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Stets Flagge gezeigt

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Von: Sonja Schwaeppe

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Propst a.D. Klaus Eibach überreichte Pfarrer i.R. Michael Karg die Urkunde zur Goldenen Ordination. Foto: Schwaeppe © Schwaeppe

Vor 50 Jahren wurde Pastor Dr. Michael Karg in der Oppenröder Kirche ordiniert. Dies wurde mit einem musikalischen Gottesdienst und vielen Gratulanten gefeiert.

Buseck (son). Mit einem musikalischen Gottesdienst in der Oppenröder Kirche ehrten die Gemeinde und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau ihren langjährigen Pastor Dr. Michael Karg. Der 76-Jährige empfing vor 50 Jahren in dem beschaulichen Gotteshaus in Oppenrod seine Ordination als Pastor.

Persönliche Worte fand Propst a.D. Klaus Eibach zu Kargs beruflichem Wirken. »Die Themen Gerechtigkeit und Solidarität, Frieden und Versöhnung, Bewahrung der Schöpfung im Nah- und Fernbereich sind Kernanliegen Deines Pfarrdienstes«, sagte Eibach. Im Heute stets Gottes Willen für gelingendes Leben zu erspüren, bleibe eine Herausforderung bis in heutige Tage. »An Demonstrationen teilzunehmen, für Kirchenasyl einzutreten, war Dir nicht fremd. Harte Auseinandersetzungen hast Du auch führen müssen in Deinem Eintreten für die Segnung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften. Auch hier hast Du Flagge gezeigt gegen Intoleranz und hast aus dem Evangelium heraus Orientierung gegeben«, sagte Eibach an Karg gerichtet. Es sei Karg auch immer ein Anliegen gewesen, sich in biblische Texte hineinzudenken und Gottes Wort mit dem Leben im Hier und Jetzt zu verbinden.

Karg startete nach seinem Studium in Bethel, Heidelberg und Marburg sein Lehrvikariat bei Pfarrer Dettmering in der Gießener Thomasgemeinde. Zum 1. Oktober 1972 wurde er zum Pfarrvikar der EKHN ernannt, für eine halbe Stelle in Buseck im Dekanat Kirchberg. »Es war sicher kein leichter Start für einen jungen Theologen, der aus der 68er-Bewegung kommend einem konservativ bestimmenden Kollegen an die Seite gestellt wurde«, meinte Eibach. Am 12. November 1972 erfolgte die Ordination in Oppenrod, ab Sommer 1973 erhielt Karg den vollen Dienstauftrag in Großen-Buseck/Oppenrod. Im Jahr 1988 wechselte Karg nach Kleinlinden, wurde schließlich stellvertretender Dekan im Dekanat Gießen. Ab 1994 übernahm Karg zusätzlich zum Gemeindedienst die Dekanstelle im neu errichteten Dekanat Schiffenberg. Vom März 2000 bis zu seinem Ruhestand Ende Mai 2011 wählte die Kirchensynode Michael Karg in das Amt des Propstes für Nord-Nassau.

»Dein anschließener Ruhestand ist nur teilweise Ruhestand«, meinte Eibach. Karg predige oft und gern auf verschiedenen Kanzeln, habe den Vorsitz in der Martin-Niemöller-Stiftung übernommen und unterstütze die Kirchenleitung im Auswahlverfahren für angehende Pfarrerinnen und Pfarrer.

Immer in Bewegung

Dass Michael Karg der guten Predigt nicht müde war, zeigte er anschließend auf der Oppenröder Kanzel. Als Grundlage nahm er sich eine Zeile aus dem ersten Kapitel des Lukas-Evangeliums heraus. »Und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.« Zunächst ordnete Karg das Bibelzitat ein, das sich auf das Leben von Johannes dem Täufer bezieht. »Johannes wurde herausgerufen, seinen Weg zu gehen und auch wir als Christen sind durch unsere Taufe herausgerufen, unseren Weg mit Gott zu gehen«, sagte Karg. Das bedeute auch, zu begreifen, dass das Leben mehr sei als Konsumieren und Funktionieren. »Die Christliche Existenz ist eine Existenz in Bewegung. Wir alle befinden uns auf einem Weg.« Diese Bewegung und das stete sich Bewusstwerden auf welchem Wege man sich befinde, solle auch die Kirche selbst nicht vergessen. »Wer nur in Bilanzen und Strukturen denkt, verfehlt seinen Auftrag.« Auch in seinem Leben seien seine Taten und sein eigener Weg von anderen nicht immer begeistert aufgenommen worden, sagte Karg. Neuerungen im Konfirmandenunterricht, die Frauengruppe, das Eintreten für ausländische Mitbürger oder sein Eintreten für die Segnung homosexueller Paare, sei auch von viel Widerspruch begleitet worden. »Ich blicke dankbar zurück«, schloss er.

Dank für den Gottesdienst galt auch Pfarrerin Anne-Barbara Schneider, dem Oppenröder Kirchenvorstand mit Dr. Angela Stender, den Bläserensemble aus Kleinlinden und Mathias Schulze an der Orgel.

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