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Rund um die Uhr einsatzbereit

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Torsten Hansmann stellt den Eheleuten Frank das Material für die Voraushelfereinsätze vor. © Wagner

Die Busecker Voraushelfer arbeiten mit dem Rettungsdienst Hand in Hand.

Buseck. Am 6. Februar jährt sich der Tag, an dem die Voraushelfer der Freiwilligen Feuerwehr Buseck zu einem Einsatz zu Roger Frank gerufen wurden. Seine Ehefrau hatte ihn im Wohnzimmer sitzend mit starken Schmerzen im Brustbereich angetroffen. »Roger hat sich mit beiden Händen auf die Brust gedrückt. Da kam bei mir sofort die Erinnerung an meinen Vater auf. Als er einen Herzinfarkt erlitten hat, bot sich mir das gleiche Bild«, berichtet Birgit Frank im Pressegespräch. Ohne zu zögern rief sie die 112 an. Mit der Alarmierung des Rettungsdienstes werden parallel die Voraushelfer informiert.

Derzeit 20 Aktive

Die Einsatzfahrzeuge der beiden Diensthabenden der aktuell 20 aktiven Voraushelfer stehen jeweils dort, wo sie sich gerade aufhalten. Deshalb können sie ohne einen Umweg über das Feuerwehrgerätehaus von Zuhause oder einem örtlichen Arbeitgeber zum Einsatzort fahren. »In einer solchen Situation fühlt man sich so unendlich hilflos. Die Voraushelfer waren ratzfatz da. Es war ein beruhigendes Gefühl, mit dem Problem nicht mehr allein zu sein, und dass so schnell etwas unternommen wurde«, erinnern sich die Eheleute Frank.

Die Voraushelfer werden aufgrund ihres professionellen Auftretens häufig mit dem Rettungsdienst verwechselt. »Wir ersetzen keinesfalls den Rettungsdienst und wollen dies auch nicht tun«, betont Torsten Hansmann. Er ist Gemeindebrandinspektor und der Vorsitzende des 2017 gegründeten Fördervereins der Voraushelfer Buseck mit derzeit 298 Mitgliedern. Seit der Etablierung vor fast 20 Jahren gehört Hansmann dem Voraushelferteam an.

Ziel sei es, die therapiefreie Zeit so kurz wie möglich zu halten. Die Ortsnähe mache dies möglich. Die Voraushelfer nehmen eine erste Anamnese vor, beschaffen Informationen zu Vorerkrankungen und Medikamenteneinnahmen, nehmen Vitalparameter auf (das Messen der Temperatur ist in Pandemie-Zeiten besonders wichtig) und leiten diese Angaben zielgerichtet an den etwas später eintreffenden Rettungsdienst und Notarzt weiter. Damit keine erneute Verkabelung des Patienten notwendig wird, ist das genutzte Equipment kompatibel mit dem des Rettungsdienstes. Die Voraushelfer assistieren bei Bedarf den Hauptamtlichen, leisten etwa Unterstützung bei der Reanimation oder beim Heraustragen des Patienten, was insbesondere in engen Treppenhäusern problematisch sein kann.

Zum Einsatz kommen zwei Fahrzeuge, ein kleineres Allradfahrzeug und ein größeres Fahrzeug, das zum Beispiel nach Verkehrsunfällen auch Verletzte aufnehmen kann.

Notfallrucksäcke

Die beiden Notfallrucksäcke und ein Ersatzrucksack sind gepackt mit Defibrillatoren und EKG-Geräten Sechskanal (Anschaffungskosten neun Tausend Euro), Pulsoxymetern, CO-Warngeräten oder Absaugpumpen. Auch mehrere Feuerlöscher werden mitgeführt. Das alles kostet Geld. Obwohl es sich um keine Pflichtaufgabe handelt, finanziert die Gemeinde Buseck mit Unterstützung des Fördervereins das System. Es erfolgt keine Abrechnung der Einsätze an Leistungsträger oder Patienten. Die Voraushelfer, die 24 Stunden an sieben Tagen die Woche in Einsatzbereitschaft stehen, arbeiten ehrenamtlich.

2019 wurden 290 Einsätze geleistet, 2020 waren es 210, was auf weniger Notfälle und eine zweimonatige Zwangspause aufgrund unklarer Coronabestimmungen zurückzuführen ist. Mit 292 Einsätzen in 2021 ist die Zahl auf ein normales Niveau angestiegen. Bei den Voraushelfern handelt es sich grundsätzlich um Feuerwehrfrauen und -männer mit einer Feuerwehr-Sanitäterausbildung oder einer Ausbildung im Rettungsdienst. Die Helfer schützen sich und die Patienten durch tägliche Tests, dem Tragen von FFP2-Masken und Schutzkleidung.

Manche Einsätze sind schwer zu verkraften. Gespräche mit Notfallseelsorger können da hilfreich sein. »Meine Familie oder Arbeitskollegen spüren sofort, wenn ich von einem tragischen Einsatz zurückkomme. Sie stellen keine Fragen, lassen mich erst mal in Ruhe«, sagt Torsten Hansmann. Sehr belastend waren die beiden Einsätze an Heiligabend. »Wir konnten nicht helfen. Zwei Sterbefälle innerhalb einer Stunde, das war hart. Da kann man nicht einfach unbeschwert mit der Bescherung weitermachen.«

Wertschätzung

Die Voraushelfer genießen im Ort eine hohe Wertschätzung. Über Worte des Dankes und persönliche Briefe freuen sie sich sehr. Ablehnung erfahren sie äußerst selten. »Körperlich wurden wir noch nie angegriffen, höchstens mal verbal. Das waren dann aber wirklich schräge Typen,« erzählt Hansmann.

Normalerweise endet mit dem Einsatz die Informationskette. Meistens wissen die Helfer nicht, was aus dem Betroffenen geworden ist.

Anders bei Roger Frank, der selbst seit Jahrzehnten in der Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Großen-Buseck und hier als Zugführer aktiv ist. Der jetzt 61-Jährige litt bereits im Sommer 2020 unter gesundheitlichen Problemen. Untersuchungen führten damals zu keiner Diagnose. Intensivere Untersuchungen im Krankenhaus, die sich zunächst auf Herzprobleme fokussiert hatten, brachten schließlich eine stark vergrößerte und entzündete Galle als Ursache der heftigen Beschwerden zutage. Ihm geht es wieder gut. Bei den Voraushelfern bedankte er sich kürzlich mit einer Spende in Höhe von 555 Euro.

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