1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Buseck

»Gefahr für Demokratie von rechts«

Erstellt:

Von: Sonja Schwaeppe

Schüler der Gesamtschule Busecker Tal gestalteten wieder die Gedenkfeier zum 9.November vor der ehemaligen Synagoge in Großen-Buseck mit.

Buseck (son). Rund 130 Menschen hatten sich am Abend des 9. November vor dem Haus Anger 10 in Großen-Buseck versammelt. Sie gedachten vor der ehemaligen Synagoge gemeinsam der Busecker Jüdinnen und Juden, die durch das Naziregime, verfolgt, misshandelt, deportiert und ermordet wurden. Vor 84 Jahren wurde die Synagoge am Anger verwüstet, aber nicht wie viele andere jüdische Gotteshäuser in Brand gesteckt. Dies geschah aber wohl nur deshalb nicht, weil man ein Übergreifen des Feuers auf benachbarte Gebäude befürchtete. Zu der Gedenkfeier hatten der Freundeskreis Anger 10 sowie Schüler der Klassen 10b und 10f der Gesamtschule Busecker Tal eingeladen. Die Schülerschaft gestaltet und organisiert diese Gedenkveranstaltung seit Jahren mit.

Die Jugendlichen verlasen die Namen der Jüdinnen und Juden, an deren Schicksal »Stolpersteine« in der Kaiser- oder Bismarckstraße in Großen-Buseck erinnern. Andere legten als Zeichen der stillen Trauer kleine Steine auf den großen Gedenkstein vor Anger 10.

Dirk Haas vom Freundeskreis mahnte, dass man das Gedenken an die Schrecken der Reichspogromnacht aufrechterhalten müsse. Er freute sich daher, dass sich so viele Menschen an diesem Abend Zeit für die Veranstaltung genommen hatten. »Nur durch aktive Erinnerung können wir negativen Anfängen wehren und entgegentreten.«

Erich Hof sprach für die SPD und das Ortskartell Buseck des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Vertreter des Ortskartells hatten Anfang der 80er Jahre die ersten Gedenkveranstaltungen zum 9. November in Buseck organisiert hatte. »Die Menschen wurden hier an diesem Ort in der Reichspogromnacht vor 84 Jahren zusammengetrieben, misshandelt, beleidigt, bespuckt und dann nach Gießen und Frankfurt verschleppt, wo sie dann in die Konzentrationslager weiterverlegt wurden«, sagte er. Auch die Busecker Synagoge sollte von den Nazis abgebrannt werden. »Ein Busecker Feuerwehrmann und Sozialdemokrat namens Heinrich Zecher hat dies verhindert«, sagte Hof. Auch er erinnerte daran, dass das Problem des Rechtsextremismus noch lange nicht gebannt sei. »Auch heute kommt die Gefahr für die Demokratie von rechts«, meinte der frühere, langjährige Gemeindevertreter.

Pfarrer Bernd Apel stellte Dr. Halit Aydin, einen Vertreter der noch recht jungen Jüdisch-Islamischen Gesellschaft (JIG), vor. »Auch für mich, als 1983 geborenen Muslim, in Deutschland lebend, ist es wichtig, mich diesem Teil der deutschen Geschichte und Erinnerungskultur zu stellen und diese Geschichte auch anzunehmen«, sagte Aydin. Er erinnerte an die gemeinsamen Wurzeln von Islam und Judentum und bekräftigte, dass man Antisemitismus entschlossen entgegentreten müsse.

Auch interessant