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Ganz genau geschaut

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Von: Julia Dreyer

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Die Teilnehmer waren sich einig: Hier ist noch viel zu tun. Foto: Dreyer © Dreyer

Die Initiative »Verkehrswende in Buseck« hat die Radwege-Situation begutachtet. Auf einer Rundfahrt wurde die Radverkehrstauglichkeit an 15 Orten einem Check durch Radfahrer unterzogen.

Buseck (jbd). Seit 2018 begleitet die »Initiative Verkehrswende in Buseck«, ein offenes, überparteiliches Bündnis, die verkehrspolitischen Entwicklungen in der Gemeinde (und im Wiesecktal) mit Analysen und Impulsen. Nun war es mit dem 4. Busecker Verkehrswendetag für sie an der Zeit, vor Ort zu schauen, was aus den bereits erfolgten Beschlüssen der Gemeindevertretung, verkehrspolitischen Willensbekundungen und konkreten Umgestaltungen geworden ist.

Dazu wurde auf einer Rundfahrt die Radverkehrstauglichkeit an 15 Orten in Großen-Buseck, Alten-Buseck und Trohe einem Check durch Radfahrerinnen und Radfahrer unterzogen. Daraus entsteht dann ein detaillierter Prüfkatalog, der den aktuellen Zustand, Hintergründe und erforderliche Maßnahmen für die verantwortlichen Personen und Gremien in Buseck aufnimmt.

Gestartet wurde am Anger in Großen-Buseck, und mit einer Kaffeepause führte die Tour auf einer Strecke von 16 Kilometern schließlich nach drei Stunden zur Abschlusskundgebung beim Edeka-Markt zurück.

30 Teilnehmer

Rund 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer fuhren, begleitet von zwei Polizeiwagen, 15 Stationen an. Hier führten 14 Personen, die als Anwohner und auch durch ihre Expertise qualifiziert sind, jeweils kurz in die aktuelle Situation und die Hintergründe ein. Die Referierenden gehörten unterschiedlichen Gruppen und Parteien an, wobei alle vier Fraktionen der Busecker Gemeindegremien vertreten waren, wie Initiator Markus Ihle hervorhob. Anschließend gaben die Anwesenden jeweils spontan ein prägnantes Gesamturteil ab, das mittels eines drehbaren überdimensionierten Daumens bildlich angezeigt wurde: »Daumen hoch!« für Lob, »Daumen quer!«, für Verbesserungen sind festzustellen, aber es gibt noch etwas zu tun und »Daumen runter!« für Ungenügend!

Einige Beispiele: An der Zeilstraße erläuterte Anita Kraft den Verlauf des Hessen-Radwegs R7: Durch die Anbindung an die Rosenstraße sei eine schon länger geforderte Schulweg-Route zur IGS jetzt ermöglicht, aber noch nicht gut und sicher zu fahren. Auch stehe die Umwidmung von Rosen- und Bergstraße als »Fahrradstraßen-Anlieger frei« noch aus (»Daumen quer!«). Ein »Daumen hoch!« gab es an gleicher Stelle für die Einrichtung einer Tempo 30-Zone ab dem Ortseingang.

Deutlich verbessert, aber immer noch zu gefährlich sei die Einfahrt von der Tulpenstraße in die Zeilstraße. Schon die vielen Scherben auf der Straße zeigen die weiter bestehende Gefahr an dieser Stelle. Die rote Markierung des Radweges und die Mittelinsel seien zwar ein Fortschritt, aber es fehle an dieser Stelle noch ein Stoppschild und eine Bodenwelle für den Verkehr aus der Tulpenstraße (»Daumen quer, leicht gesenkt!«)

»Daumen hoch!« gab es unter anderem auch für die Lastenrad-Leihstationen und die Fahrradstraße in der Bahnhofstraße, deren Bedeutung aber wohl noch nicht ausreichend bekannt ist.

Keine Fortschritte

»Daumen runter!« wurde neben anderen Stellen am Schützenweg angezeigt, weil die für diese Strecke vor 24 Monaten beschlossene Fahrradstraße immer noch nicht realisiert wurde.

Am Rinnerborn (Alten-Buseck) gibt es außer »guten Worten« bislang keine Fortschritte (wie Querungshilfen, Tempo 30, weniger LKW-Verkehr), obwohl es auch hierzu einstimmige Beschlüsse der Gemeindevertretung gibt. Ebenfalls als ungenügend wurde die Situation am Schwimmbadgässchen beurteilt. Und auf den Kreisverkehr an der gefährlichen Kreuzung Schützenweg/Bismarckstraße wird weiter dringlich gewartet.

Auch die Radabstellanlagen an den Busecker Einkaufsmärkten wurden einer kritischen Prüfung unterworfen. Hier versprachen die freundlichen Filialleiter Verbesserungen.

Mit der Aktion sollte außerdem auf die Aktion ADFC-Fahrradklimatest 2022 aufmerksam gemacht werden, mit dem alle Radelnden die Situation in ihrer Stadt/Gemeinde per Fragebogen beurteilen können.

Auch wenn noch einiges zu tun ist: Im Landesvergleich reichte es 2020 für Buseck zu einem 2. Platz in Hessen unter den Orten mit weniger als 20 000 Einwohnern (bundesweit Platz 26). Es bleibt spannend, ob Buseck diesen verteidigen kann. Noch bis zum 30. November kann das Fahrradklima unter https://fahrradklima-test.adfc.de beurteilt werden. Je mehr Voten, umso genauer kann die Rückmeldung an die Politik ausfallen.

Die Initiative »Verkehrswende in Buseck« organisiert neben dem Verkehrswendetag im September weitere Veranstaltungen und Aktionen zu Radverkehr, Vogelsbergbahn, sicheren Schulwegen und Belastungen an Durchgangsstraßen. Zudem wirkt sie mit im gemeindlichen Arbeitskreis »Radverkehr« und hat 2021 ein detailliertes Radverkehrskonzept in Buseck erarbeitet.

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