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»Leichtsinn und Unaufmerksamkeit«

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Präventiv war die Bundespolizei am Bahnübergang Edekastraße im Gewerbegebiet Großen-Buseck im Einsatz, um die Lkw- und Autofahrer für die Gefahren des Bahnübergangs zu sensibilisieren. Wie sich zeigte, reicht dazu schon ein Polizeifahrzeug neben der Schrankenanlage aus © Wißner

Klaus Arend von der Bundespolizeiinspektion weist auf Gefahren am Bahnübergang hin.

Buseck (twi). Der Bahnübergang in der Edekastraße im Gewerbegebiet Großen-Buseck gilt als neuralgischer Punkt. Wenn dann ein Polizeifahrzeug neben dem beschrankten Bahnübergang mit Lichtzeichenanlage und Andreaskreuz parkt, erhöht dies die Aufmerksamkeit der Fahrer. Das zeigte sich bei einem Termin vor Ort mit dem Pressesprecher der Bundespolizeiinspektion Kassel, Polizeihauptkommissar Klaus Arend.

Die Bundespolizeiinspektion, mit Sitzen auch in Fulda und am Bahnhof Gießen, ist von der Landesgrenze zu Niedersachsen bis zur Grenze zum Wetteraukreis für die in diesem Bereich existierenden rund 500 Bahnübergänge zuständig.

Kollisionen

In der Edekastraße in Großen-Buseck war es auf der Strecke von Gießen nach Fulda im Juli 2013 und zuletzt im Mai 2018 zu Kollisionen zwischen Lkw und Bahn gekommen, gab es 2018 insgesamt drei Schwer- und 17 Leichtverletzte. Drei tödliche Unfälle hatte es in den vergangenen Tagen an Bahnübergängen gegeben, doch diese waren nicht der Anlass für die Aktion in der Edekastraße.

»Wie auch in den vergangenen Jahren, sind Beamte der Bundespolizeiinspektion Kassel wegen der Sicherheit an Bahnübergängen gezielt an ausgesuchten Streckenbereichen in Nord-, Ost- und Teilen Mittelhessens im Einsatz. Ziel ist es, Bahnübergänge, bei denen vermehrt Fehlverhalten festgestellt wurde, zu überwachen und Verkehrsteilnehmer bei Bedarf über richtiges Verhalten aufzuklären. Wir wollen, dass alle sicher drüber kommen«, betonte Arend.

Es gehe der Bundespolizei dabei keinesfalls darum, Verwarnungsgelder zu kassieren, sondern vielmehr die Fahrer zu sensibilisieren. »Wir haben alle in der Fahrschule die Bedeutung von Andreaskreuz, Schranke und rotem Licht gelernt«, betont Arend und appelliert an die Fahrzeugführer, sich die notwendige Zeit beim Überqueren eines Bahnübergangs zu nehmen. Denn wenn es zu einer Kollision kommt, dann trifft es vor allem die Fahrzeuge hart.

Ein Personenzug hat ein Gewicht von etwa 1000 Tonnen und benötigt aus voller Fahrt von 100 Stundenkilometern bis zu einem Kilometer zum Anhalten. Dies werde oftmals von Auto- und Lkw-Fahrern nicht bedacht, einfach noch schnell versucht, den Bahnübergang zu überqueren, obwohl sich die Schranken schon senken. Hier gilt jedoch: Auch wenn die Schranken noch oben sind, muss bei Rot angehalten werden. Geschlossene Halbschranken dürfen nie umfahren, unter geschlossenen Vollschranken nicht hindurchgeklettert werden.

Wer dabei erwischt wird, der wird mit dem neuen Bußgeldkatalog aber auch so richtig zur Kasse gebeten. 350 Euro kostet es für Fußgänger und Radfahrer, die noch eben schnell versuchen, über den Bahnübergang zu kommen. Bei Autofahrern sieht es schon anders aus, die müssen nicht nur das Doppelte bezahlen, sie erhalten auch ein Fahrverbot für zwei Monate. Auch ein Weiterfahren ist erst dann erlaubt, wenn die Schranken vollständig geöffnet sind und das Lichtzeichen erloschen ist. Alle Bahnübergänge sind mit dem Andreaskreuz gekennzeichnet, das dem Schienenverkehr Vorrang vor dem Straßenverkehr einräumt. Und auch einen Tipp gibt es noch: Wer am Bahnübergang warten muss, der sollte seinen Motor ausschalten, denn bereits ab zehn Sekunden Standzeit lohnt es sich, wird Kraftstoff gespart und die Umwelt geschont.

Prävention

In der Präventionskampagne »sicher drüber« klären Deutsche Bahn, ADAC, Bundespolizei, Verband Deutscher Verkehrsunternehmen, die gesetzlichen Unfallversicherungen UVB und VBG sowie die BAG Sicherheit für Kinder über das richtige Verhalten auf. Nach der für Hessen zuständigen Bundespolizeidirektion Koblenz gibt es in Hessen 1022 Bahnübergänge. Dabei ereigneten sich von Anfang 2020 bis zum 21. Februar 2022 hessenweit 73 Unfälle an Bahnübergängen, davon 40 an Bahnübergängen mit Halbschranken, 24 an Bahnübergängen mit Vollschranken, fünf an Bahnübergängen ohne Lichtzeichenanlage.

Im Bereich der Bundespolizeiinspektion Kassel kam es seit Januar 2021 bis zum tödlichen Traktorunfall vor wenigen Tagen bei Korbach zu insgesamt 40 Vorfällen an Bahnübergängen - mit zwei Todesfällen. Acht Kollisionen erfolgten mit Eisenbahn, Lkw und Pkw. Der Gesamt-Sachschaden bei diesen Unfällen beläuft sich auf knapp eine Million Euro.

»Leichtsinn, Unaufmerksamkeit und Unkenntnis sind die häufigsten Ursachen. Doch wie im Straßenverkehr, gelten auch dort klare Regeln«, macht Arend deutlich und verweist darauf »Rot an Lichtzeichenanlagen heißt Stopp, ebenso wie geschlossene Voll- oder Halbschranken. Die Praxis sieht jedoch leider oft anders aus: Die Bedeutung des Andreaskreuzes und der Sicherungsanlagen ist vielen Straßenverkehrsteilnehmern nicht oder nicht richtig bekannt. Leichtsinn und Ungeduld verleiten manch Einen zu riskanten Aktionen. Dies ist schlicht lebensgefährlich.«

Aufmerksamkeit

Beim Bahnübergang in der Edekastraße kommt erschwerend hinzu, dass es sich bei der Einfahrt ins Gewerbegebiet um ein leichtes Gefälle handelt und beim Verlassen um einen leichten Anstieg. Beides erfordert vor allem bei Lkw-Fahrern erhöhte Aufmerksamkeit, gerade, wenn es zu Rückstaus kommt, kann es zu gefährlichen Situationen kommen. Deshalb sei es unbedingt erforderlich, sich bremsbereit und mit mäßiger Geschwindigkeit dem Bahnübergang zu nähern. Bei einem unbeschrankten Bahnübergang empfiehlt Arend zudem, das Radio auszuschalten, denn oftmals setzten Züge auch ein Pfeifsignal bei unübersichtlichen Bahnübergängen ab.

»Anhalten, wenn sich ein Zug nähert, sicherstellen, dass man nicht auf dem Übergang zum Halten kommt, das heißt, der Verkehrsraum hinter dem Bahnübergang muss frei sein und er muss ausreichend Platz bieten«, so Arend.

Foto: Wißner

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Klaus Arend Polizeihauptkommissar © Thomas Wißner

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