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Neu bauen, aber Dorfbild erhalten

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In Alten-Buseck soll im Zuge der Nachverdichtung neuer Wohnraum entstehen. © Zylla

Der Busecker Bauausschuss berät über zwei Bebbauungspläne. Eine Beschlussempfehlung wurde jedoch vertagt.

Buseck (zye). Die Bebauungspläne »Dörfelsweg / Reiskirchener Straße« und »Am Holzpfad« standen auf der Tagesordnung des Bau-, Landwirtschafts- und Umweltausschuss (BLUA). Zu einer Beschlussempfehlung an die Gemeindevertretung kam es jedoch in beiden Fällen - trotz langer Diskussionen - zunächst noch nicht.

Der BLUA vertagte die Abstimmung über den Durchführungsvertrag und Satzungsbeschluss für das Bauvorhaben »Dörfelsweg/Reiskirchener Straße« in Beuern. Hier sollen 17 Wohneinheiten entstehen. Geplant sind sechs Einfamilienhäuser, acht Doppelhaushälften, drei Reihenhäuser sowie eine technische Zentrale. Bauherr ist hier die Wengerter Massivhaus GmbH. Im BLUA war daher auch der Investor Heinrich Wengerter anwesend. Der wurde von einem Änderungsantrag der Freien Wähler überrascht. Immo Zillinger (FW) hätte gerne vertraglich festgehalten, dass Einheimische beim Verkauf oder der Miete der Grundstücke berücksichtigt werden. Auch das vorgelegte Verkehrskonzept mit Privatstraßen stieß auf Ablehnung bei den FW. Bauamtsleiter Michael Thelen klärte auf, dass es sich bei dem Baugebiet um ein Privatgelände handele: »Es kann hier keine öffentlichen Straßen geben. Es ist ein Grundstück mit vielen Wohneinheiten. Im Prinzip handelt es sich hier um eine Gemeinschaftsanlage.« Der Ausbaustandard der Gemeinde finde hier keine Anwendung.

Das Vorhaben des Investors wird mit einem sogenannten »vorhabenbezogenen Bebauungsplan« realisiert. Ein Durchführungsvertrag zwischen Gemeinde und Investor regelt unter anderem die Erschließungsmaßnahmen. Flächen außerhalb des Vorhaben- und Erschließungsplans können dennoch in diese Art von Bebauungsplan miteinbezogen werden. Die Verantwortung der Kommune für die städtebauliche Planung bleibt dabei jedoch unangetastet.

»Aus Sicht der Verwaltung sind der Durchführungsvertrag und städtebauliche Vertrag so in Ordnung. Wir sollten hier zum Satzungsbeschluss kommen«, so Thelen. Schließlich wolle man schon länger mehr Wohnraum schaffen. Dennoch beschloss der Ausschuss, das Thema im Geschäftsgang zu belassen, um weiter darüber beraten zu können. Einzig die SPD hätte gerne schon an diesem Abend eine Beschlussempfehlung an die Gemeindevertretung beschlossen.

»Am Holzpfad«

Nicht ganz reibungslos verlief auch die Debatte über die Innenverdichtungspläne in Alten-Buseck. Hier möchte die Gemeinde gerne beim Bebauungsplan »Am Holzpfad« mehr Wohnraum schaffen. Dabei soll auf »eine behutsame Nachverdichtung« gesetzt werden. Das Plangebiet wird von den Straßen Holzpfad und Köhlerweg durchkreuzt und besteht aus einem allgemeinen Wohngebiet zum einen und aus einem Dorfgebiet zum anderen. Ausgeschlossen sind indes zum Beispiel Gartenbaubetriebe und Tankstellen. Das Gemeindebild soll gewahrt bleiben, eine neue Bebauung sich in die umliegende einfügen. Auch Grünflächen müssen in die Planung einbezogen werden. Schottergärten sind hier nicht gestattet. Einen Aufstellungsbeschluss für die erste Änderung des Bebauungsplanes hatte die Gemeindevertretung am 22. April 2021 beschlossen. Matthias Wolf (Planungsbüro Fischer) stellte im BLUA die erste Änderung vor, die bei den FW jedoch teilweise auf Ablehnung stieß. Immo Zillinger hatte einen umfangreichen Änderungsantrag mit fünf Punkten vorgelegt, den Wolf nach seiner Vorstellung Punkt für Punkt kommentierte. Über die Punkte des FW-Antrages stimmte der Ausschuss einzeln ab. Vor allem die in der Planung befindliche Festsetzung der Anzahl der Wohneinheiten wurde kritisiert und nach anschließender Debatte und Abstimmung reduziert. BLUA-Vorsitzender Gunnar Wagner (FW) fasste zusammen: »Das Dorfgebiet Gießener Straße erhält demnach vier Wohneinheiten, westlich vom Köhlerweg können sechs entstehen, im Gebiet mit Einfamilienhäusern drei und fünf Wohneinheiten im neuen Wohngebiet.« Allen Änderungsvorschlägen der FW wurde mehrheitlich zugestimmt, einige Punkte zogen die FW nach den Beratungen des Gremiums zurück.

Nicht nur die Wohneinheiten, auch die Gründstücksgrößen wollen die FW festgesetzt sehen. So sollten diese eine eine Mindestgröße von 500 Quadratmeter haben, gegebenenfalls mit Ausnahmen. Mathias Wolf wies darauf hin, dass diese Festsetzungen gegen das Ziel einer Nahverdichtung wären. Es sei ja etwa »Sinn, unterschiedliche Strukturen für unterschiedliche Bevölkerungsschichten zu erschaffen.« Es müssten also sowohl Einfamilien- als auch Mehrfamilienhäuser berücksichtigt werden. Weiter sieht der FW-Änderungsantrag vor, dass die Art der Bedachung nicht festgesetzt werden solle. Wolf sieht hier städtebauliche Probleme, da die Dachlandschaft dann nicht mehr stimmig zum Rest des Ortsteils passen könnte. Die FW möchte auch gerne von den Plänen zu Höhenfestsetzungen der neuen Gebäude abweichen. Auch eine Informationsveranstaltung, also eine frühe Bürgerbeteiligung, müsse in die Planung miteinbezogen werden.

Dem Vorschlag dazu von Mathias Wolf stimmte das Gremium einstimmig zu: »Wenn Sie eine frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit durchführen, nehmen wir die Anregungen der Bürger in ein Protokoll auf. Danach führen wir die Entwurfsoffenlage durch. Diese beiden Prozesse fließen dann in den Satzungsbeschluss ein.«

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