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Gefängnis für einen Einsiedler

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Das Einsiedlerhäuschen im Schlosspark ist jetzt mit einer Gittertür gesichert. Foto:Wagner © Siglinde Wagner

Buseck (sil). »Nur Narrenhände beschmieren Tisch und Wände« besagt ein altes deutsches Sprichwort. Einen Tisch gibt es im Einsiedlerhäuschen im Schlosspark nicht. Nur Bänke. Und blöde Sprüche an den Wänden sowie schon mehrfach beschädigte und mit Farbe besprühte Info-Tafeln. Der Freundeskreis Busecker Schlosspark hat als »Bauherr« darauf reagiert und das Häuschen mit einer stabilen Gittertür versehen.

Jetzt sieht es fast so aus, als hätte Großen-Buseck nach fast 200 Jahren wieder ein eigenes Gefängnis.

Einst gab es ein Gefängnis an der Oberpforte und ein weiteres - genannt der Hexenturm (Abriss 1825) - an der einstigen Unterpforte (heute Bismarckstraße, ältere Dorfbewohner sprechen von der Langgass) in der Nähe zur Einmündung in die Ernst-Ludwig-Straße. Die Gerichtsbarkeit war 1827 aufgegeben und nach Gießen verlagert worden.

Etwa 220 Jahre ist es her, als eine junge Eiche im Schlosspark gepflanzt wurde. Anfang des Jahres ist sie aufgrund schwacher Wurzeln umgefallen und musste, zerlegt in Einzelteile, abtransportiert werden. Jetzt soll das Holz gut ablagern, bevor daraus ein Einsiedler geschnitzt und im Häuschen »lebenslang« sitzen wird.

Zur wahren Bedeutung des Einsiedlerhäuschens schreibt der Verein auf seine Homepage: »Am Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts gab es in englischen Landschaftsparks sogenannte Schmuckeremiten. Sie waren Angestellte des Parkeigentümers und lebten in einer eigens für sie errichteten Eremitage. Um die Eigentümer und deren Gäste zu unterhalten, mussten sie sich zu bestimmten Tageszeiten sehen lassen. In Deutschland waren Schmuckeremiten in Gärten bei Hamburg und Hannover bekannt. In unserem Schlosspark hat man sich damals vermutlich dieser Entwicklung angepasst und so das Einsiedlerhäuschen errichtet.

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