie. Echt? - »Ja, und auch meine Geschwister haben das so empfunden«, gibt sich Lea überzeugt.

Der Rückhalt für den konfessionellen Religionsunterricht wird immer geringer. Früher war der Diakon in fünf Grundschulen tätig, jetzt sind es nur noch zwei (Goetheschule Großen-Buseck und Kirschbergschule Reiskirchen). Der Wegfall der Präsenz in den Schulen hat Auswirkungen auf die Anzahl der Pfadfinder und Messdiener.

»Außerdem haben früher unsere Kinder viele ihrer Freunde mitgezogen.« Alle drei sind von Geburt an in die Glaubensgemeinschaft hineingewachsen. Sie waren Messdiener, Pfadfinder, Sternsinger und Begleiter dieser Aktion.

Annette Montermann ist Förderschullehrerin. Schon zuvor in Mainz war sie in einem Eine-Welt-Laden tätig, in Sankt Marien engagiert sie sich hier ebenfalls ehrenamtlich sowie in der öffentlich-katholischen Bücherei, bei den Sternsingern und als Katechetin in der Vorbereitung auf die Erstkommunion und bei der Durchführung von Filmabenden.

Diakon zu sein, bedeutet keine 5-Tage/8-Stunden-Woche. Da muss man an einem Strang ziehen. »Grundsätzlich wäre das auch in anderen Berufen wünschenswert. Toleranz und Verständnis gehören einfach in einer Ehe dazu«, betont Annette Montermann.

»Mein Dienst ist auch eine Bereicherung für meine Familie. Ich wurde von der Pfarrgemeinde nie als Einzelperson wahrgenommen«, konstatiert Montermann.

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