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Nächtliches Martyrium gesühnt

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Buseck (bcz). An diesen Kirmesbesuch in Buseck 2018 wird sich die heute 25-jährige Maler- und Lackiererin immer erinnern, denn er hat ihr Leben verändert, nur leider nicht zum Positiven. Der Abend endete für das Opfer in einem Alptraum, der sich bis zum nächsten Morgen hinzog. Ein heute 29-jähriger Angeklagter musste sich am Mittwoch wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und sexueller Nötigung vor dem Amtsgericht in Gießen verantworten.

Da er geständig war und Reue zeigte, verurteilte ihn das Gericht zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren mit der Auflage, dass er sich einer Therapie unterzieht.

Der verhängnisvolle Abend hatte gemütlich begonnen. Das spätere Opfer, damals noch in der Ausbildung, ging gemeinsam mit einer Bekannten und ihrem Ex-Freund, dem späteren Täter, zum Festplatz. Das Trio traf dort auf weitere Bekannte, man saß und trank zusammen. Sie und ein weiterer Bekannter besprachen dann etwas abseits. Ihr Ex reagierte darauf eifersüchtig, schilderte sie. Es kam zum Streit. Diese Situation musste mit Hilfe der Security geglättet werden. Gegen drei Uhr morgens wollte die junge Frau über einen Feldweg nach Hause gehen. »Ich kenne die Strecke in- und auswendig. Dafür brauche ich normalerweise nur ungefähr 15 Minuten«. Ihr Ex-Freund bestand darauf, sie zu begleiten. »Ich wollte das nicht und habe versucht, ihn abzuschütteln«. Das gelang ihr nicht.

Auf dem Weg kam es zu Handgreiflichkeiten, Verletzungen und Drohungen. »Er saß auf mir und hielt mir den Mund zu«, erzählte die zierliche Frau, die versucht hatte, sich zu wehren. Er nahm sie auch in den Schwitzkasten, öffnete ihre Hose und sagte zu ihr »Ich liebe Dich«. Diese Tortur ging über einen längeren Zeitraum. Irgendwann ließ er von ihr ab und verschwand. Um sieben Uhr morgens stand er vor ihrer Tür und bedrohte sie aufs Neue, als sie gerade in ihr Auto gestiegen war. Er schlug die Fensterscheibe mit seiner Faust ein, zog den Wagenschlüssel ab und zwang sie, mit ihm in ihre Wohnung zu gehen. Sie wurde von ihm zu sexuellen Handlungen gezwungen. Nachdem er einschlief, schlich sie sich aus ihrer Wohnung und ging zur Polizei.

Die junge Frau ist bis heute durch diese Erlebnisse traumatisiert. Ein Menge Alkohol war wohl dabei im Spiel gewesen, wie viel, das ließ sich nicht mehr bestimmen, da entsprechende Nachweise in den Akten fehlten. Der Gutachter Prof. Dr. Phillip Grant sagte über ihn aus, dass er damals wohl zweimal in der Woche ungefähr einen Kasten Bier und eine Flasche Wodka alleine getrunken habe. Von daher wurde die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass die Tat unter erheblichem Alkoholeinfluss geschehen sei, was sich wiederum strafmildernd für den Angeklagten auswirkte.

Nach dem Vorfall hat sich der heute 29-Jährige umgehend bei Pro Familia gemeldet und sich dort in eine Männergesprächsgruppe begeben, anschließend zog er weg. Mittlerweile lebte er in einer festen Beziehung, ist Vater von zwei Söhnen und trinkt nach eigenem Bekunden keinen Alkohol mehr. »Ich kann dir dein altes Leben nicht zurückgeben. Ich schäme mich für das, was ich dir angetan habe«, sagte er vor der Urteilsverkündung. Er akzeptierte die Schmerzensgeldforderung der Nebenklage in Höhe von 7000 Euro. »Ein solches Verfahren kann den Schmerz des Opfers nicht wieder gut machen«, stellte Richter Dr. Dietrich Claus Becker letztlich fest.

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