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Frühstück mit der »Infanterie«

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Ein (noch) aufgeräumter Schreibtisch in einem großen Büro mit Ausblick auf den Schlosspark: Für Michael Ranft begann sein erster Arbeitstag als Busecker Bürgermeister mit einem Frühstück zusammen mit den Bauhofmitarbeitern. © Böhm

Der neue Busecker Bürgermeister Michael Ranft (CDU) hat an seinem ersten Arbeitstag die Bauhof- und Waldarbeiter zum Frühstück eingeladen. Nach dem Kennenlernen kommen die großen Themen.

Buseck (vb). »Meine Infanterie« nennt Michael Ranft die Mitarbeiter, die er an seinem gestrigen ersten Arbeitstag zum Frühstück eingeladen hatte: Die Mannschaft des Bauhofs und die Waldarbeiter trafen sich auf Einladung des neuen Busecker Bürgermeisters im Kulturzentrum. Es war der erste Termin im neuen Amt für den CDU-Politiker. »Ich wollte mit dem Frühstück denjenigen Wertschätzung entgegenbringen, die oftmals vergessen werden, wenn man von ›der Verwaltung‹ spricht. Sie werden nicht oft gelobt, aber dafür kritisiert, wenn etwas schiefgeht«, erklärt der 45-Jährige mittags beim Pressetermin. Am 1. Januar hat er die Nachfolge von Dirk Haas (SPD) angetreten.

Kennenlernen ist in den nächsten Tagen angesagt, denn anders als sein Fernwalder Kollege Manuel Rosenke, der vorher Leiter der Finanzabteilung der Gemeinde war, ist Ranft für die meisten seiner Mitarbeiter noch ein Unbekannter. »Es ist mir wichtig, dass mich jeder kennenlernt und dass ich umgekehrt auch etwas über jeden erfahre.« Alle zusammengenommen, arbeiten rund 170 Personen für die Gemeinde Buseck. Da wird das Kennenlernen ein bisschen Zeit in Anspruch nehmen. Der 45-Jährige hat einen Fragebogen entwickelt, um etwas zur Stimmung in der Verwaltung und den Erwartungen an ihn zu erfahren.

Wie gut, dass Ranft in den nächsten Tagen noch keinen »offiziellen« Termin als Bürgermeister hat. Bei dem ersten in der nächsten Woche geht es gleich um eines der drängendsten Probleme der Gemeinde: die Kinderbetreuung. Fast 100 Kinder könnten aktuell keinen Betreuungsplatz bekommen. »Viele Eltern haben mir ihr Leid geklagt und von Existenzängsten gesprochen, weil sie keine Betreuung finden. Es besteht dringender Handlungsbedarf.« Bis die neuen Kindergärten in Oppenrod und Alten-Buseck gebaut sind, soll es als Übergangslösung einen Container-Kindergarten geben. Doch auch bis zu dessen Eröffnung rechnet der neue Bürgermeister mit »einem halben bis dreiviertel Jahr Vorlauf«. Warum dauert das so lange?

Zunächst müsste das Parlament den Container-Kindergarten beschließen. Das benötigte Geld muss im Haushalt bereitgestellt werden, den Ranft in der Februar-Sitzung vorstellen wird. Für April ist der Beschluss vorgesehen, dann muss auf die Genehmigung des Landkreises gewartet werden. Das wird schätzungsweise im Mai sein. Die Gemeinde muss Kauf oder Miete des Containers ausschreiben und Angebote einholen, einen Standort suchen und für alles eine Baugenehmigung beantragen. »Deshalb habe ich Zweifel, ob das dieses Jahr noch etwas wird.«

Fragen zu neuen Kindergärten

Bezüglich der Bauvorhaben ist auch noch einiges zu klären, wie Ranft beschreibt: Soll in Alten-Buseck auf dem Grundstück der Kirchengemeinde am Ortsausgang Richtung Großen-Buseck gebaut werden oder auf einer Fläche an der Harbig-Halle? Und reicht beim Kindergarten in Oppenrod ein Anbau oder muss neu gebaut werden? Wegen der Kosten könne man auch schauen, ob der Container-Kindergarten eine Dauerlösung sein könnte.

Die vielen benötigten Betreuungsplätze haben etwas mit dem Bevölkerungswachstum in Buseck in den vergangenen Jahren zu tun. Dies lag auch an den Baugebieten. Zwei weitere sollen bald realisiert werden: »Rahberg II« in Oppenrod und »Hainerde II« in Großen-Buseck. Die Grundstücke werden durch Imaxx vermarktet.

Der neue Bürgermeister berichtete zum zweiten Neubaugebiet, dass Imaxx bald zu einem Gespräch zusammen mit den Fraktionsvorsitzenden und dem Ortsvorsteher einladen werde, um die Idee vorzustellen, die Häuser mit Erdwärme zu beheizen.

Und dann wäre noch das Dauerthema Freibad. Konkret gehe es nun darum, die Sanierung des Bades und die Gestaltung der Wieseckinsel auszuschreiben und zu vergeben. Der neue Bürgermeister hofft auf einen Baubeginn in diesem Jahr und eine Eröffnung des Freibades 2023. »Ich stehe für das Freibad und das Freibad kommt«, meint er auf die Frage, ob das Projekt noch scheitern könnte.

Bei der Bürgermeisterwahl war oft von dem unterschiedlichen Stil von Michael Ranft und Dirk Haas die Rede. »Wir sind zwei unterschiedliche Menschen«, meint Ranft dazu. Ihn als »Moderator« zu charakterisieren, passe. »Ja, ein Bürgermeister muss Entscheidungen treffen, aber ich brauche Mehrheiten im Gemeindevorstand und im Parlament. Und dafür muss ich kämpfen.« Dem schlechten Klima in der Gemeindevertretung will der CDU-Politiker durch umfangreiche Infos für alle Fraktionen entgegenwirken. Mit den Grünen habe es bereits ein Gespräch gegeben, mit der SPD sei dies vorgesehen.

Die letzte Frage bezieht sich auf den Ratschlag, den Dirk Haas seinem Nachfolger gab: Dieser solle sich nicht so sehr vom CDU-Fraktionsvorsitzenden Frank Müller beeinflussen lassen. »Ich schätze Frank Müller sehr und wir kommen sehr gut aus. Ich bin keiner, der sich etwas vorschreiben lässt. Ich habe Grundsätze, die ich nicht verraten werde. Viele Ideen, die jetzt vorgestellt werden, stammen aus meiner Feder. Also wegen Beeinflussung muss keiner Sorge haben.«

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